—
Feuer!“ und ſchoſſen eine ganze Salve auf den Wagen ab, zum Glück ohne Speiers zu treffen. Dieſer verliert keine Zeit; ſei⸗ nen Revolver feſt in die Hand faſſend, eilt er den elf Räubern nach, die, als ſie dies ſehen, über den breiten Chauſſeegraben ſetzen, um auf der andern Seite von Neuem zu laden. Bald kehren ſie zurück, umringen Speiers in einiger Entfernung und rufen ihm zu:„Wir ſehen, daß Ihr ein braver Mann ſeid; das ſind wir auch;— ergebt Euch. Wir wollen einen ſo tapfern Mann nicht tödten.“—„Schöne Helden,“ höhnt ihnen Speiers entge⸗ gen, elf gegen Einen, und damit ſtürzt er gegen die Räuber an, die bei ſeiner Annäherung Ferſengeld geben.„Warum flieht ihr?“ ruft er;„ſagtet ihr nicht, ihr hättet Courage! Kommt Feig⸗ linge!— kommet alle— einer nach dem andern, ich erwarte euch hier.“.
Ein Kugel⸗ und Schrotregen, der um die Ohren des uner⸗ ſchrockenen Mannes flog, war die einzige Antwort, die er erhielt. Er ſeinerſeits, ſchießt vier ſeiner Läufe ab, trifft aber nicht, da ihm bei den beſtändigen Bewegungen der Pferde, das Zielen unmöglich iſt.
Jetzt kamen die Paſſagiere zu Speiers heran; ſie faſſen ihn feſt, ſie bitten ihn, ſeine Waffen zu übergeben, damit ſie nicht alle dem Zorne der Räuber zum Opfer fallen, ſie beſchwören ihn, zu bedenken, daß eine Dame unter ihnen ſei. Noch zögert Speiers;
wieder umringen ihn die Räuber; er, die Piſtole in der Hand,
ruft ihnen zu:„Ihr ſagt, daß ihr brave Kerle ſeid, wir wollen ſehen, ob es ſich ſo verhält. Bedingungen übergeben.“„„Welche ſind ſie! Wir ſchwören, ſie zu erfüllen,““ erwiederten die Banditen.—„Gut! zuerſt alſo, daß ihr euch nicht an meiner Perſon vergreift; zweitens, daß ihr alle meine Sachen unangetaſtet laßt.“—„„Wir ſchwören es,““ riefen die Räuber faſt einſtimmig.—„Dann nehmet hier meine Waffen, es ſind noch zwei Läufe geladen.“ Der Anführer der Bande nahm das Piſtol und nun ging es über den Wagen. In einem Augenblick waren die Koffer erbrochen, die Reiſetaſchen umgekehrt. Nichts ward geſchont, als was Speiers als ſein Eigenthum bezeichnet hatte. Während des ganzen Auftritts ſaß dieſer ruhig auf einer ſeiner Kiſten und malte Figuren in den Sand. Als die Räuber ihr Geſchäft beendet hatten, grüßten ſie ihn noch voll Achtung und ritten davon. Es waren in dieſem Kampfe mehr als dreißig Schüſſe auf Speiers abgefeuert worden. Nur zwei davon hatten ihn leicht verwundet, als er im Wagen nach ſeinem Revolver ſuchte, der eine im Arm, der andere im Rücken; eine dritte Kugel fand er beim Zubettgehen im Stiefel, ohne zu wiſſen, wo ſie ihn getroffen hatte, Dem Engländer war die Hand zerſchmettert, auch der Poſtillon trug einige Wunden davon und der Dame waren vier Kugeln durch die Kleider gegan⸗ gen, ohne ſie ſelbſt zu verletzen.
Herr Albert Speiers iſt ein Kaufmann aus New Hor k, der ſeit Jahren in dem mexikaniſchen Caravanenhandel beſchäf⸗ tigt iſt. Bei einer früheren Gelegenheit, wo er mit zehn Gefähr⸗ ten hinter dem Zuge zurückgeblieben war, hielt er mit ihnen ein Gefecht gegen 75 Indianer aus, das von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang währte und in welchem 25 Rothhäuter auf dem Platze blieben.
Ich will meine Waffen unter zwei
Abonnements⸗Erneuerung.
