Jahrgang 
1857
Seite
304
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allein, über die der Abbé Guerber ein eigenes Buch ge⸗ ſchrieben, mit ihren theils dunkel und abſtract all zeriſchon, theils klaren und derben D Darſtellungen des Lebens Jeſu, d Schöpfung des Menſchen, der Heiligen u. ſ. w., wobei man ſich nicht geſcheut, Portraits von Kaiſern und andern profa⸗ nen Perſönlichkeiten anzubringen, Werke von Meiſtern, die um vier ja, wenn man die Spuren barbariſcher Reſtau⸗ ration und die nicht zu ihrem Vortheil abſtechenden moder⸗ nen Arbeiten hinzurechnet, um acht Vahrhlenderte auseinan⸗

der liegen. Da iſt's denn vollends begreiflich, daß die Baſen und Kapitäle der Säulen in Schiffen, Kapellen und Triforien, die Gewölbe, Frieſe und Ornamente alle mög⸗ lichen, bald rohen und ſtrengen, bald einfach ſchönen, bald geſuchten und gedrechſelten Formen zeigen und daß ſelbſt die beliebte Grundform der chriſtlichen Kirchen, das fromme Kreuz, durch an⸗ und vorgebaute, theilweiſe eingeſenkte Kapellen vielfach beeinträchtigt iſt. (Fortſetzung folgt.)

Sonſt und Jetzt.

Aus E. J. Reimanun's nachgelaſſenen Papieren.

Die Meinung, daß die Welt ſchlechter werde, iſt eine weit verbreitete. Man braucht bloß zu hören, wie über das Kälterwerden der Winter, das Theurerwerden der Lebens⸗ mittel, das Seltenerwerden geſunder alter Leute geklagt wird, um dieſe Meinung klar zu erkennen. Auch ſind dieſe Klagen nicht neu; man ſüuhße Stellen in uralten Schriften, woraus man ſieht, daß alte Leute ſchon damals, vor zwei, dietanſon Jahren verſicherten, die Menſchen wären nicht meh r ſo ſtark, geſund und rechtſchaffen, wie in ihren jungen Tagen. Daſ⸗ ſelbe, findet man, iſt auch in allen nachfolgenden Zeiten ge⸗ ſchehen. Wenn nun die Welt dabei geblieben wäre, ſich fort

und fort zu verſchlimmern, welch' ein himmelweiter U Unter⸗ ſchied müßte zwiſchen den Menſchen, welche vor zwanzig, dreißig oder noch mehr Jahrhunderten gelebt haben, und

uns ſein, die wir jetzt leben! Wäre es wahr, ſo müßten wir uns freilich darein finden denn es würde uns wenig helfen, uns beſſer zu lügen, als wir ſind aber es iſt nicht wahr, und dann müſſen wir uns auch in Acht nehmen, es zu glauben. Wir hören oft, daß Etwas gerühmt und als Beiſpiel zur Nacheiferung aufgeſtellt wird, bloß weil es alt iſt; bildeten wir uns jetzt fälſchlich ein, daß Alles ehedem ſo viel herrlicher war, ſo

würden wir nicht den Muth haben, das Alte zu prüfen, ſo

wie wir das Neue dreiſt und mit Recht prüfen. Ueprgens aber dürfen wir uns über die Entſtehung und die Allge⸗ meinheit ſolcher Klagen nicht wundern. Die Eindrücke, die der Menſch in ſeiner Jugend empfängt, ſind in der Regel die bei Weitem friſcheſten und kräftigſten; das Glück der Kindheit iſt bei den meiſten Menſchen das reinſte und hellſte; die Geſundheit der kräftigen Jahre läßt bei vielen Menſchen mit dem vorrückenden Alter bedeutend nach. Umgekehrt ſind die Entbehrungen und Bedrängniſſe, in denen ein Menſch aufwächſt, auch diejenigen, an die er ſich am leichteſten ge⸗ wöhnt, während er ſolche, die in ſpäteren Zeiten kommen, mühſam verſchmerzen lernen muß. Es iſt die natürlichſte Folge aller dieſer Verhältniſſe, daß nicht wenige im Alter manches früher Genoſſene ſchmerzlich vermiſſen, an neuen Genüſſen wenig Geſchmack finden, neue Unannehmlichkeiten dagegen um ſo bitterer beklagen.

