immer die Mahnung eines Eingeborenen des Negerlandes in den Ohren:„So es Gott gefällt, ſollſt Du noch Dich aufmachen und Kano leine Hauptſtadt des Reiches Sokoto, unter dem 8. Grad nördlicher Breite) beſuchen,“ überdieß die Macht des engliſchen Schutzes aus Erfahrung kennend, vermochte Barth der Verſuchung nicht zu widerſtehen, als er durch Karl Ritter von dem engliſchen Anerbieten in Kennt⸗ niß geſetzt wurde. Er bot ſich augenblicklich Hrn. Richard⸗ ſon als Begleiter an, unter der Bedingung, daß der Erfor⸗ ſchung des Innern eine größere Bedeutung und Ausdehnung gegeben würde, während urſprünglich die Abſchließung von Handelsbündniſſen mit den Häuptlingen der Wüſte den faſt
einem Deutſchen, Dank ſeiner Jugendkraft, ſeiner moraliſchen Crergie, und ſeinem Takt und Geſchick im Verkehr, gelungen b iſt Jahre lang unter fanatiſchen, des Anblicks eines Chriſten
und Europäers ungewohnten Bevölkerungen ſich ſeiner Auf⸗ gabe zu erhalten und über die dunkelſten und zweifelhafteſten geographiſchen und ethnographiſchen Punkte ſich Gewißheit zu verſchaffen, daß ein Deutſcher, allein übrig geblieben von dder durch die engliſche Regierung ausgerüſteten Expedition, mmit dem Charakter eines engliſchen Geſandten bekleidet, im Naamen dieſes mächtigen Reiches die erſten Verbindungen mit den Volksſtämmen des innern Afrika anknüpfen konnte und nun, nach Europa zurückgekehrt, ſein wohlausgeführtes
SDoagebuch über eine ſo lange und merkwürdige Reiſe, deſſen
ſorgfältige Führung er auch unter den größten Anſtrengungen und Fährlichkeiten niemals verſäumt hatte, dem europäiſchen Publikum, und vor Allem dem deutſchen vorlegt.
Die deutſche Verlagshandlung, die rühmlichſt bekannte kartographiſche Anſtalt von Juſtus Perthes in Gotha, war ſich der hohen wiſſenſchaftlichen Verdienſte des Autors wohl bewußt und— was die vollſte Anerkennung des Pu⸗ blikums verdient— redlich und mit großer Selbſtverleug⸗ nung bemüht, ihnen durch die glänzendſte äußere Ausſtattung gerecht zu werden. Das Buch, wie es in ſeinem erſten Bande vor uns liegt, tritt, was Stärke und Weiße des Papiers, Schärfe und Reinheit des Drucks, Sauberkeit der eingedruck⸗ ten Holzſchnitte(64 im erſten Band) und der lithographi⸗ ſchen Anſichten in Farbendruck(zwölf im erſten Band) und Genauigkeit der 6 Karten betrifft, die uns ein bis ins kleinſte Detail präciſes Bild der von dem Reiſende durchzogenen Gegenden gewähren, den engliſchen Prachtausgaben würdig zur Seite, während das bekannte Misverhältniß zwiſchen deutſcher Leſeluſt und deutſcher Bücher⸗Kaufluſt es höchſt zweifelhaft erſcheinen läßt, ob bei dem verhältnißmäßig niedrigen Preiſe(Ladenpreis 6 Thaler pro Band) auch nur die ausgelegten Koſten für das Unternehmen wieder einkommen werden. Wenn man auf der einen Seite alle Urſache hat ſich zu freuen, daß es in Deutſchland noch Verleger gibt, welche im Stande ſind ſo bedeutende Summen auf ein im äußeren Erfolg zweifelhaftes Unternehmen zu wagen(zweifelhaft wird der materielle Erfolg eben dadurch, daß er rein auf das deutſche Publikum geſtellt iſt, da gleichzeitig eine engliſche Ausgabe in London erſcheint, die„eines guten Geſchäfts“ wohl voll⸗
kommen ſicher ſein kann), ſo iſt es andrerſeits Pflicht, dem
deutſchen Publikum bei guter Gelegenheit immer und immer
wieder bemerklich zu machen, daß nur durch ſeine thatſäch⸗ liche Anerkennung des großen Sinnes, welcher in ſolchen
der Wiſſenſchaft und der Nation gleich ſehr zur Ehre gerei⸗ chenden Unternehmungen ſich ausſpricht, für die Zukunft die Bereitwilligkeit zu denſelben bedingt iſt.
