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belebtes Bild dar, indem aus allen Höfen die mit Wohl— gefallen geſättigten Bewohner derſelben nebſt ihren Gäſten in ſchmuckſtem Sonntagsſtaat dem Hauſe des Schulzen zuwanderten, aus dem bereits die hellen Töne der Clari⸗ netten, Flöten und Trompeten hervorſchallten..
Die geräumige ebene Lehmdiele war in wenigen Mi⸗ nuten mit Tanzenden und Nichttanzenden angefüllt, aber trotzdem ſtrömten noch immer neue Paare und neue Trupps durch die beiden kleinen Seitenthüren und die rieſige Bogenthür auf der Giebelſeite herein, ſo daß ſich endlich Alle, welche nicht tanzen wollten, in die Zimmer und auf die Gallerie, die rings um den obern Theil der Hausflur hinlief, zurückziehen mußten.
Da man das bunte Gewühl von dieſer Gallerie am beſten überſchauen konnte, ſo ſtieg ich die kleine ſchmale Treppe hinan und poſtirte mich neben einen alten jovialen Wenden, welcher ſehen wollte, wie ſich ſeine jüngſte Toch⸗ ter, die zum erſten Mal eine„Auſt“ mitmachte, im Tanz⸗ getümmel geberde.
Trotz der großen Anzahl tanzender und tanzluſtiger Paare herrſchte eine lobenswerthe Ordnung auf dem ebenen Plan, wo die keck umherblickenden Burſchen, jauchzend und mit den Füßen ſtampfend, ihre Mädchen im Kreiſe herumſchwenkten.
Nationaltänze haben die Wenden in dieſer Gegend nicht mehr; langſame und raſche Walzer, Schottiſche und mitunter ein„Jägerſchottiſch“ bilden die ganze Tanzord⸗ nung. Die Muſik unterſcheidet ſich gleicherweiſe nicht von der anderwärts üblichen; auffallend war mir nur die mit grellrothen Bändern geſchmückte winzige Clarinette eines der Muſikanten, die mitunter wahrhaft infernaliſche Töne von ſich gab— Töne, welche man nicht unrein oder falſch nennen konnte, die aber ſelbſt das laute Freudenge⸗ ſchrei, das Händegeklatſch und das Fußgeſtampf über⸗ täubten und durch Mark und Bein drangen. Ich bewun⸗ derte die Lungenkraft des vierſchrötigen, pausbäckigen Burſchen, der dies diaboliſche Inſtrument blies; denn er pauſirte nie, um ein Glas zu leeren oder um Odem zu ſchöpfen, wie es ſeine Kameraden gar häufig thaten. Dafür hatte er aber auch die Genugthuung, daß die„Lö⸗ wen des Dorfs“ ihm zwiſchen den einzelnen Tänzen tap⸗ fer zutranken und manches Wort des Lobes für ſein kräf⸗ tiges Spiel ſpendeten.
Gleichwie empfindliche Gehörorgane durch dieſe gel⸗ lende Muſik gelitten hätten, ſo würden auch ſchwache Augen durch den Schein der grellen Farben und der Goldſtickereien angegriffen worden ſein, welche drunten im Nachmittagsſonnenglanz leuchteten und funkelten und blitzten. Die Burſchen trugen durchgehends dunkle tuchene Jacken und Beinkleider, aber die Nationaltracht der Mäd⸗ chen war ſo buntſcheckig und grellfarbig, daß es ſchwer geweſen wäre, irgend eine Nuance zu erdenken, welche an ihren Röcken, Miedern, Schürzen und Tüchern gefehlt hätte. Vornehmlich aber war es Roth, grelles, leuch⸗ tendes Roth— die Nationalfarbe der Wenden— wel⸗ ches allüberall das Auge blendete. In der Höhe fiel daſſelbe um ſo mehr in's Geſicht, als ſämmtliche Mützen der Mädchen ohne Ausnahme von rothem Zeuge verfer⸗ tigt und mit langen flatternden Bändern und Schleifen geſchmückt waren. Die Goldſtickereien auf dem von brei⸗ tem Bande eingefaßten Dreieck am obern Theil der Mütze — ein Hauptſchmuck der reicheren Mädchen— und die ſchweren ſilbernen Ohrringe, ein Schmuck aller, ſtachen anmuthig gegen dieſe Farbenpracht ab.
