Jahrgang 
1857
Seite
295
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Wamms und die dunkelſchwarzen, kurzen Lederhoſen ſo vortrefflich kleideten.

So einen Burſchen giebt es weit und breit nicht, ſagte ſich ihr Mutterſtolz und er hatte nicht Unrecht.

Es gab kein hübſcheres Geſchwiſterpaar auf der gan⸗ zen Alb, als Conrad und Engel waren.

Dorethai, nachdem ſie ihnen lange nachgeblickt, war heute viel freundlicher als ſonſt gegen ihren Bauern. Es mochte ihr wohl eingefallen ſein, daß er der Vater dieſer hübſchen Kinder ſei.

Bruder und Schweſter gingen Hand in Hand fröhlich

und guter Dinge auf dem nächſten Wege durch den Wald dem Marktflecken zu. Der Herbſt ſchüttelte bereits das gelbe Laub von den Buchen und Eichen und überdeckte, einem weichen Teppiche gleich, den ſchmalen Pfad, den ſie

wandelten, die dürren Aeſte wölbten ſich trübſelig und

lebensmüde drüber hin doch der fröhlichen Jugend, die unter ihnen voll Lebensluſt hinwandelte, blieben alle düſteren Gedanken fern, welche ſich ſo leicht an das fal⸗ lende Laub und den darauf folgenden tiefen Schlaf der Natur anreihen.

In dem Lenze des Lebens umgaukeln nur Freude und Hoffnung die Seele, welche ſelten eine trübe Ahnung um

flort und wenn ja nur neckiſch und reizend, dem

zarten Nachthauche gleich, den der erſte Sonnenſtrahl von der lachenden Landſchaft löſt, nur wilde, gewaltſame Stürme vermögen Jugend und Glück zu ſcheiden.

Jetzt iſt's bald Winter, Conrad, plauderte Engel. Sieh! wie die Bäume ſich ſchütteln! Der Wald wird ſchon licht, und der Wind fährt drinn herum, als finde er

den Ausweg nicht mehr; aber es freut mich, denn im

Winter iſt's auch ſchön, und ſo oft er vor der Thür ſteht, möcht' ich allemal rufen: komm geſchwind herein. Mau ſitzt ſo warm beiſammen in der Kunkelſtube, wenn's draußen ſchneit und ſtürmt, und jedes weiß eine neue Geſchichte von einer Hexe oder einem Geiſte, oder ſonſt was zu er⸗ zählen, und neue luſtige Lieder giebts auch; da füllen ſich die Spindelu ſo flink dabei, und kaum daß der Mon⸗ tag vorbei iſt, ſteht ſchon wieder der Sonntag da; wer Pferde hat, kaun dann nach der Kirche Schlitten fahren. Und wir könnens, Gott ſei Dank! ſtehn doch ſechs Roß⸗ köpfe in unſeres Vaters Stall. Du, Conrad, kannſt den Winter die Mutter und mich zu allen Freunden in der

verbarg ſich etwas, der Handelsvortheile halber.

Nachbarſchaft führen, denn der Vater, das weißt du ja,

liegt lieber auf der Brude(ein breites Bettgeſtell) und raucht ſeine Pfeife Tabak.

Ein paar Mal ſoll's ſchon geſchehen! erwiderte Conrad.Aber alle Sonntag? Kann nicht ſein. Das wäre ein ſchöner Zeitvertreib. Da bin ich lieberbei mei⸗ nen Kameraden im Wirthshauſe.

Ja, und verſaufſt und verſpielſt alles beim Geigelen (Kartenſpiel), fiel Engel raſch ein;oder läufſt ſchon am hellen Nachmittage den Mädlen in die Kunkelſtube nach, und hängſt dich an des Lindenſchmieds ſchlechte Magd, die Keiner im Dorfe ſonſt mag, weil ſie ein freches Weibs⸗ bild iſt.

Conrad lachte laut auf.

Was gehts dich an, Engel, wenn ich mir Zeitvertreib

mit einem Mädle mache? Ich werde doch einen Schatz

haben können? Bis ich auf den Höhlenhof heirathen muß, bekomme ich doch eine rechte Wäͤurin drauf.