„Wir wünſchen aufrichtig,“ fügt der„Monitor“ dieſer Erzählung hinzu, daß wir in Mexiko nur ein paar hundert Män⸗ ner hätten, von dem Schlage des Herrn Speiers. Die Straßen⸗ räuber, welche unſere Chauſſeen unſicher machen, würden dann bald eine Behandlung erfahren, wie ſie dieſelbe verdienen, trotz der menſchenfreundlichen Sorgfalt unſerer ehrenwerthen Reprä⸗ ſentanten, die höchſtens einen Climawechſel für die, ihrer Mei⸗ nung nach wohl nur localen Gebrechen vorſchreiben.
Das Amylen. Unter dem Buchſtaben L(Liebig?) enthält die „Neue Münchner Zeitung“ einen Artikel über das neu entdeckte, unter dem Namen Amylen bekannt gewordene Mittel, chirur⸗ giſche Operationen ſchmerzlos auszuführen. Das Amylen iſt eine Kohlen⸗Waſſerſtoffverbindung und wurde durch v. Balard, nach Andern von Cahours entdeckt. Es wird gewonnen durch Deſtillation des Fuſelöls(Amylalkohol's) mit Chlorzink, oder mit Schwefelſäure, oder waſſerfreier Phosphorſäure, iſt farblos, ſehr flüchtig und von außerordentlich geringem ſpezifiſchen Gewicht. Sein Gebrauch wird der Mehrzahl wohl eben nicht angenehm er⸗ ſcheinen, doch keinesfalls wird dieſe Unannehmlichkeit einen ſo hohen Grad erreichen, daß deßhalb das Mittel nicht angewendet werden könnte, Idioſynkraſien natürlich ausgenommen. Die bisher in München ſowohl an Menſchen als Thieren angeſtellten Verſuche, mit Amylen Betäubung hervorzubringen, ſcheiterten, ſo wie auch die zu Berlin gemachten. Sobald man aber in Berlin Gelegenheit hatte, mit Londoner Amylen zu experimentiren, traten die erwünſchten Reſultate ebenfalls ein, wie in London, und die Herſtellung des ganz gleichen Präparats iſt wohl ſicher⸗ lich zu erwarten. Snow, der bis jetzt die meiſten Erfahrungen über dieſes neue Betäubungsmittel machte, gibt an, daß die Betäubung raſch(nach drei Minuten und früher) eintritt, wenn die gehörige Menge Amylens verbraucht wurde, denn man be⸗ darf wegen ſeiner großen Flüchtigkeit mehr als von Chloroform. Der Zuſtand des Kranken iſt häufig der Art, daß die Empfindung aufgehoben erſcheint, nicht aber gänzlich das Bewußtſein, und wenn auch dies noch nicht als Regel gelten kann, ſo wird das Amylen doch ſchon deshalb mit dem Chloroform concurriren können, weil ſeiner Anwendung durchaus jene Nachwirkungen nicht folgen, die nach Gebrauch des Chloroforms vorkommen, wie länger anhaltender Schwindel, Brechneigung u. ſ. w. Es ſcheint ſomit, daß dieſes neue Mittel dem Zwecke Empfindungs⸗ loſigkeit hervorzurufen, gleich dem Chloroform, ohne aber ſo energiſch auf den Organismus einzuwirken, wie dieſes, weit mehr entſprechen werde, wie jedes andere bis jetzt verſuchte.
In der Stadt Kaaden, Saazer Kreis Böhmens, habe ich— erzählt ein Touriſt— am Neujahrstage Vormittags eine Ge⸗ wohnheit angetroffen, die ich noch nirgends bemerkt habe. Die Kinder ſuchen ſich einen etwas größeren Apfel aus, ſtecken ihn an ein Holzſtäbchen und gehen damit, meiſtens zu ihren Anver⸗ wandten, gratuliren, wozu ſie natürlich ein Sprüchlein einſtudirt haben. Nach der Gratulation ſtecken die Begratulirten ein Geld⸗ ſtück in den Apfel, als Neujahrsgeſchenk.
Mit Nr. 27 beginnt das dritte Quartal des„Feierabend.“ Unſere geehrten Abonnenten mögen die Güte haben, ihre Beſtellungen bei den betreffenden Buchhandlungen und Poſtämtern rechtzeitig aufzugeben, damit die
Verſendung keinen Verzug erleide. zug
Der bisherige vierteljährliche Pränumerationspreis bleibt unverändert beſtehen,
obgleich Redaction und Verlagsbuchhandlung mit dem neuen Vierteljahre noch bedeutendere Anſtrengungen machen
werden, dem Blatte immer größere Vollkommenheit zu geben.
Verlag von Hugo Scheube in Gotha.— Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha.— Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig.
Hugo Scheube.


