räuſch vom Vogel durch raſches Zuſammenſchlagen des Ober⸗ und Unterſchnabels hervorgebracht.
Noch war der Vogel ziemlich fern. Wir ſchlichen vor⸗
ſichtig näher, um das Knacken der auf dem Boden liegenden g1 1 2 7 ſt. A 1 Truthahn gleich, wird bis drei Fuß lang und neun Pfund
morſchen Zweige zu vermeiden. Jetzt vernahmen wir den Ruf deutlich. Klip... klip klip.... klip klip klip. Die Pauſen zwiſchen den einzelnen Schlägen wurden immer klei⸗ ner, das Klippen wurde geſchwinder, bis ein beſonders kräf⸗ tiger Kliplaut(der Hauptſchlag) erſchallte. Darauf folgte als Coda ein ziſchendes, wie rssssss oder faſt wie das Wetzen einer Senſe klingendes und kaum einige Sekunden dauerndes Geräuſch, welches die Jägerſprache das Wetzen oder Schleifen nennt. Mit dieſem Refrain ſeines Liebes⸗ liedes hat ſich die Schwärmerei des Hahnes bis zur Ver⸗ zückung geſteigert. Während er dieſen Laut äußert, iſt er wie von Sinnen, hört und ſieht nicht und läßt den Jäger ſich nähern, ja ſogar feuern, ohne aufzuſchrecken. Sobald er aber ausgewetzt hat, iſt der Liebes⸗Wahnſinn zeitweilig vorüber, und der tolle Schwärmer wird wieder der ſcheue Einſiedler wie ſonſt.
Um dem Auerhahne näher zu kommen, muß man den Augenblick des Wetzens benutzen, den der Jäger ſo geſpannt erwartet, wie der Muſiker das Niederfallen des Taktirſtabes. Sowie der Hahn hitzig klippt und zum Wetzen ſich anſchickt, macht der Jäger zwei bis drei große Schritte auf den Vogel zu. Durch dieſes Verfahren gelang es uns, dem Baume auf
zwanzig Schritte nahe zu kommen und die Balzmuſik genau
zu hören. Jede Strophe vom erſten ſcheuen Klip bis zum verzückten Schleifen währte kaum eine Minute. Den brün⸗ ſtigen Muſikanten ſelber bekamen wir noch nicht zu Geſicht.
Er ſaß in einer alten Tanne, deren dunkle, mit Bartflechten
behangene Aeſte eine dichte Krone bildeten, die uns im Mor⸗ gengrauen nicht durchblicken ließ. Näher zu kommen war unmöglich. Der Auerhahn war verſtummt, er hatte uns alſo bemerkt, und als unter unſern Füßen ein Zweig knackte, ſchwebte er mit ſchwerem, ſchnurrendem und polterndem Flügelſchlage ab und begab ſich waldeinwärts.
Bei einem zweiten Hahne waren wir glücklicher. Er ſaß auf einer alten Buche, deren blattloſe Krone, da der Morgen mehr und mehr dämmerte, uns den Anblick des Vogels geſtattete. Das Benehmen des Auerhahns beim Balzen erinnert an die ſonderbaren Komplimente, mit denen der Haushahn frühmorgens die aus dem Stalle kommenden Hühner begrüßt, oder an die Renommage des ſtolzen oder zornigen Truthahns. Er trippelt kokett auf dem Aſte ſeines Standbaums, reckt den Hals aus, ſträubt die Kehlfedern, breitet den Schwanz, den er graziös ringt und wippt, fächer⸗ förmig aus und ſenkt die Flügel, mit denen er faſt krampf⸗ haft zuckt. Ich habe ſeine Attitüde in der Abbildung dar⸗ zuſtellen verſucht. Als der Hahn abgeflogen war, fanden wir unter ſeinem Standbaume auf dem Schnee viel grüne Loſungen, welche verriethen, daß dieſer Baum ſchon längere Zeit der Schlafplatz des Vogels geweſen und daß die Nah⸗ rung des Auerhahns in dieſer Jahreszeit faſt blos aus Fich⸗ ten⸗ und Tannen⸗Nadeln beſteht.
Das Balzen wiederholt ſich vom März bis April bei nicht ſehr ungünſtigem Wetter an jedem frühen Morgen; am hitzigſten ſoll es dann ſein, wenn die Buchenknospen ſich öffnen. Um den Auerhahn zu erlegen, ſchleicht der Jäger in dieſer Jahreszeit in die Nähe des beim Verhören aufge⸗ fundenen Baumes, rückt dieſem durch die vier oder fünf Sprünge, die er während der Sinnloſigkeit des ſchleifenden Hahnes macht, ſo nahe, daß er den letztern deutlich ſieht,
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und feuert während des Schleifens, um, wenn der Schuß fehlen ſollte, noch einen zweiten thun zu können.
