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Was heliebt.
Das Leben der Chiere im Verlaufe der Jahreszeiten. ein paar Erſtlinge ſeiner„Obſtbaumſchule“ ſorgfältig in Papier gewickelt in der Hand tragend, Mama und die Magd mit unge⸗ . heuren Maſſen friſchen Gemüſes, an denen eine großſtädtiſche Die meiſten Säugethiere und Vögel ſind in dieſem Monate Familie wochenlang zehren würde, die dort aber gerade nur für mit der Pflege ihrer Jungen beſchäftigt. Einige Vögel brüten ein Mittagseſſen genügen; endlich die Kleinen mit ungeheuren zum zweiten Male; die Jungen der erſten Hecke von den früh Blumenſträußen, welche nachher in große Biergläſer geſteckt, die brütenden Vögeln ſind nun ausgeflogen und ſtreifen müßig in Fenſter der ſtädtiſchen Wohnung ſchmücken. Beneidenswerthe der Nähe ihres Aufenthaltes umher. Gegen Ende Juni ver⸗ Kleinſtädter, deren Jugend nicht in gradlinigen Kaſernenhäuſern ſtummen ſchon der Kukkuk, die Nachtigall und andere Raubvögel, und auf ſtaubigen Straßen, ſondern in alten Gebäuden mit präch⸗ und die zweite Brut der Sperlinge fliegt aus. Die Streichzeit tigen, unbenutzten Winkeln, weitläufigen Höfen und grünen Gär⸗ der meiſten Fiſche iſt nun vorüber; es laichen noch die Stichlinge, ten aufwächſt! Welche Fülle poetiſcher Eindrücke bleibt ihnen Bartgrundeln, Barben, Rothaugen, Welſe, Alſen, Ellritzen, zurück, von welchen die Kinder großer Städte keine Ahnung Gaſter und Ukeley(Ciprinus Blicca und Alburnes Hartm.) haben! Der weiße Obſtſchmetterling kriecht aus; die Raupen verſchie⸗ Die Sitte der Hausgärten ſcheint übrigens keineswegs ſehr dener Schmetterlinge und die Engerlinge mancher Käfer werden alt zu ſein. Romanſchriftſteller wiſſen zwar ſehr reizende Dinge häufig und oft ſchädlich; Johanniswürmchen und Hirſchkäfer von„Burgzwingern“ zu erzählen, wenn man aber die Localitäten fliegen umher; die Seidenwürmer ſpinnen ſich ein; die Bienen in Augenſchein nimmt, weiß man kaum, wo die Zwinger Platz tragen bei günſtiger Witterung viel ein und fahren fort zu gehabt haben ſollen. Von Eden ſo wenig als vom Heſperiden⸗ ſchwärmen; junge Krebſe kriechen aus den Eiern. garten ſind Pläne auf uns gekommen, doch mögen ſie, wie die Gärten der Kalypſo, der Kleopatra und der Phryne nach unſeren Der Cultus der gärten. Welch' ein weitſchichtiger Begriff Begriffen wohl Parks geweſen ſein; ſo wie unsin den Parkanlagen — Garten! Die Nähterin, welche von Sonnenaufgang bis zum am Weſtende von Döbling mit den von Mauern geſtützten Ter⸗ ſpäteſten Abend die Nadel nicht ruhen läßt, legt ſich vor dem Fenſter raſſen, über welche die grünen Zweige tief herabhängen, wahr⸗ ihres Dachſtübchens ein Gärtchen an, Reſeda, Stiefmütterchen, ſcheinlich ein deutliches Bild der hängenden Gärten der Semi⸗ eine Roſe, ein purpurroth blühendes Pelargonium. Der karge ramiserhalten iſt. Die erſten Nachrichten von Gärten in Deutſch⸗ Lohn für ihre Arbeit geſtattet ihr kaum Sonntags einen Gang land knüpfen ſich, wenn wir nicht irren, an den Namen Carls in's Freie, aber hier vor ihren Augen grünt, treibt und blüht es, des Großen. Und welch eine Kette von Entwicklungen, von den erzählt