ziehen. Dort war ein Turnierplatz mit leichten Schranken umgeben, die Plattner fuhren unter Trompetenklang gegen einander an und jeder verſuchte den Gegner mit ſtumpfer Lanze aus dem Stuhle zu heben; einer der Plattner war
Kampfrichter, um die Kämpfenden liefen die Narren(Kroier,
tigt, wo die Zünfte den
Schreier), die ſowohl das Publikum mit ihrem„Geſpeis“
beluſtigten, als auch den abgeworfenen(abgeräumten) Mei⸗ ſtern wieder auf die Beine halfen. In Frankfurt liebten es die Schuhmacher neben ihren Schwertertänzen auch geiſtliche Komödien öffentlich aufzuführen, ſo im Jahre 1549, wo ſie in Verein mit den Buchdruckern die Geſchichte vom verlorenen Sohne aufführten; einige Jahre ſpäter traten ebendaſelbſt Meiſter und Geſellen des Schuhmachergewerks zuſammen und ſtellten das jüngſte Gerichte vor und die Stadt gab ihnen dazu„das Holz und die Diehlen zum Gerüſte“.
Bei der Frankfurter Schuhmacherzunft herrſchte übrigens eine eigenthümliche Sitte, und es wird die Erwähnung derſel⸗ ben, obw hl ſie ſchwerlich zu den Volksbeluſtigungen zu zählen ſein dürfle, dennoch nicht ohne einiges Intereſſe ſein. Am Beſten iſt es aber dabei den Chroniſten ſelbſt erzählen zu laſſen. „Wenn ein Schuhknecht gegen den anderen ſeines gleichen Streit hat, ſo überfällt einer den andern nicht gleich, ſondern er ſchickt zwei Schuhknechte an ihn, wo er arbeitet und läßt ihm andeuten, er würde wiſſen, was er mit ihm vorgehabt oder zu thun hätte; er erwartete ſeiner auf der Herberge und wenn er ein brafer Kerl wäre, ſo ſoll er zu ihm kommen. Widrigenfalls er es nicht thut, arbeitet kein Geſell länger dann 14 Tag neben 1, ſondern ſtehet aus. Wann er aber auf die Herberge kommt, ſo hält einer dem andern das ſeine vor und fordern einander auf drei Gänge Schuhknechtsmanier, daß ſich keiner unterſteht in währendem Schlagen kein Meſſer
zu zucken, keinen heimlichen Griff noch Biß zu thun, ſondern Darauf ſtreiffen die Ermel am Hembd hinter ſich, einem Kopff⸗Riemen, die vier Alt⸗ Stecken, welche man
ſich wehren, wie einem brafen Schuhknecht zuſteht. ziehen ſie ſich aus, ſtecken die Haar unter Geſellen nehmen vier außgemachte Schreibhöltzer titulirt und ſtellen ſich zwei oben und zwei unten in die Stub, ſchlagen die gemeldte Schreib⸗Hölzer creutz⸗ weiß vor, daß keiner zum andern kann, bis ſie die Schreib⸗ höltzer öffnen. Vor Aufhebung der Schreibhöltzer reden die Alt⸗Geſellen ſie nochmalen an, ob ſie ſich nicht in der Güte vergleichen wollen, wenn ſie es verneinen, ſo laſſen ſie ſolche zuſammen. Da lloffen ſie ſich braf herum, ſobald ſie zur Erde fallen, ſpringen die vier Altgeſellen herbei mit ihren Schreibhöltzern, da darff keiner keinen Schlag mehr thun. Wann ſie aufgeſtanden, ſo muß der, der oben geſtanden, unten ſtehen; darauf läßt man ihnen Zeit zum verödmen. Dann thun ſie den zweiten Gang und darauf den dritten; wann alle Gänge vorbei, ſo geben ſie einander die Hände und fragen, ob einer den andern anjitzo vor einen brafen nnd ehrlichen Kerl hielte. Wann ſie es bejahen, trinkt einer dem andern
zu, darauf ſind ſie wieder gute Freunde, obſchon zum öffteren
daß der Rath die
ſo fanden auch in Nürnberg blutige Revolutionen der Bürger⸗ ſchaft, oder was dem gleichbedeutend, der Zünfte gegen das in den Händen der adeligen Geſchlechter liegende Stadtregi— ment ſtatt. Eine ſolche wurde auch im Jahre 1349 beabſich⸗ Rath am dritten Pfingſttage überfallen und erſchlagen wollten. Ein Mönch verrieth jedoch den Anſchlag, die Rathsglieder flüchteten heimlich aus der Stadt und blieben faſt anderthalb Jahre in der Verbannung,
während welcher Zeit ein neuer von den? ünften eingeſetzter 5 4 geſets
