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richteten, daß es reich an Trauben ſei, und brachten Proben von ungewöhnlich großen Trauben mit; wäre es damals wärmer geweſen, ſo hätte, wie geſagt, das Land kein reiches Weinland ſein können.
Einige haben gemeint, einen Beweis dafür, daß Weinbau in einigen Ländern geweſen ſei, wo er jetzt nicht angetroffen wird, in dem Umſtande zu finden, daß dort in den Privi⸗ legien, welche der Papſt daſigen Klöſtern ertheilt habe, Wein⸗ bau erwähnt ſei; aber das kam nur daher, daß des Papſtes Schreiber gleiche Privilegien für die Klöſter in den verſchie⸗ denen Ländern ausfertigten, ohne zu bedenken, daß die nörd— lichen keinen Weinbau hatten.
In den wärmſten Ländern unſeres Erdtheils, wie in Griechenland, Italien und einem Theile von Frankreich, wächſt der Oelbaum, wovon Baumöl gewonnen wird, aber in kälteren Ländern gedeiht er nicht. Weiter nördlich, über die franzöſiſche Gebirgskette, die Cevennen genannt, hinaus, erſtreckt ſich der Oelbaum nicht; aber nördlicher fand man ihn auch vor 1800 Jahren nicht. Das erfahren wir aus dem griechiſchen Buche, welches der Geograph Strabo um Chriſti Zeiten geſchrieben hat.
Wir könnten noch viele andere dergleichen Beiſpiele aus alten Schriften dafür anführen, daß die Erde weder wärmer noch kälter in all' der langen Zeit geworden iſt, worin Men⸗ ſchen ihre Beobachtungen niederſchrieben, die auf uns gekom⸗ men ſind; aber die vorſtehenden genügen. Nur muß beach⸗ tet werden, daß ſie keinesweges die in geſchichtlicher Zeit vorgekommenen klimatiſchen Veränderungen einzelner Ge⸗ genden der Länder, z. B. die Abkältung Islands oder die Trockenlegung, Erwärmung und Kultur einzelner deutſcher Landſtriche beſtreiten ſollen.
Die Menſchen waren in der Vorzeit nicht grö⸗ ßer oder kraftvoller. Man erzählt gleichfalls, daß die Menſchen in ehemaligen Zeiten viel größer waren als jetzt; aber auch dies beruht auf Einbildung und Irrthümern. Man hat hier und da alte Gebeine gefunden, welche Einige ungeheuren Rieſen zuſchrieben; aber man hat nachher der⸗ gleichen Gebeine näher unterſucht und geſehen, daß es nicht Menſchengebeine waren, ſondern daß ſie von großen vier⸗ füßigen Thieren herrührten. Dagegen hat man vielfältige Gelegenheit gehabt, Leichen und Gerippe zu unterſuchen, welche Menſchen angehörten, die vor vielen hundert, ja vor ein paar tauſend Jahren geſtorben waren, und ſich dadurch überzeugt, daß die Menſchen, im Ganzen genommen, weder größer noch kleiner waren, als jetzt. In Aegypten, wovon ſo oft in der Bibel die Rede iſt, hatte man den Gebrauch, die Leichen auf eine ſo geſchickte Art zu balſamiren, daß ſie ſich zum Theil bis jetzt erhalten haben und noch auf undenk— bare Zeiten erhalten können. Dieſe balſamirten Leichen oder Mumien, wie ſie genannt werden, wurden entweder von den Verwandten als Heiligthümer verwahrt, oder in dazu be⸗ ſtimmte große und ſtarke öffentliche Gebäude oder Grabge⸗ wölbe geſetzt, die man in Felſen ausgehauen hatte. Man findet ſie deshalb noch heutzutage in Menge. Wenn man dieſe Mumien betrachtet, ſieht man keinen Unterſchied zwi⸗ ſchen der Menſchengröße vor ein paar tauſend Jahren und jetzt. Der Gedankenloſe, welcher nicht überlegt, daß die Leichen durch die Ausdörrung eingeſchrumpft ſein müſſen, wird ſogar glauben, daß ſie kleiner geweſen ſind, und die Mumien im neuen Muſeum von Berlin z. B. erſcheinen in der That von ſehr mittelmäßiger Größe; aber wenn man die Gebeine derſelben betrachtet, ſieht man, daß die Leute damals in Aegypten weder größer noch kleiner waren als jetzt; ſie werden nämlich dort im Ganzen genommen etwas
kleiner als bei uns oder weiter nach Norden, z. B. in Schweden.
