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angefallen, wie ein Wegelagerer, und mit ſeinem derben Schnabel grimmig auf ſie eingehauen.
Die Auerhenne iſt um ein Drittel kleiner und ganz an⸗ ders gefärbt als der Hahn. Ihr Gefieder iſt durchaus gelb⸗ braun mit ſchwarzen Wellenflecken, ihre Bruſt roſtroth. Zum niſten ſcharrt ſie ſich eine Grube im Gebüſche gewöhnlich zwiſchen Baumwurzeln, und legt darein fünf bis zwölf Eier, die kaum größer als Hühnereier, aber durch roſtgelbliche Farbe und braune Flecke von jenen verſchieden ſind. Durch das Nahrungsbedürfniß vom Neſte getrieben, ſoll ſie daſſelbe mit Blättern zudecken; die brütende Henne läßt die Holz⸗ ſammler oft bis auf einen Schritt herankommen, ehe ſie auf⸗ fliegt; zuweilen ſucht ſie ihr Neſt ſogar zu vertheidigen. Die Brütezeit ſoll vier Wochen dauern. Die Jungen, deren Dunenkleid von gelblicher Grundfarbe und braun- und ſchwarzgefleckt iſt, verlaſſen, ſodald ſie dem Ei entſchlüpft ſind, das Neſt, und werden, da ſie nicht fliegen können, häufig die Beute des Fuchſes. Die Henne führt ihre Küchlein um⸗ her und ladet ſie durch ein zärtliches back back zur Nachfolge ein. Ihr größter Leckerbiſſen ſcheinen Ameiſen⸗Puppen zu ſein. Den ganzen Sommer hindurch bleiben die Jungen unter der mütterlichen Obhut; im Herbſt emancipiren ſich zuerſt die jungen Hähne, um den Winter über als ſcheue Einſiedler zu verleben, bis mit dem Erwachen des Frühlings die Balzzeit ſie in kurzen Verkehr mit den Hühnern bringt.
Das Fleiſch der Hähne, beſonders der alten, iſt hart und harzig-ſchmeckend. Nur eine längere Eſſigbeize und eindringliche Brathitze macht es weich; ſelbſt nach der beſten Zubereitung fand ich es nicht beſonders wohlſchmeckend. Das Fleiſch der Hühner dagegen ſoll zart und lieblich ſein.
Obgleich nun der Auerhahn weder durch die Güte ſeines Fleiſches, noch durch die Zahl der Eier ein nutzbarer Vogel zu werden verſpricht, verdient er doch als der ſtattlichſte und ſchönſte deutſche Vogel aus der Familie der Hühner von den Dilettanten, welche die Zucht ſchöner und ſeltner Hühner⸗ vögel zur Mode gemacht und ſich mit einem ſelbſtgeſchaffenen
Titel, bei deſſen Hörung es den Philologen eiskalt überläuft, Hühnerologen genannt haben, erzogen zu werden. In Skandinavien findet man(nach Nilſon) auf den Bauern⸗
höfen nicht ſelten zahme Auerhähne, die ſich in der Gefangen⸗
ſchaft auch fortpflanzen. Daß ſich ſelbſt der wilde Hahn einigermaßen an den Menſchen gewöhnt, erfuhr ich in Katz⸗ hütte; dort ſieht man im Sommer zuweilen einen Auerhahn ziemlich nahe bei den Holzmachern ſitzen, und das Treiben der Menſchen mit derſelben melancholiſchen Neugierde be⸗ trachten, wie die Rothhaut das Waldroden der Squatters beſchaut.
Eine Haushenne würde die Brütung der Auerhahn⸗Eier ohne Weigerung übernehmen. Wie intereſſant wäre es nun, einen urgermaniſchen Wildling unter dem Banne der Civi⸗ liſation zu beobachten! Sicherlich würde ſich bei guter Koſt ſein Fleiſch bald verfeinern; gewiß würde er bald lernen, dem Rufe zur Fütterung zu folgen. Würde er auch geſel⸗ liger werden, oder, wie das Perlhuhn, ſeine ſcheue Sonder⸗ lingsart fortbehaupten? Würde ſich der Hahn auch außer der Begattungszeit an ſeinen Harem halten und vielleicht, wie der Haushahn, ein zärtlicher Gemahl werden, der ſeine Weiber zu dem Leckerbiſſen, den er gefunden, freundlich ein⸗ ladet? Würde der junge Auerhahn vielleicht auch verweich⸗ licht in der Pflege der Menſchen, wie der Truthahn, der in der Jugend keine naſſen Füße vertragen kann?