Erſt an dem erlegten Vogel erkennt man deutlich, wie groß und ſchön der Auerhahn iſt. An Größe kommt er dem
ſchwer. Der kräftige, zwei Zoll lange, blaßgelbe Schnabel i*ſt ſcharf übergebogen, ſodaß er dem Schnabel der Raubvö⸗ gel ähnelt; aber ſeine Spitze iſt ſtumpf und die Naſenlöcher ſind durch kurze dichte Federn verdeckt. Statt des Scheitel— kammes und der Kehllappen, die den Haushahn zieren, hat er um die Augen eine nackte, mit lebhaft rothen Warzen be⸗ deckte Stelle und an der Kehle längere Federn, die er zuwei⸗ len als eine Art Knebelbart ſträubt. Die Beine(„Ständer“ in der Jägerſprache) ſind niedrig und derb; die ſpornloſen Läufe bis an die Zehen von braunen borſtigen Federn bewach⸗ ſen. An den Seitenrändern der Zehen ſitzen harte Horn⸗ franſen, welche nach unten überhängen wie Dachziegeln. Dieſe Schuppenfranſen(„Balzfedern“) ſoll der Hahn nach der Balzzeit verlieren.(?) Die ſchwarzen Krallen ſind kräftig und durch die ſcharfen Seitenränder ihrer muldenförmigen Unterflächen zum Scharren ſehr geeignet. Die Flügel ſind kurz und wenig ſpitz; der Schwanz iſt abgerundet und zum Fächer auszubreiten. Die Schwanzdeckfedern ſind ziemlich lang, aber nicht ſo lang und ſichelförmig, wie beim Haus— hahn.
Die Schönheit der Färbung des Vogels erkennt man nur in der Nähe. Wenn man ihn im Walde von fern lebendig ſieht, erſcheint er faſt ganz ſchwarz, aber bei genauer Beſichtigung findet man ſchöne und zarte Färbungen von Grau, Schwarz, Braun und Grün. Kopf und Hals ſind aſchgrau, aber durch breite ſchwarze Schaftſtriche und kleinere in quere Wellen geordnete ſchwarze Flecke ſchön gewäſſert, ſodaß das Grau vom Schwarz faſt überwogen wird. Die Schulter hat einen weißen Fleck. Die Flügeldeckfedern und die zwiſchen den Flügeln liegende Partie des Rückens ſind roſtbraun und durch zarte ſchwarze Zickzackbändchen gewellt. Die ſteifen Schwungfedern der Flügel, von denen die dritte und vierte die längſten ſind, haben braune Fahnen, die beiden längſten weiße Flecken. Die Bürzelfedern gleichen denen des Halſes; die Schwanz⸗Steuerfedern ſind ſchwarzbraun mit einzelnen weißen Flecken in der Mitte der Fahnen. Die Bruſt iſt ſchwarz, mit dem grünen Schimmer, den die Spie⸗ gelfedern der Enten haben; der Bauch weiß und ſchwarz.
So geſpreizt und kokett, wie ihn die Zeichnung darſtellt, erſcheint er nur beim Balzen; wenn er auf der Erde ſchreitet, geht er mit geducktem Kopfe und geſenktem Schwanze, und erinnert keineswegs an das Bramarbaſiren des Haushahns. Im Winter nährt er ſich von Blättern der Nadelbäume und von Knospen(beſonders gern frißt er ganz junge Fichten⸗ und Kiefernpflanzen), im Sommer ſcharrt er im Laube und Mooſe nach Inſekten, Würmern und Geſäme, und verzehrt Waldbeeren. So ſehr der Auerhahn als Bräutigam vor Liebe außer ſich iſt, einen ſo kühlen Ehemann gibt er ab; denn ſogleich nach den Flitterwochen ſcheidet er ſich von Tiſch und Bett der Henne. Nach der Paarung, die im April er⸗ folgt, zieht ſich der Hahn von ſeinen Hühnern zurück, und überläßt, wie die meiſten polygamiſchen Vögel, dem Weibe die Beſorgung der Jungen. Auch gegen andere Thiere ſeines Geſchlechtes verhält er ſich ungeſellig; zur Paarungszeit ſetzt es hitzige Duelle und den Sommer über ſcheint ſich jeder Auerhahn, wie es auch der Kukuk thut, ein beſonderes Ge⸗ biet als Alleinbeſitz vorzubehalten, und will es ſelbſt dem Menſchen nicht ohne Kampf einräumen. Ein Auerhahn hat im Katzhütter Forſte ſchon mehrmals Kinder und Frauen
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