Illuſtrirtes
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Herausgegeben von Heinrich Schwerdt.
Wöchentlich 1 ½— 2 Bogen. Durch alle Buchhandlungen und alle Poſtämter des Fürſtl. Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſtgebiets für 12 ½ Ngr., und im Deutſch⸗Oeſterreichiſchen Poſtvereinsgebiete für 15 Ngr. vierteljährlich zu beziehen.
Der Admiral aus Friesland. Erzählung von Ernſt Willkomm. Viertes Kapitel.
Eine Strandung.
Heulender Weſtſturm wühlte die Wogen der Nordſee
tief auf und peitſchte die Brandung weit über die ſandi⸗ In allen Dünenthälern der Inſeln lunger⸗
gen Küſten. ten Strandräuber, deren es damals noch zahlreiche gab. Beſonders war der ehemalige Aufenthalt von Kreſſen⸗
jacobsthals Söhnen auf der Südſpitze Sylt's noch immer eir wünſchter Schlupfwinkel für gewiſſenloſe Menſchen,
Inſel. Die vom Sturm und heftiger Meeresſtrömung erfaßten Fahrzeuge geriethen auf die weit draußen in See liegenden Sandbänke und mußten hier von den Wellen zertrümmert worden ſein. Schiffsgüter, geborſtene Plan⸗
ken, Tauwerk und andere Gegenſtände, wie ſie auf Schiffen
vorkommen, trieben in Menge an, und lockten eine nicht geringe Anzahl Inſulaner nach der Südküſte, um zu ber⸗ gen, was irgend möglich war. Die Mannſchaft dieſer
die aus dem Unglück Anderer gern Gewinn ziehen. Dieſe fanden ſich hier von den verſchiedenſten Inſeln zuſammen, umm durch gemeinſames Handeln möglichſt große Beute zu machen.
geſcheiterten Fahrzeuge mußte ſich glücklich gerettet haben, denn an keiner Stelle des Strandes ſpülten die Wogen einen Leichnam an.
Den Eingeborenen Sylt's war das Unweſen großen⸗ theils ein Greuel, weshalb Strand⸗ und Dünenvoigte eine Ehre drein ſetzten, jene verrufenen Küſtenſtriche ihrer Inſel in böſem Sturmwetter zu beſuchen, und bei trauri⸗ gen Strandungsfällen jeglichem Hilfsbedürftigen beizu⸗ ſpringen. Dauerten die Stürme längere Zeit und wüthe⸗ ten ſie Tag und Nacht, dann freilich vermochte auch der größte Eifer dieſer Wohlwollenden weder jedem Unfall, noch jeder Unthat vorzubeugen. Auch diesmal lief ſchon in den erſten Tagen des Octo⸗ s, der ſich ſtürmiſcher als gewöhnlich geſtaltete, ein bkles Gerücht von ſchändlichen Plünderungen armer ffbrüchiger durch die Inſel. Strandungen waren
fach vorgekommen, doch ziemlich entfernt von der
Zu den nach Bergung antreibender Güter Lüſternen geſellte ſich auch der alte Strandläufer, deſſen Bekannt⸗ ſchaft wir ſchon früher machten. Der Mann war trotz ſeiner hohen Jahre noch immer rüſtig. Er beſaß eine feſte Hand, ein ſcharfes Auge, und ein unausgeſetzter Auf⸗ enthalt in Wind und Wetter und in jeder Jahreszeit ſchien ſeinem Körper unverwüſtliche Kräfte gegeben zu haben. Mit einem ſtarken Netz und mancherlei Werkzeug ver⸗ ſehen, durchforſchte er den Strand, blickte in jedes Dünen⸗ thal und ſah oft lange hinaus auf die brüllende, neblige See, als ſuche er dort etwas. Den Strandvoigten ging er gern aus dem Wege, nicht, weil er ſie gerade fürchtete, ſondern weil er als eingefleiſchter, alter Inſulaner die ſeit einiger Zeit erſt eingeführte polizeiliche Ueberwachung