ihr von den Wundern des Frühlings, die ſchon vorüber⸗ rohen Anfängen über die Verkünſtelungen des franzöſiſchen Ge⸗ gerauſcht ſind, wenn auch die Arme ſich ihrer erfreuen will. Die ſchmackes— der in den holländiſchen Gärten ohne Bäume und elegante Dame ſieht in zierlichem Glaskaſten die prachtvollſten Blumen ſeine köſtliche Karrikatur fand— hinweg, bis in der ge⸗ und ſeltenſten Pflanzen aller Himmelsſtriche in ihrem Zimmer genwärtigen Landſchaftsgärtnerei die ſcheinbar höchſte Stufe er⸗ verſammelt. Der Wiener Bierwirth verſtellt durch drei halbver⸗ reicht wurde! trocknete Oleander die unappetitlichſte Seite ſeines dreieckigen Hofes, und nennt denſelben fortan einen Garten. Der Schiffer Gedankenblumen. und Fiſcher am Nord⸗ und Oſtſeeſtrande trotzt ſeinem widerſpän⸗ ſtigen Sandboden doch ein Fleckchen ab, auf welchem Malven und ſpaniſche Kreſſe gedeihen und von dem aus die ſüßduftende Wicke ſich durch das offenſtehende Fenſter bis ins Zimmer rankt. Der rechte Gartencultus findet ſich aber in kleineren Städ⸗ ten, wo man noch Raum genug übrig hat, um ein Gärtchen hinter das Wohnhaus zu verlegen, nur ein Plätzchen mit einer Laube und einer Hand voll Blumen; aber„vor dem Thor“ liegt der eigentliche Garten, mit ſelbſtgezogenen Obſtbäumen, großen Erd⸗ beeren⸗, Spargel⸗ und Gemüſebeeten, denen die Ketten prächtiger Sommerblumenals Einfaſſung dienen. Da gräbt und pflanzt noch der Hausvater ſelbſt, und Mama iſt ſtolz auf ihre Salatplantagen, und die Herren Söhne ſäen ganze Waldungen von Aepfel⸗ und Die Liebe iſt das höchſte der Ideale, das Weib eine ewige Zwetſchenkernen an, welche leider nie ihre Bemühung lohnen Prieſterin des Hohen und Schönen. Sie hebt den Mann aus werden. Mit ſinkendem Abend ſieht man die kleinen Caravanen dem Gewühl des Alltagslebens und führt ihn an ſanfter Hand zu heimwärts ziehen, den Vater mit der langen Pfeife und vielleicht großem Streben. Sie duldet nichts Gemeines an ihm.
Juni.
Die Liebe verändert ſich in der menſchlichen Geſellſchaft, ſie folgt allen Phaſen der Geſchichte und drückt ſie in ihren beweg⸗ lichen Formen aus. Die Zukunft hat noch für den Menſchen die
ſchönſte der moraliſchen Eroberungen: die wahre Liebe. Wenn die Frau nicht nur dem Namen nach, ſondern wirklich und nach dem Geiſte die Hälfte des Mannes geworden iſt, wird das Gefühl der Liebe, welches bis dahin nur mehr oder weniger rafi⸗ nirte Sinnlichkeit, oder mehr oder weniger chimäriſche Leiden⸗ ſchaft war, in ſeiner Beſtändigkeit und Vollkommenheit die höchſte Harmonie des menſchlichen Lebens werden.
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Mit Nr. 27 beginnt das dritte Quartal des„Feierabend.“ Unſere geehrten Abonnenten mögen die Güte haben, ihre Beſtellungen bei den betreffenden Buchhandlungen und Poſtämtern rechtzeitig aufzugeben, damit die Verſendung keinen Verzug erleide. Der bisherige vierteljährliche Pränumerationspreis bleibt unverändert beſtehen, obgleich Redaction und Verlagsbuchhandlung mit dem neuen Vierteljahre noch bedeutendere Anſtrengungen machen
6 9„; arößere N 0 it 3 2 werden, dem Blatte immer größere Vollkommenheit zu geben. Hugo Scheube.


