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deren Herausgabe, nachdem ein früher mit Salzmann verabredeter Plan zu gemeinſchaftlicher Begründung der Erziehungsanſtalt zu Schnepfenthal bei Gotha ſich zer— ſchlagen hatte, bis zu Becker's Tode der Lieblingsgegen⸗ ſtand ſeiner Thätigkeit geblieben iſt, wenn er auch ſpäter, von der Menge ſeiner Unternehmungen bedrängt, die Re⸗ daction derſelben zeitweiſe Andern anvertraute. Seinem Erweiterungs⸗ und Verbeſſerungsgrundſatze getreu, wurde dieſe Zeitung, bald(1788) mehr für Erwachſene berech⸗ net, 1796 zur„Nationalzeitung der Deutſchen“ erhoben und 1814,— nach zweijähriger Unterbrechung auf Na—
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Vervollkommnungslehre der großen Maſſe des Volkes auf eine eindringliche Weiſe beizubringen. Schon die An⸗ kündigung ſeines„Noth⸗ und Hülfsbüchleins“ im Jahre 1784 erregte allgemeines Aufſehen; eine kleine vorläufige Schrift:„Verſuch über die Aufklärung des Landmannes“ (Leipzig 1785), erhöhte die Erwartung von dem ange— kündigten Buche, und als der erſte Theil nach vierjähriger Arbeit 1788 an das Licht trat, wurden gleich im erſten Jahre ſeiner Erſcheinung 30,000 Exemplare abgeſetzt. Um den Verbeſſerungstrieb in dem Landbauer zu erregen, ſtellt Becker's Noth⸗ und Hülfsbüchlein ein Beiſpiel der
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Rudolf Zacharias Becker.
poleon's Befehl,— mit erneutem Eifer und in erweiter⸗ tem Wirkungskreiſe für das befreite Deutſchland fortge⸗ ſetzt. Ihr Zweck blieb immer derſelbe, die Tagesgeſchichte der Menſchenwelt, und insbeſondere des deutſchen Volkes, zu einer praktiſchen Sittenſchule zu machen, und an den wirklichen Begebenheiten der Völker, der Staaten und des Einzelnen zu zeigen, daß der Menſch nur in ſo weit wahres Glück finden könne, als er ſelbſt immer beſſer wird, und Alles, was er treibt, immer beſſer macht. Neben der Herausgabe der„Deutſchen Zeitung“ be⸗ ſchäftigte ſich Becker von 1784 an mit dem Plane, ſeine
Selbſtbildung der Einwohner eines Dorfes Mildheim auf, welches ſowohl alle einzelnen Theile des praktiſchen Berufs des Landmannes, als deſſen ſittliche, häusliche und ſtaatsbürgerliche Verhältniſſe umfaßt und ſo ein voll⸗ ſtändiges Lehrbuch für das geſammte Leben und Wirken des Landmannes abgiebt. Seine Vorausſetzung, daß ein ſolches lebendiges Beiſpiel des Guten und Böſen, des Zweckmäßigen und Verkehrten, vorzüglich geeignet ſei, auf die noch wenig gebildeten Claſſen des Volkes einzu⸗ wirken, ward auf unwiderlegbare Weiſe als wahr beſtätigt. Von Jahr zu Jahr mußten neue ſtarke Auflagen des Buches
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