In vielen andern Ländern trifft man Gerippe und zer⸗ ſtreute Gebeine, von welchen man mit Sicherheit ſagen kann, daß ſie Menſchen angehörten, die vor vielen hundert, ja ein paar tauſend Jahren geſtorben ſind, und überall, wo ſich dergleichen finden, zeigt eine genaue Prüfung aller Umſtände, daß die Größe der Menſchen ſich nicht verandert hat.
Ueberhaupt muß man ſich vor Trugſchlüſſen hier in Acht nehmen. Es mag einzelne rieſenhafte Familien gegeben haben; aber es gibt deren dann und wann noch jetzt, und ſolche Ausnahmen erhalten ſich niemals auf die Dauer. Es haben Völkerſchaften gelebt, die ſich durch Größe und ſchlanke Figur, oder durch Kürze und Stämmigkeit auszeichneten, wir dürfen z. B. nur an die alten Deutſchen oder die Hun— nen erinnern; aber ſolche Unterſchiede verſchwinden oder wech⸗ ſeln und kommen noch vor, wie denn z. B. der Patagonier ziemlich größer iſt als der Koſak oder Lappländer. Endlich iſt das Kleinerwerden kommender Generationen oft mehr Schein als Wirklichkeit, wie denn z. B. das in Frankreich ſeit 60 Jahren um 2 Zoll verringerte Militairmaß noch nicht auf eine demgemäße Verringerung der Korpergröße der ganzen Nation ſchließen läßt.
Man behauptet ferner oft, daß die Menſchen in alten Tagen kräftiger waren, als ſie jetzt ſind; aber dies iſt nicht beſſer begründet. Unter Anderem führt man für dieſe Meinung an, daß man alte Ritterrüſtungen ſo ſchwer findet, daß es in unſern Zeiten einem Ritter kaum möglich ſein würde, ſich darin zu bewegen. Aber erſtens ſehen wir aus alten Schriften, daß dieſe Rüſtungen auch damals beſchwer⸗ lich gefunden wurden, daß ſie ſich gegen dreiſtes leichtbewaff⸗ netes Kriegsvolk nicht vertheidigen konnten, wenn es dieſem glückte, ihre Reihen zu durchbrechen(man denke nur an die Schweizer⸗Schlachten); zweitens muß man bedenken, daß es die Uebung war, wodurch man dieſe gewichtigen Rüſtungen tragen lernte. Leute, welche ihre Kraft an einer oder an⸗ dern beſondern Sache üben, erlangen oft darin eine große Stärke. Man hat auch das Beiſpiel gehabt, daß ein Auf⸗ ſeher einer Rüſtkammer, der nicht ungewöhnlich ſtark war, als er dieſes Amt erhielt, durch lange Uebung ſich eine ſolche Fertigkeit erworben hatte, die alten Rüſtungen und Waffen zu tragen und zu gebrauchen, daß er noch in ſeinem acht⸗ zigſten Jahre Proben davon ablegen konnte. Endlich muß man auch bedenken, daß es öfter Rüſtungen der kraftvollſten Kriegsmänner als ſchwacher und kraftloſer Perſonen waren, welche man aufbewahrte. Man ſpricht auch von alten ſo großen Schwertern, daß es Menſchen unſerer Zeit ſchwer fallen würde, ſie zu ſchwingen; aber dies hört auf ſtaunens⸗ werth zu ſein, wenn man weiß, daß Kriegsmänner in der Zeit, wo man Pulver und Kugeln noch nicht kannte, oft Schwerter hatten, welche ſie gleich den ungeheuern mittel⸗ alterlichen Humpen mit beiden Händen führten. Jetzt, da die ſchweren Helme und Harniſche außer Gebrauch ſind, wie ſie denn auch wenig nützen würden bei unſerer Weiſe Krieg zu führen, hat man auch dergleichen ſchwere Schwerter abge⸗ ſchafft. Man findet endlich einige alte ſehr große Schwer⸗ ter, die man zum Prunk bei gewiſſen feierlichen Gelegen⸗ heiten vortragen ließ. Der, welcher dergleichen für Kriegs⸗ waffen hält, muß von den Kräften unſerer Vorväter eine große Vorſtellung bekommen. Die Schwerter dagegen, welche wir ſo oft in alten Hünengräbern antreffen, und über⸗ haupt die meiſten Waffen, die wir aus alter Zeit finden, zeigen uns hinlänglich, daß die Stärke der Menſchen in vo⸗ rigen Zeiten nicht größer war, als in unſern Tagen.
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