Wir wollen nun daran gehen, einige ſolcher lange geheg⸗ ten Irrthümer, die zum Theil ſcheinbar ſehr triftige Gründe haben, zu berichtigen.

Die Wärme der Luft hat ſich nicht verändert. Viele bilden ſich ein, daß die Wärme auf der Erde im Laufe der geſchichtlichen Zeit mehr und mehr abgenommen habe.

Es gibt zwar auch ſolche, welche meinen, daß es allmälig wärmer wird; aber wir werden bald ſehen, daß keine von beiden Parteien Recht hat. Zwar gibt es oft eine Anzahl von Jahren hintereinander, welche ungewöhnlich kalt oder ungewöhnlich warm ſind; aber dergleichen iſt nicht von Dauer. Die Frage iſt, ob es in uralten Zeiten durchge⸗ hends wärmer oder kälter war, als in unſern Tagen, oder

ob durchaus keine merkliche Veränderung geſchehen iſt.

Jeder weiß, daß Grönland ein ſehr kaltes Land iſt, voller Eisberge, welche niemals ſchmelzen, und daß es von der Seeſeite beinahe von Eis umlagert iſt, das ſelbſt im Sommer die Fahrt dahin ſchwierig macht. Von dieſem Lande iſt oft bei uns geſagt worden, daß es vordem weit milder und ergiebiger war, und daß es vor mehr als vier⸗ hundert Jahren ſehr fruchtbar geweſen ſei, ſo daß Nahrungs⸗ mittel von da nach Dänemark ausgeführt werden konnten. Man hat genau nachgeforſcht, woher ſolche Nachrichten kamen und hat eingeſehen, daß ſie auf Mißverſtändniſſen beruhen. Dagegen findet man in einem alten Buche, das in Norwegen vor fünf bis ſechs Jahrhunderten verfaßt iſt und Königsſpiegel genannt wird, Grönlands Eis ſo beſchrie⸗ ben, daß man keinen Unterſchied zwiſchen dem damaligen und jetzigen Zuſtand bemerkt. Dem widerſpricht nicht, daß einige früher bewohnte Orte jetzt verſchneit und öde ſtehen, ebenſo

wenig, wie man aus dem Verſinken oder Herauftauchen eini⸗

ger Küſtenſtriche in England oder Holland auf ein Senken oder Steigen des jetzigen Weltmeeres ſchließen darf.

Ein anderes Beiſpiel können wir aus der Bibel nehmen. Man erfährt daraus, daß zu Chriſti Zeiten das gelobte Land ſowohl Weintrauben als die ſüße Frucht der Dattel⸗ palme trug; aber kein Land, das geringere Wärme als das gelobte Land(200 Arago) hat, bringt reife Datteln hervor, und kein Land, das größere Wärme als die angegebene Mittel⸗Temperatur hat, geſtattet einen wirklichen und allge⸗ meinen Weinbau. Wir ſehen daraus, daß das gelobte Land zu Chriſti Zeiten weder wärmer noch kälter als in unſern Tagen hat ſein können; denn Wein und Datteln gehören noch jetzt zu ſeinen Früchten. Wir brauchen uns nur daran zu erinnern, welches Jahr man jetzt ſchreibt, um zu ſehen, wie lange es her iſt, daß die Wärme des gelobten Landes ſich beſtändig erhalten hat; und doch kann man weiter gehen und ſagen, daß es nicht einmal zu Moſes Zeit, die etwa 1500 Jahre vor Chriſtus fällt, alſo mehr als 3300 Jahre vor unſerer Zeit, wärmer war als jetzt; denn die Leute,

welche Moſes ausgeſandt hatte, das Land zu erſpähen, be⸗

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