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gefühl ſagen kann:„Niemand wird in Abrede ſtellen, daß ich die Kenntniß des innern Afrikas um ein Anſehnliches ge⸗ fördert und weite Landſtrecken, die vorher als nackte, lebloſe Wüſten in unſrer Kenntniß dieſes Erdtheils dalagen, mit lebendigen Zügen der mannichfaltigen Schöpfung belebt habe. Ich war ſo glücklich, große ſchiffbare Ströme und von der Natur reich ausgeſtattete Länder zu entdecken.“ Ein Bewußtſein, das um ſo erhebender ſein muß, mit je Weni⸗ geren es der Glückliche zu theilen hat.
Der erſte nunmehr gedruckt vorliegende Band des großen
Barth'ſchen Reiſewerkes umfaßt die Reiſe von Tripoli bis Taghelel(14 Grad n. Br.), wo die Reiſenden ſich trennen, der Zeit nach vom December 1849 bis zum Januar 1851. Es ſind etwa 300 deutſche Meilen von Tripolis nach dem Süden durchmeſſen. Wir geben zunächſt eine allgemeine Ueberſicht über dieſe Reiſe, die eine reiche Ausbeute gewährt,
aber eine noch weit reichere für die folgenden Bände in Aus⸗
ſicht ſtellt.
Hr. Barth kam in Geſellſchaft Hrn. Overwegs über Marſeille, Philippeville, Bona, Tunis am 18. Jan. 1850 in Tripolis an, während Hr. Richardſon noch in Paris zu⸗ rückgeblieben war. Nachdem die beiden Reiſenden die Zeit bis zur Ankunft des Chefs der Expedition zu einer Reiſe durch das Djebel⸗, Ghurian⸗, Tarhona⸗ und Meſellatagebirge
in der Provinz Tripoli benutzt, ſetzte ſich die Expedition am 24. März von Tripolis aus in Bewegung; ſie gelangte über
das Ghuriangebirge, über öde unbebaute Landſchaften und
Hügel, die doch fortwährend Spuren ehemaliger römiſcher
Cultur darboten, nach Misda(7. April), deſſen Thal eine kleine Daſe mit Gerſtenfeldern und künſtlich geregelter Be⸗ wäſſerung bildet. 1 Hamada, ein großes, ſteiniges, unbewohntes und waſſerloſes Hochland gelangten die Reiſenden am 20. April in das Ge⸗ biet von Feſan, wo die eigentlich ſchwarze Bevölkerung be⸗
ginnt, und am 6. Mai nach Murſuk. Murſuk iſt die
Grenzſtadt des türkiſchen Reichs; bis hierher reicht der euro⸗ päiſche Einfluß, hier findet ſich noch ein britiſcher Agent, weiterhin keiner mehr. Von hier ab iſt man auf den Schutz von Häuptlingen, die man durch Geſchenke zu gewinnen hat und von andern angeſehenen, durch Handelsverkehr oder eine Pilgerfahrt direkt oder indirekt mit Europäern in Be⸗ rührung gekommenen Individuen angewieſen, und wie leicht hier ein Verſehen begangen wird, das ſich dann ſchwer rächt,
davon ſollten unſere Reiſenden die bittere Erfahrung machen.
Die Unterſchätzung und beleidigende Misachtung eines Man⸗ nes mit Namen Boro Mohammed war es, nach Barths Ueberzeugung, ganz allein, was die Beraubung und tödtliche Bedrohung verſchuldete, die die Expedition auf der Weiter⸗ reiſe von Murſuk über Rhat(ſonſt auch Ghat), das Land der Asgar⸗Tuareg und der Kelowi⸗Tuareg nach Tintelluſt im Land Air oder Asben zu erdulden hatte, wo ſie am 3. Sept. ankam und in dem dortigen Häuptling zwar einen nicht ſehr freigebigen Gaſtfreund, aber einen völlig zu⸗ verläſſigen Beſchützer fand, der es übernahm, ſie perſönlich weiter nach dem Süden zu geleiten. Da bis zum Aufbruch zu dieſer weitern Reiſe noch Monate verſtreichen ſollten, ſo ergriff Barth die Gelegenheit, ſich die Erlaubniß zu einem Abſtecher nach dem ſüdweſtlich gelegenen Agades zu erwirken, wo er vom 10—30. Oct. verweilte und ſich den intereſſan⸗ teſten ethnographiſchen und hiſtoriſchen Forſchungen widmete. Als dann endlich am 12. December der Aufbruch unter dem perſönlichen Geleite des alten Häuptlings, der die jährliche Salzkaravane führte, erfolgte, führte der Weg bald wieder über ein unbewohntes, waſſerloſes Wüſten⸗Plateau in durch⸗
Dann über ein felſiges Plateau und die
ſchnittlicher Höhe von etwa 2000 Fuß, die Heimath des wilden Ochſen, des Straußes, des kleinen mähneloſen Löwen, der Hyäne und des Schakal, bis ſie am ſüdlichen Abhang dieſes Plateau in eine an Rindern, Schafen und Pferden reiche Gegend und ſodann in das fruchtbare Land Damerghu eintraten, welches die Kornkammer von Air oder Asben iſt und das Dorf Taghelel am 4. Januar 1851 erreichten, welches den Endpunkt ſowohl der gemeinſchaftlichen Expe⸗ dition als des erſten Bandes bildet.