Die Pauſen zwiſchen den Tänzen würden gewiß nicht ſo lange gedauert haben, wenn ſie nur durch Unterhal⸗ tung ausgefüllt worden wären; da aber Bier und Brannt⸗ wein in Strömen floſſen, und die vielgeliebten Paggeleitze, in nicht zu verachtende„Quadern“ geſchnitten, auf rieſigen Schüſſeln der tanzenden Welt präſentirt wurden, ſo ver⸗ ſtrich zum größten Behagen der durſtigen und tapfer zechenden Muſikanten meiſtens eine geraume Zeit, ehe die Jugend wieder Luſt bekam, einen neuen Walzer oder Schottiſch„abzutreten.“
Die Wenden ſind bei ihren Luſtbarkeiten ſonſt eben nicht mundfaul, aber beim Tanzen werden wenig Worte gemacht. Beginnt die Muſik, ſo klatſcht jeder Burſche dreimal kräftig mit den Händen; auf dies wohlbekannte Signal kommt ſeine Tänzerin herbeigehüpft, hängt ſich an ſeinen Arm, und in der nächſten Minute fliegt das Paar raſch dahin.
Im Hauſe des Schulzen ſchien es ſämmtlichen Dorf⸗
bewohnern und deren Gäſten aus den umliegenden Orten ausnehmend wohl zu gefallen, denn es dauerte eine ge— raume Zeit, ehe ſich der Zug nach dem nächſten Hofe in Bewegung ſetzte. Als dies aber endlich geſchah, da ward die„Räumung“ auf eine wunderbar ſchnelle Weiſe voll— zogen. Die Muſteanten ſtellten ſich an die Spitze, die tanzende Jugend ſchloß ſich ihnen paarweiſe an, und mit klingendem Spiel und fliegenden Bändern und Schürzen ging's über den grünen Hofraum und die breite Dorf gaſſe nach dem benachbarten Hauſe, wo ſchon Alles zum Empfang des luſtigen Heeres bereit war. Der ſtattliche Hof des Schulzen, wo vor wenigen Minuten noch das bunteſte Gewühl und der ausgelaſſenſte Jubel geherrſcht hatten, war plötzlich wie ausgeſtorben; der hochbetagte Vater des Schulzen und zwei Kinder, die vor der großen Thür im Nachmittagsſonnenſchein ſpielten, waren die einzigen menſchlichen Weſen, welche kein Vergnügen daran gefunden hatten, dem Zuge zu folgen. Auf der zweiten Station ging es eben ſo, wie im Hauſe des Schulzen; nur daß eifriger getanzt und gezecht, aber weniger gegeſſen wurde, weil in letzterer Beziehung auf dem Grund und Boden des Dorfwürdenträgers ſo viel geleiſtet worden war, daß der nunmehrige Wirth nicht zürnen konnte, wenn ſeine Paggeleitze zum größten Theil ein Schaugericht blieben.
Wenn man die Wenden arbeiten und tanzen ſieht, ſo möchte man faſt verſucht werden zu ſagen:„Ein Wende wird nie müde!“ Die Ausdauer, mit welcher Burſchen und Mädchen fort und fort die längſten und raſcheſten Tänze mit geringer Unterbrechung tanzten, erregte im höchſten Grade mein Staunen; es ſchien, als ob jeder neue Tanz ihnen neue Luſt und neue Kraft gebe.
Im dritten, vierten und fünften Hauſe verweilte die jubelnde Tanzgeſellſchaft nicht ſo lange, als in den erſten beiden; ſeltſam aber war es, wie die ganze Scene in jedem folgenden Hauſe der in dem vorhergehenden ſo ähnlich war, daß man hätte glauben können, man befinde ſich noch immer auf derſelben Flur, auf welcher der Tanz zuerſt begonnen: eine Folge der durchweg gleichartigen Einrichtung aller wendiſchen Häuſer. Durch die hohe Bogenthüngintretend, ſtand man in jedem auf der gro ßen Lehmdiele, die am untern Ende zu beiden Seiten von Stallungen und am obern Ende von Kammern und Vor rathskammern eingeſchloſſen war, zwiſchen denen links und rechts eine kleine Thür in den Hof führte. Der
hohen Bogenthür gegenüber befanden ſich die Thüren zu