Das kann ſchon ſein, ſagte Engel.Es macht's manch einer ſo, und wird doch nicht viel drum geſchmäht; aber bei mir ſteht's halt anders geſchrieben und heißt:

. wenn ich Einen zum Schatz möcht, ſo möcht ich ihn auch zum Hochzeiter, und wer nicht mein Mann werden kann, darf auch nicht mit mir gehen, mich nicht zum Tanz führen und noch viel weniger mein Vorſitzer ſein in der Kunkelſtube. Drum ſag ich: Herzla ſei ruhig und rege dich nicht, bis der kommt, der den Eltern recht iſt und das Vermögen zuſammenpaßt, wie es der Brauch iſt. Wenn dir aber vorher doch ein Anderer gefällt, wie machſt's denn da? fiel Conrad in der Schweſter Rede. Dann guck' ich bei Seite und denke: das kann halt nicht ſein, Engel, du mußt einmal eine rechte Bäurin werden, und es iſt beſſer, du fängſt nichts an, daß dich auch nichts zu gereuen hat, dann bleibſt vergnügt dein Lebtag. Haſt Recht, Engel! Bleib dabei! rief Conrad. . 1 83* Ich mach's halt anders. Und er fing an, aus voller Kehle zu ſingen; Thüra auf! Thüra auf! D' Läde ſind zua. J bin halt im Wirthshaus A luſtiger Bua. 4 Und e luſtiger Bua Bin i älleweil g'weſa, Des kennet viel Mädle Im Geſicht mir ableſe. Und e luſtiger Bua Bin i älleweil noa, Des wois mer im Wirthshaus, Des wois mer ja ſchoa.

Engel ſchüttelte zwar den Kopf zu dem luſtigen Liede des Bruders, mußte aber doch lachen bei ſeinem fröhlichen Gejodel.

Sie erreichten bald das Ende des Waldes und hatten von da nicht mehr weit in den Marktflecken, der in einer äußerſt fruchtbaren Ebene, umſäumt von ſchönen Waldun⸗ gen liegt.

Man ſah von allen Richtungen Leute auf das Dorf zuſchreiten. Freundlich verkehrte der Proteſtant mit dem Katholiken, beide mit dem ſonſt ſo verachteten Handels⸗ juden, ſelbſt die ſehr derbe Offenheit des Albbauern Ver⸗ traulich ſaß man hinter dem Wirthstiſche zuſammen, um beim Trunke noch hie und da kleine Anſtände zu beſeitigen oder noch irgend ein Vortheilchen herauszuſchlagen.

Auch Conrad kam mit Engel in's Wirthshaus, nach⸗ dem er lange mit ihr auf dem Markte herumgelaufen war, und nur eine Kuh nach ſeinem Geſchmacke gefunden und gekauft hatte. Der Klang des Silbers in ſeiner Taſche weckte allzuſehr die Luſt nach den Wirthshausfreuden in ihm, und Engel machte ihn vergebens auf dies oder jenes ſchöne Stück Vieh aufmerkſam, er konnte ſich zu einer nützlichen Verwendung des noch vorhandenen Geldes nicht entſchließen. Er führte die Schweſter zum Tanze, und das hübſche Kind fand bald Tänzer genug.

Eine recht tolle Luſtigkeit herrſchte unter dem jungen Volke; das Gejauchze, das Aufſtampfen und Händeklat⸗ ſchen übertönten ſehr häufig die ſchwachen Inſtrumente, welche manchmal die ſonderbarſten Weiſen der vorgeſun⸗ genen Themas nachſpielten, die, je länger die Luſtigkeit andauerte, um ſo wilder und übermüthiger aus dem Munde der Burſchen erſchallten. Auch Conrad drehte ſich eine Weile auf ſehr muthwillige Art mit den katholi⸗ ſchen Mädchen herum, deren etwas feineren Manieren er mit großer Derbheit begegnete; doch in der allgemeinen Luſt wurde alles luſtig aufgenommen und ſelbſt gegenſei⸗