Die Veranlaſſung, welche Hrn. Dr. Barth, Dozent an
der Berliner Univerſität, der bereits früher eine längere
Reiſe durch die Mittelmeergeſtade gemacht und beſchrieben hatte, in einer zweiten größeren Reiſe bis nach Central⸗ afrika und in die ſtaatlichen Mittelpunkte der ſchwarzen Raſſe geführt hat, war kurz folgende: Die engliſche Regierung, entſchloſſen Herrn James Richardſon auf eine Miſſion nach dieſen Gegenden zu ſenden, ſtellte durch den preußiſchen Ge⸗ ſandten im Jahr 1849 das Anerbieten in Berlin, einem deut⸗ ſchen Reiſenden die Theilnahme an der Miſſion zu geſtatten, falls er 200 Pfd. St. zur Beſtreitung ſeiner perſönlichen Reiſeunkoſten mitbringe. Durch ſeine erſt kurz vorher voll⸗ endete Reiſe in den Nordgeſtaden Afrikas noch von den Ein⸗ drücken jener Gegenden,„in denen das Kameel und die Dat⸗ telpalme die charakteriſtiſchen Züge bilden,“ erfüllt, noch
alleinigen Geſichtspunkt gebildet hatte. Zwar trat er, durch die zärtlichen Einreden ſeines Vaters bedrängt, von ſeinem Vorhaben wieder zurück und machte Hrn. Dr. Overweg Platz, der ſich an ſeiner Stelle anbot; allein inzwiſchen war ſein erſtes Anerbieten bereits von der engliſchen Regierung an⸗ genommen worden; die Rückſicht auf die väterliche Beſorg⸗ niß mußte überwunden werden und die engliſche Regierung dachte groß genug, zwei Mitgliedern einer fremden Nation, anſtatt eines einzigen, wie es urſprünglich beabſichtigt war, die Theilnahme an einer Expedition zu geſtatten, die doch ſpeziellen britiſchen Handelszwecken dienen ſollte. Sie ſtellte nicht nur Hrn. Barth und Hrn. Overweg nach der Tren⸗ nung von Hrn. Richardſon frei, in der von ihnen als günſtig erkannten Richtung weiter vorzudringen, ſondern ſie beſchloß auch der Expedition ein Boot und einen Seemann mitzuge⸗ ben, und wenn die Wahl des letztern nicht ganz glücklich war, ſo daß Hr. Richardſon ihn von Murſuk aus zurückſandte, ſo kam dagegen das Boot, das auf dem ungeheuer ſchwieri⸗ gen Landwege über Murſuk, Ghat, Air und Sinder fortge⸗ ſchafft wurde und die Verwunderung und das Staunen aller Stämme des Innern erregte, endlich ſicher am Orte ſeiner Beſtimmung an, die der Leiter des Unternehmens ſelbſt, Hr. Richardſon, nicht ſo glücklich war zu erreichen. Auch Waffen zu führen erlaubte die engliſche Regierung der Expe⸗ dition und der Erfolg hat bewieſen, wie nothwendig dieſe Maßregel war. Es iſt Dr. Barths Ueberzeugung, daß ohne Waffen nicht die Grenze von Air überſchritten, ſomit
nicht über den 20. Grad Nordbreite vorgedrungen worden wäre, da die Bevölkerungen in dieſen Gegenden in fortwäh⸗
rendem Kriegszuſtand begriffen ſind. In Südafrika iſt die Möglichkeit bewieſen worden, unbewaffnet zu reiſen; der große Unterſchied liegt aber, nach Barth, darin, daß im Süden nur heidniſche Stämme leben, während in den Ge⸗ genden von Nord⸗ und Centralafrika Heidenthum und Islam einander beſtändig in offenem oder heimlichem Kampfe gegen⸗ überſtehen.
Dr. Barth glaubte, daß er nur deshalb ſo viele Gefah⸗ ren glücklich überwand, weil Jedermann wußte, daß ſeine Waffen ſtets ſcharf geladen waren, weil er oft den Beweis lieferte, daß ſie es waren und weil er beſonders bei Nacht wohl auf ſeiner Hut und umſichtig war. Während er durch dieſe Mittel Feinde abhielt, war ſein eifriges Bemühen da⸗ rauf gerichtet, Männer, mit denen er in friedlichem Verkehr ſtand, durch wirkliche Achtung und Freundſchaft an ſich zu ketten. Er ſpricht die Regel, nach der er auf ſeiner Reiſe von Anfang an verfuhr, in den Worten aus:„Ich bin nie⸗ mals weiter vorgedrungen, ohne zu wiſſen, daß ich hinter mir einen aufrichtigen Freund ließ und daß, wenn ich genö⸗ thigt ſein ſollte meine Schritte zurückzumeſſen, ich dieß mit Sicherheit thun könnte.“ Der ſtrengen Befolgung dieſer Regel hat man es ohne Zweifel größtentheils zu danken, daß Barth im Vorwort zu ſeinem Werk mit gerechtem Selbſt⸗