Wenn wir, die perſönlichen Erlebniſſe der Expedition von ihren wiſſenſchaftlichen Beobachtungen und Forſchungen ſchei⸗ dend, zunächſt jenen etwas näher nachgehen, ſo können wir nicht umhin, unſer Bedauern darüber auszuſprechen, daß Hr. Dr. Barth die Kenntniß der aus den Papieren des ver⸗ ſtorbenen Hrn. Richardſon in England veröffentlichten Reiſe⸗ beſchreibung bei ſeinen deutſchen Leſern vorausſetzt, wozu ihn nichts berechtigen konnte, da hier, außer den wenigen Fach⸗ männern, wohl kaum Jemand das Werk geleſen hat. Es werden dadurch verſchiedene für den Fortgang der Expedition nicht unwichtige Vorgänge unverſtändlich.
Bis nach Murſuk verlief die Reiſe ohne beſondres Aben⸗ teuer, wenn auch nicht ohne Anſtrengung. Bis hierher reichte der ſchützende Arm der Pforte und durch ſie der engliſchen Regierung. In Murſuk fanden die Reiſenden noch einen engliſchen Agenten in der Perſon eines Herrn Gaglinffi. Das Land Air, in welches, nach Zurücklegung der Reiſe durch das Tuareggebiet, der Weg nach dem Süden führte, war noch nie von einem Europäer betreten worden. Um ſeine Grenze zu überſchreiten mit einiger Ausſicht auf Sicher⸗ heit, mußte man unter dem Schutz eines angeſehenen Häupt⸗ lings ſtehen. Um dieſen Schutz der Expedition zu verſchaf⸗ fen, ſandte man einen Eilboten mit einem Schreiben des türkiſchen Gouverneurs nach Rhat(Ghat) ab und entbot die dortigen Häuptlinge zur Unterhandlung, unter Zuſicherung vollkommener Sicherheit. Man hatte aber nicht die Gewiß⸗ heit, ob dieſe Häuptlinge auch im Stande ſein würden, den verlangten Schutz zu leiſten, und ihre Anſprüche, ſowie die Anſprüche andrer Häuptlinge, durch deren Gebiet die Straße führte, wurden durch dieſe Entbietung natürlich geſteigert. Andrerſeits ließ ſich Herr Gagliuffi verleiten, einen andern, vorhin bereits erwähnten Mann, Mohammed Boro, der ſich zu der Zeit in Murſuk befand und, auf der Rückkehr von Mekka begriffen, auf dem Punkt war, nach dem Süden auf⸗ zubrechen, zu unterſchätzen und mit Mißachtung zu behan⸗ deln. Der frühere Statthalter von Feſan, den die Reiſenden in Tripoli getroffen und der mit den Verhältniſſen und Per⸗ ſönlichkeiten Sudans genau bekannt war, hatte ihnen dieſen Mann als den tauglichſten Vermittler in dieſen Ländern an⸗ gelegentlich empfohlen. Allerdings hatte er ſein früheres hohes Amt bei dem Sultan von Agades durch den Sturz des letzteren inzwiſchen verloren, noch immer aber war er ein Mann von großem Reichthum, bedeutenden Verbindun⸗ gen und hohem Anſehen. Die beleidigende Behandlung, die ihm Hr. Gagliuffi zu Theil werden ließ, brachte dieſen Mann gegen die Reiſenden auf und die Folge war, daß er unter⸗ wegs, anſtatt ſein Anſehn zu ihren Gunſten zu gebrauchen, viel mehr gegen ſie intriguirte, bis ſie ihn durch angemeſſene Geſchenke für ſich gewannen.
Die Häuptlinge von Rhat nahmen zwar Geld, über⸗ nahmen aber durchaus keine beſtimmte Verpflichtung, die Reiſenden ſicher in die Hände des Häuptlings Annun in Air zu überliefern. Dieſe ganze Unterhandlung war ſomit eine verfehlte, um ſo mehr, da ein wirklich einflußreicher Rei⸗ ſebegleiter dadurch gegen die Reiſenden erbittert wurde.
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