Rath die Stadt regierte. Der abgeſetzte Rath beſchwerte ſich jedoch beim Kaiſer Karl IV. und dieſer kam 1350 nach Nürn⸗ berg, ließ die Rädelsführer gefangen ſetzen und viele davon enthaupten(wie dies meiſt das Ende der damaligen ſtädti⸗ ſchen Revolutionen war). Der alte Rath aber kehrte zurück und trat ſein Amt wiederum an. Von allen Zünften hatten die Zunft der Fleiſcher und die der Meſſerſchmiede bei der Unruhe treu zum alten Rathe geſtanden und es begnadigte ſie deshalb der Kaiſer ausſchließlich mit den Faſtnachtsluſt barkeiten*). Noch in demſelben Jahre machten dieſe beiden Zünfte von dieſer Begnadigung Gebrauch, indem die Meſſer⸗ ſchmiede einen Schwerttanz, die Fleiſcher aber einen Rund⸗ tanz auf der Gaſſe producirten, bei dem ſie ſich mit ledernen Riemen, die wie Leberwürſte geformt waren, von einander hielten. Die übrigen Zünfte aber, noch in ſteter politiſcher Aufregung, waren über dieſe Begnadigung zu unwillig; ſie drängten und ſtießen die Tanzenden, und dieſe ſahen ſich ge⸗ zwungen, bewaffnete Leute zu miethen, die ihnen für ihre Beluſtigungen Raum machten. Die Miethlinge hieben hart darein, es gab blutige Köpfe und die Erbitterung ſtieg ſo, ſcharfe Wehr verbot und den Wächtern nur Büſche oder Quaſten geſtattete. Darauf wurden von den Metzgern 24 Männer beſtellt, welche in Zwillich gekleidet und die Geſichter mit Masken bedeckt, mit Scherzen und mit den leichten Schlägen der Quaſten das Publikum beſänf⸗ tigten und abhielten. Bald auch fanden ſich Freiwillige, welche dieſes Schutzamt übernahmen und aus dieſem bildete
ſich bald eine Geſellſchaft, die ſich„Schönbartsgeſellſchaft“
nannte. Dieſe Geſellſchaft, welche immer mehr anwuchs,
erkaufte von den Metzgern jährlich das Recht des Schön⸗
dieſe waren mit Roſenwaſſer gefüllt.
der eine ſtehet und ihm das Blut aus der Naſen und Maul 3. B. ein wilder Mann, ein wildes Weib; oft enthielten dieſe
läufft und dem anderen das Hembd vom Leibe geriſſen.“— Die ganze Formalität dieſer mittelalterlichen Schuhknechts⸗ Manier hat, wie man ſieht, ſehr viel Aehnlichkeit mit der Formalität bei den modernen Studentenduellen.
Doch zurück zu den zunftgemäßen Faſtnachtsbeluſtigungen. — Eine der vorzüglichſten derſelben war das durch Schriften und Bilderwerk vielfach gefeierte ſ. g. Schönbartlaufen*) in Nürnberg. Der Urſprung dieſer Luſtbarkeit iſt auf dem Ge⸗ biete der Politik zu ſuchen. Wie in allen deutſchen Städten,
*) Schönbart, Scheinbart, Schembart bedeutet Larve.
bartlaufens und es wurde dieſe Luſtbarkeit nunmehr mit immer größerem Glanze begangen. Beim Schönbart, den einige vom Rathe beſtätigte Hauptleute commandirten, liefen mehre maskirte Narren voraus, die mit ihren Kolben oder Peitſchen Platz machten, dann kam ein Reiter in der Narren⸗ kleidung mit Schellenkappe, der aus einem Sacke Nüſſe unter die Jungen warf, die ſich dann weidlich darum prügelten; ihm folgte ein zweiter Reiter mit einem Korbe mit Eiern, Lieſſen nun hübſche Mädchen an den Thüren oder Fenſtern ſich ſehen, dann wurden ſie mit dieſen Eiern geworfen und die Schönbart⸗ bücher bemerken dabei, daß dieſe„gar ſchön geſchmecket“ (gerochen) haben. Dann kamen die maskirten Schönbarts⸗ leute mit Muſik, unter ihnen oft eigenthümliche Figuren,
Figuren eine Satire auf die politiſchen oder religiöſen Zu⸗
ſtände, wie denn im Jahre 1523 ein Mann mitlief in einem
Kleide von lauter Ablaßbriefen mit daran hängenden Siegeln. Den Beſchluß des toſenden Zugs machte ge⸗ wöhnlich eine ſogenannte Hölle, die theils von Menſchen, theils von Pferden auf einer Schleife gezogen. wurde.
*) Deshalb betheiligte ſich auch, wie oben bemerkt, eine Magiſtrats perſon bei den Zügen der Fleiſcher und Meſſerſchmieden, nachdem längſt auch die andern Zünfte wieder in die Gunſt der Jaſtnachtsluſtbarkeiten gekommen waren.


