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ſchönen weißen Hemden, grünen ungariſchen Kappen mit Bändern an der Seite; die Tuchknappen in weißen Hemden unter Vortragung der Krone und des Scepters. So zogen ſie in der Stadt umher und„vor der Raths⸗ und Kaufherrn auch anderer ehrbaren Junker und Bürger Häuſer“ ſchlan⸗ gen ſie die grünen Reife künſtlich in einander und tanzten und ſprangen„nach Sackpfeifen und Schalmeyen wunderbarlich dadurch und darüber.“ Wo ſie aber den Reiftanz aufführten, da flogen ihnen von den Fenſtern Geldſpenden zu, die ſie dann am Abend mit„den Tiſchjungfrawen bei ihrer Freuden⸗ Mahlzeit wohl und friedlich verzehrten.“— Luſtig ging es auch bei den Nürnberger Meſſerſchmieden am Aſchermittwoch her. Sie hielten auf offner Straße einen Schwertertanz, vor demſelben aber zogen ſie unter Vorantritt einer Magiſtrats⸗ perſon, der Rathspfeifer und mehrerer Stadtknechte durch die Stadt bis zum Rathhauſe, wo ihnen auf Stadtkoſten ein Trunk gereicht wurde. Hatten ſie dann zum Danke dafür vor dem Rathhauſe eine Fechtübung*) abgehalten, ſo holten ſie die Meiſtertöchter ab darunter eine als„Kronbraut in köſtlicher Kleidung“— und zogen mit großen Schenkkan— deln(Schenkkrügen) voll Wein auf ihre Herberge, wo die Mahlzeit vom Herbergsvater bereitet war. Ein Küchen⸗ zettel eines derartigen Meſſerſchmiedsmahles iſt uns aufbe⸗ wahrt. Es gab drei Richte(Gerichte), als Sauerkraut mit „ſchweinen Fleiſch“, darnach„geſottenes grünes oder geräu⸗ chertes Fleiſch“ und endlich ein„ſtattlich Gebratenes“. War das Mahl eingenommen, dann wurden vor der Herberge auf der Gaſſe der Tanz mit den Meiſtertöchtern gehalten.
Ebenfalls in ſtadträthlicher Begleitung hielt zur Faſt⸗ nachtszeit die große Nürnberger Metzgerzunft ihre Aufzüge. Voran ſchritten die Stadtpfeifer in rothen Röcken, neben ihnen eine Abtheilung Stadtknechte in die ſtädtiſchen Farben, roth und weiß gekleidet, dann kamen die Magiſtratsperſonen, dann„die edelſten, furnembſten und die anderen Meiſter des erſamen Handwerks“, ihnen ſchloſſen ſich die Metzgerknechte an, und das Ende des Zugs bildete wiederum ein Trupp Stadtmiliz. Dieſes war die Proceſſion am Vormittage, Nachmittags aber zogen die Metzgerſöhne, Knechte und Jun⸗ gen mit den Metzgermädchen durch die Stadt und hielten dem Rathe und den Altmeiſtern zu Ehren einen Tanz auf der Straße, wobei„die Metzgers⸗Mägde, die den Vorreihen ge⸗ habt“ einen rath und weiß gemalten Stecken in den Händen trugen*n), an welchem ein Täfelchen mit einem darauf gemalten „Oechslein“ befeſtigt war. Das hernach folgende private Tanzvergnügen in und vor der Herberge dauerte drei Tage, bis„der Faſtnacht ihr Recht gethan wäre“.
Zu erwähnen iſt, daß nach dem im Mittelalter herrſchen⸗ den Gebrauche»ee) die Aufzüge und Tänze der Handwerker von einem oder mehreren Narren umſchwärmt wurden, welche das begleitende Publikum mit ihren oft ſehr derben Poſſen beluſtigten, mit dem ledernen Narrenkolben verſchiedene Püffe austheilten und, wie der Chroniſt ſagt, mit denſelben „allerlei ſeltzame Geberde und Fantaſei trieben, daß jeder⸗ mann ihrer zu lachen gehabt“. Solcher Narren hatten z. B. die Nürnberger Metzger zwei„umlauffen“ von denen der
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**½) Bei den hier nicht ausführlicher erwähnten Tänzen der Bäcker trugen die Bäckermädchen einen Scepter mit einem aus Holz geſchnitzten Bäckerknechte daran, der„ein weiß Fürtuch“ vorhatte und in der Hand eine weiß und rothe Fahne hielt.
**) Dieſer Gebrauch iſt übrigens bis auf die Jetztzeit erhalten, da z. B. den thüringiſchen Maientänzen und Aufzügen eine buntſcheckig ge⸗ kleidete Perſon als Spaßmacher beiwohnt.
die Fechtübungen der Handwerker in einem ſpäteren
eine ein grünes, der andere aber ein Kleid von Kälber⸗ ſchwänzen hatte.