Welche Menge intereſſanter Beobachtungen ließen ſich an dieſem„Sohne der Wildniß“ anſtellen, wenn er in menſchliche Pflege gebracht würde! Und welchen Stolz würde der„Hühnerolog“ empfinden, wenn der Auerhahn, neben dem Pfau auf dem Stalldache ſitzend, lange zuvor, ehe der Haus⸗ hahn ſeine Reveille kräht, ſein klip klip rssssss erſchallen ließe! Bald würden Hühnerologen aus allen Gegenden zuſammenſtrömen, und nicht am ſpäteſten aus England, um den glücklichen Züchter zu beglückwünſchen, der eine ſo ſchöne einheimiſche Rarität zur Errungenſchaft des Hühnerhofes gemacht hätte.
Was beliebt.
Ein Deutfcher gegen elf Mepikaner. Der zu Mexiko er⸗ ſcheinende„Monitor Republicano“ bringt in einer ſeiner Num⸗ mern die folgende Erzählung⸗von dem heldenmüthigen Benehmen eines Deutſchen und verwahrt ſich dabei ausdrücklich gegen den Vorwurf der Uebertreibung.
Vor vier oder fünf Tagen ward die Poſtkutſche von Arroya⸗ zorco in der Nähe von Tepezi del Rio von Räubern überfallen. Da es kurz vorher ein wenig geregnet hatte, ſo waren auf der einen Seite des Wagens die Leder herabgelaſſen. Im Innern der Kutſche befanden ſich ein Engländer, drei Spanier, eine franzöſiſche Dame und Herr Albert Speiers, ein reicher Kauf⸗ mann, von Geburt ein Deutſcher. Oben auf ſaßen drei Mexi⸗ kaner, Niemand von den Paſſagieren dachte an eine Gefahr, denn es war am hellen Mittage, als plötzlich durch eins der Kutſchenfenſter ein Piſtol hereingehalten wurde und eine Stimme rief:—„Gebt eure Waffen her, oder ihr ſeid des Todes!“— Ja wohl, erwiederte Speiers kaltblütig, aber Kugeln und Alles. Mit dieſen Worten hielt er ein kleines doppelläufiges Piſtol dem Räuber entgegen, der ſich ſofort niederduckt und ſich hinter dem Nacken ſeines Pferdes zu verſtecken ſucht. Speiers zielte ruhig und drückte ab; gleichzeitig feuern der Räuber und fünf
ſeiner Genoſſen, die ſich auf der andern Seite des Wagens be⸗ fanden; glücklicher Weiſe traf keine ihrer Kugeln.
Nun öffnete Speiers, ohne auf die Bitten ſeiner Reiſegeſell⸗ ſGelte zu achten, die ihn zurückzuhalten ſuchten, den Wagen⸗ ſchlag, ſpringt hinaus und verfolgt mit ſeiner Piſtole den Räu⸗ ber, der auf ihn gefeuert hat und ſich mit den 5 andern zu einer aus noch 6 Mann beſtehenden Bande zurückzog, welche unweit davon auf der Landſtraße hielt. Ohne ſich durch ihre Zahl ein⸗ ſchüchtern zu laſſen, feuert Speiers ſeinen zweiten Lauf unter ſie und ſpringt dann zur Kutſche zurück, um mehr Waffen zuholen. Die übrigen Paſſagiere hatten ſich, halb todt vor Angſt, eng zuſammengekauert, er ſpricht zu ihnen, will ihnen Muth einflö⸗ ßen, aber vergebens. Nun nimmt er ſeine Uhr und ſein Geld aus der Taſche, legt es unter die Kutſchkiſſen und ergreift ſeine übrigen Waffen, ein zweiläufiges Piſtol und einen ſechsläufigen Revolver. Das erſtere bietet er einem Mitpaſſagier an und for⸗ dert ihn auf, herauszukommen um ſich zu vertheidigen, aber der Lump zittert ſo, daß er die Waffen gar nicht faſſen kann.„Nun, wenn ihr denn alle feige Hunde ſeid,“ ruft Speiers entrüſtet, „ſo will ich mich allein vertheidigen; bleibt ihr, wo ihr ſeid.“
Unterdeſſen ſchrieen die Räuber:„Er ladet wieder; gebet


