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in Braunsberg vorſorgliche Pflege, wenngleich ſie, wie natürlich, vorzugsweiſe dem Katholicismus dient. Schon im Jahre 1565 räumte der Biſchof und Kardinal Stanis⸗ laus Hoſius den Jeſuiten ein Collegium ein, deſſen weite Räumlichkeiten jetzt das Gymnaſium und ein Seminar für katholiſche Geiſtliche füllen. Dieſes Prieſterſeminar iſt ſeit 1818 in eine höhere theologiſche Lehranſtalt mit theologiſcher und philoſophiſcher Fakultät auf könig⸗ liche Koſten verwandelt, während die Bildung der Geiſt— lichen in dem ſogenannten Steinhauſe vollendet wird. Von ſonſtigen größern Gebäuden ſind noch zu er— wähnen das Se⸗ minar für katho⸗ liſche Elemen⸗ tarlehrer, die über 500 Jahre alte Katharinen⸗ kirche, in welche die katholiſchen Gymnaſiaſten regelmäßig zu kurzer Morgen⸗ andacht geführt werden, und die auf königliche Koſten erbaute recht gefällige evangeliſche Kir⸗ che. Eine freund⸗ liche Staffage für Stadt und Umgegend bil den dieſchmucken jungen Leute des in Braunsberg garniſonirenden erſten Jägerba⸗ taillons.
III. Die Alle und Heilsberg.
Auf dem ſüdlichen oſtpreußiſchen Höhenzuge, der in der Nähe der Stadt Neidenburg ſich 545 Fuß über den Spiegel der Oſtſee erhebt, haben wir bei dem Kirchdorfe Lahna die Quellen eines Fluſſes zu ſuchen, der für das Ermland und die Provinz überhaupt eine erheblich grö⸗ ßere Bedeutung hat, als die auf demſelben Höhenzuge entſpringende Paſſarge. 3
Die Alle, dieſer bedeutendſte der Nebenflüſſe des Pregels, in deren Wellen ſich acht Städte ſpiegeln— Allenſtein, Guttſtadt, Heilsberg, Bartenſtein, Schippen⸗ beil, Friedland, Allenburg und Wehlau— entſpringt in
der Nähe des genannten Dorfes in einer Höhe von 4144
Fuß. Die Länge ihres Laufes, der ſtets die Richtung nach Norden beibehält, iſt wol noch nicht völlig genau feſtgeſtellt, wird jedoch gewöhnlich auf 30 und einige Meilen angegeben. Bei ihrem Eintritte in's Ermland ſpeiſt die Alle zunächſt einen nicht unbedeutenden See, den 397 Fuß über dem Meeresſpiegel liegenden Lansker⸗ ſee. Ueppige, auch jetzt noch von einem ungeſchwächten Urzuſtande zeugende Waldungen bilden die ſchöne, reiche und weite Einfaſſung dieſes Sees, wie die des oberen Laufes der Alle überhaupt. Je weiter der kräftige Fluß ſich eilig durch das aus Sand und Mittelboden beſtehende, anfangs wellige Terrain ſchlängelt, um ſo mehr wird der
Heilige 1inde bei Rößel
liebliche Waldrahmen unterbrochen und verdrängt von in herrlichſter Fülle ſich ausdehnenden Wieſen, von ro mantiſch ſich erhebenden Thalhängen. So zieht der Fluß eilig dahin durch lachende Ufer, die ſich oft 50 Fuß und höher erheben und grüßt üppige Laub⸗ und Nadelholz waldungen, oder, in der Ebene, in ſchönſtem Grün pran⸗ gende Wieſen; jugendlich ſtürmend aber drängt er ſich in ſeinem übermüthigen Schlängellaufe auch hinein in die hügeligen Ufer, dieſe gewaltſam unterwühlend:— und hinab ſtürzt donnernd das gelöſte Gerölle, ihm nach krachen die entwurzelten Bäume: das Bette des Fluſſes verſandet, Steinlager und Stämme hem men die ohnehin ſchon ſchwierige Paſſage*). Daß ſomit das Pro jekt einer Schiff barmachung des Fluſſes, wenig⸗ ſtens von Gutt⸗ ſtadt ab, trotz aller wiederholt vorgenommenen koſtſpieligen Ni⸗ vellirungen eben nur Projekt ge⸗ blieben, darf uns unter den eben F geſchilderten Umſtänden nicht wundern. Die Alle iſt vom Lanskerſee ab ſchiffbar, underſt von dem Städt⸗ chen Schippen⸗ beil bis zu ihrem Einfluſſe in den Pregel bei Wehlau— circa 22 ½ tauſend Ruthen— ſeit 1798 Kähnen von höchſtens 10 bis 12 Laſt Tragkraft zugänglich. Ein erhebliches Hinderniß der Schifffahrt überhaupt ſind aber, abgeſehen von dem un⸗ reinen und niedrigen Bette des Fluſſes, die vielen an ſei nen Ufern liegenden Mühlen.
War der Fluß, wie ſchon geſagt, auf ſeinem Laufe dem Menſchen bereits ſo vielfach dienſtbar— an ſeiner Mündung erſcheint er in wahrer Knechtsgeſtalt. Bevor die Alle nämlich bei Wehlau in den Pregel tritt, muß ſie noch— ſeit dem Jahre 1766— die, ſo weit mir be⸗ kannt, größeſten Mühlenwerke der Provinz, bei Pinnau, treiben. Sie iſt zu dieſem Zweck durch Dämme aufge ſtaut, und ein Kanal leitet ihr Waſſer auf die Mühlen⸗ werke. Eine aus Holz erbaute Schiffsſchleuſe mit den dazu gehörigen Verbindungskanälen vermittelt die Schiff⸗ fahrt aus der Alle in den Pregel, während der Fluß ſelbſt, durch ſolche Einzwängungen gereizt, grimmig pol⸗ ternd über den ſogenannten Ueberfall hinweg ſich mit den ruhigen Wellen des Pregels vereint.
Von den an der Alle belegenen, oben genannten Städten gehören die erſten drei dem Ermlande an, und
*) Bei einer im Jahre 1835 in dem Oberlaufe des Fluſſes behufs Verbeſſerung des flößbaren Waſſerweges vorgenommenen Aufräumung, entfernte man allein in der Gegend der Mühle Neußen mehre hundert alte Baumſtämme aus dem verſandeten Bette.
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