Mit dieſen Aufzügen und Tänzen der Metzger waren in mehreren Städten Deutſchlands Umzüge mit rieſigen Würſten verbunden. So verehrten die Schweinmetzger in Nürnberg dem daſigen Rathe einſt eine Bratwurſt von„60“ Ellen Länge, welche in feierlichem Zuge mit muſikaliſcher Beglei⸗ tung von 2 Metzgerknechten auf einer Stange auf das Rath⸗ haus getragen wurde zu„ſonderbarer Ergötzung“ der Rathsherren; die Stange war roth und weiß und mit Ros⸗ marin umwunden. Später fand ein ähnlicher Aufzug ſtatt, nur war die Wurſt größer, denn dieſe, die von gutem„Brat— wurſtzeuge“ in 5 Stunden gemacht war, hatte 493 Ellen (die Metzgerknechte hätten ſie gerne„uf 500 Ellen gebracht, iſt ihnen aber am Gedärm zerrunnen“) und enthielt 183 Pfund„lauter gut ſchweinen fleiſch und ſpeck, 20 Pfund gantzen Pfeffer und anderthalb Pfund Muskatblüe“. Zwölf Metzgergeſellen(der Chroniſt hat die Namen derſelben auf⸗ bewahrt, ſowie die Namen der Geſellen, welche die Wurſt ge⸗ fertigt) trugen dieſelbe an einer der eben beſchriebenen ähn⸗ lichen Stange, die in der Mitte mit eiſernem Scharnirbande verſehen war,„daß ſich die ſtange, wenn ſie in eine gaſſen und in die grimme gegangen, hat biegen können“. Am Abend
des Aſchermittwochs aber wurde die Wurſt zerſchnitten und
den Herren des Raths, auch Freunden und Bekannten etliche Ellen davon verehrt, die übrigen„Drümmer“ aber beim Tanze in der„Ploben Fleſche in Fröhligkeit mit einander verzehrt“. Dieſe Rieſenwürſte ſcheinen Beifall gefunden zu haben, denn mehre Jahre darauf wird abermals von einem ähnlichen Fabrikate erzählt, das 596 Ellen lang und 232 Pfund ſchwer war, und es iſt ſogar durch einen Kupferſtich ein in Nürn— berg im Jahre 1658 am 8. und 9. Febr. gehaltener Umzug der Metzger auf uns gekommen, bei welchem eine 514 Pfund ſchwere und 658 Ellen lange Bratwurſt von 12 Metzger⸗ geſellen an einer 49 Fuß langen Stange in der Stadt umher⸗ getragen wurde. Gleiche Umzüge findet man zu Königsberg in Preußen, wo 1583 zu Neujahr 91 Fleiſchergeſellen eine Bratwurſt von 596 Ellen Länge und 434 Pfund Schwere, zu welcher 36 Schweineſchinken verwendet worden, auf höl⸗ zernen Hebeln und unter freudigem Geſange durch die Stadt trugen. Die Palme aber iſt derjenigen Wurſt zuzuerkennen, die ebenfalls in Königsberg 18 Jahre ſpäter fabricirt wurde, denn ſie war 1005 Ellen lang, wog beinahe 9 00 Pfund und enthielt 81 geräucherte Schinken und 18 ½¼ Pfund Pfeffer. Dieſer Mammuth unter den Würſten wurde ebenfalls am Neu⸗ jahrstage in Geſellſchaft der Bäcker verzehrt, welche in edlem Wetteifer einige Tage ſpäter aus 12 Scheffeln Weizenmehl 8 große Strietzeln, jeder 5 Ellen lang, und 6 große Bretzeln buken, dieſelben durch die Stadt trugen und dann mit den⸗ ſelben die Fleiſcher regalirten. Dieſe Begebenheit hat ein gewiſſer Joſua Neigshorn in einem lateiniſchen Carmen verherrlicht, in welchem er beſonders maleriſch die Verferti⸗ gung der Bratwurſt ſchildert und auch der Dichter Hugo Oelbermann hat in ſeiner zu Hamburg 1856 erſchienenen Sammlung von Gedichten dieſem heiteren Ereigniſſe ein hübſches Gedicht gewidmet.
Eine ritterliche Ergötzlichkeit hatte in Nürnberg die Zunft der Plattner, d. h. der Handwerker, welche die eiſernen Platten zu den Bruſtharniſchen, ſowie zu den Arm⸗ und Beinſchienen der Ritterrüſtungen fertigten und deshalb auch Harniſchmacher hießen. Dieſe hielten zu Faſtnacht ein Geſtech oder Turnier. Auf hohen, eigens dazu gefertigten Stühlen, die auf 4 kleinen Rädern ruhten, ließen ſich die Meiſter in leichter Rüſtung von ihren Geſellen und Jungen auf den ſ. g. Schwabenberg


