— 229 i“ 3 25 Als wir aus dem Schloſſe wieder heraus traten und Und nun, wohin?— Wir lechzten nach einer Er⸗ b V den maſſiven, geſchmackvollen Neubau bewunderten, der friſchung. ſeeitwärts vom Schloſſe und in architectoniſcher Harmonie„Der Friedrichröder Felſenkeller iſt nicht weiter, als 1 niit demſelben an Stelle der alten Meierei(ſeit 1855) das Reinhardsbrunner Gaſthaus“— ſagte ich zu meinem d errichtet iſt, eilten zwei bekannte Herrn an uns vorüber. Freunde.„Laß uns den kurzen Weg nicht ſcheuen, um l Wir fragten: wohin? noch einen Blick auf das liebliche Panorama zu werfen, en„In's Büchig!“ riefen ſie uns zu.„Die Marien⸗ in deſſen Mitte das freundliche Berg⸗ und Badeſtädtchen le glashöhle iſt heute erleuchtet.“ Friedrichrod lagert.“ er V Ddies war uns eine frohe Kunde. Und ohne langes Bald war das Ziel auf ſchattigen Wegen erreicht. ge Säumen ſchritten auch wir durch anmuthige Baumgruppen Schon hatten ſich viele Gäſte in Friedrichroda geſammelt, u- und über ſchwellende Raſenteppiche einem waldbegrenzten obgleich die ſchlichte Stadt, außer den mannichfachen 1 Wiieſenplane zu,— dem Büchig. Indem wir dem kry⸗ Reizen, welche die Gebirgsnatur entfaltet, keinerlei Ge⸗ 8⸗ ſſtallhellen Waldbache folgten, der aus dem„Ungeheuern nüſſe und nicht einmal heilkräftige Quellen bietet. en Grund“ hervorbricht und im unteren Thale von Teich zu„Und dennoch“— widerlegte ich die ſpöttelnde Bemer⸗ gs Tceich hüpft, hatten wir in wenigen Minuten das ſchlichte kung meines Freundes, daß in dem Thüringer Wald die n— Sechenhaus erreicht, in deſſen Nähe die berühmte Höhle Bäder faſt wie Pilze aus der Erde wüchſen,—„dennoch er mündet. Nachdem wir eine Zeitlang geraſtet und uns fühlen ſich die Gäſte in dem ſtillen Schoße der Natur be⸗ r⸗ aobgekühlt hatten, folgten wir der zuſtrömenden Menge haglicher, als in dem Geräuſche weltberühmter Badeorte, 2 daurch einen langen, feuchten Stollen in das künſtlich aus⸗ wo Leib und Seele ſelten die erſehnte Ruhe und Erquickung h⸗ gehöhlte, unterirdiſche Feengemach, aus welchem uns eine finden. Die tauſend kleinen Leiden, welche die Nerven en ggeheimnißvolle Muſik in leiſen, zauberhaften Tönen ent⸗ verſtimmen und das Leben trüben, ſchüttelt man am ſicher⸗ 6 gegen wogte. Zahlloſe Lämpchen brachen ihr flimmern⸗ ſten in unſerer friſchen Waldluft ab. Der ſchlichte Zauber n⸗ des Licht an den ſcharfgezackten, kryſtallenen Wänden, und der Natur mit ſeiner wunderbaren Anziehungskraft auf er das glänzendweiße, faſt durchſichtige Frauenglas bildete alle Gemüther, die noch nicht für reine und edle Genüſſe 5 einen magiſchen Spiegel, der die kleine Grotte zu einem erſtorben ſind; die eigenthümliche Sehnſucht, in einfache 3 wundervollen Tempel verklärte. Der ganze Alabaſterbruch Lebensverhältniſſe zurückzukehren, wenn man im bunten 8„Herzog⸗Ernſts⸗Stollen“— iſt über 500 Fuß lang, wäh⸗ Treiben der Welt abgeſtumpft und überſättigt iſt; die mg V rend die Rundung der Höhle etwa 450 Fuß, die Höhe nothgedrungene Entſagung aller ſinnaufregenden Vergnü⸗ rit 25, und der Pfeiler, der die Decke trägt, 56 Fuß im Um⸗ gungen, in deren Strudel die Luxusbäder ihre Gäſte 4 fange mißt. Das Gypsflöz(Marienglas oder Frauen⸗ ziehen; die ſtille Zurückgezogenheit und die zwangloſe 5 eis), das darin gebrochen und in der nahen Mühle ver⸗ Wohffeilheit eines ländlichen Sommeraufenthaltes, wie arbeitet wird, iſt voll der herrlichſten Kryſtalliſationen, der heilſame Einfluß, welchen derſelbe auf Geiſt und V 1 die in wunderbaren Formen die ausgehöhlten Gemächer Körper übt: das ſind die unwillkürlichen Mittel, das 3 füllen. Aus einem Vorgemache, das durch grauen Ala⸗ die geheimnißvollen Kräfte, womit Thüringens Bäder, ute baſter führt, ſtiegen wir auf ſchlüpfrigen Stufen in die womit auch Friedrichroda ſeine lieben Gäſte lockt und in⸗ unteren Räume hinab, welche ſich je mehr und mehr erwei⸗ feſſelt!“ er⸗ kteeern. Ein prachtvolles Gewölbe mit einem Säulengange Und ſo mögen denn noch Tauſende und aber Tauſende II, nahm uns auf. Wir gingen um den coloſſalen Pfeiler in den freundlichen Aſylen des Thüringer Waldes Er⸗ ſen vherum, den man zur Stütze des Baues ſtehen gelaſſen, quickung und Erholung, Friede und Freude finden!*) ge⸗ und bewunderten ſeitwärts ein Waſſerbaſſin„das Marien⸗ oft glasbecken,“ das etwa 80 Fuß im Umfange mißt.*) Thüringens Bäder werden im„Feierabend“ nach und nach die Das Menſchengedränge war jedoch ſo ſtörend, daß geſchildert werden. Wer ſie näher kennen lernen will, den verweiſen ten wir uns in den engen Räumen nicht recht behaglich fühl- wir auf die ſchmucken Büchlein, die der Herausgeber dieſes Blattes bei ten. Wir eilten in das friſche Waldesgrün zurück und Wr rü in Gotha veröffentlicht hat:„Thüringene Bäder, . ach er Lage, ihren Heilkräften, ihren Einrichtungen und freuten uns der Sonnenſtrahlen, die ihre warmen Grüße nnd ihren Umgebungen.“ Das zweite Bändchen behandelt Friedrich⸗ gen laauf uns niederſendeten. roda und Reinhardsbrunn. ren un 48,..„„ 1 Dr. Barths Reiſen in Afrika. n⸗ Von G. D. 4 Wir hoffen, unſere Leſer werden es uns Dank wiſſen, halten es für eine Pflicht, Etwas dazu beizutragen, um das um, wenn wir ihnen einige Mittheilungen machen über den ſo Intereſſe auch für das nun zur Veröffentlichung gelangende die eben erſchienenen erſten Band des Werkes jenes berühmten Werk über jene große und denkwürdige Reiſe im deutſchen des deutſchen Reiſenden, deſſen Rückkehr nach Europa von einer Publikum anregen zu helfen; denn es erſcheint uns daſſelbe An faſt ſechsjährigen mühe⸗ und gefahrvollen Reiſe in bisher geradezu als von einem nationalen Charakter bekleidet und Ih⸗ beinahe gänzlich unbekannten Gegenden, auf welcher ihn das eines allgemeinen nationalen Intereſſes würdig. Die Deut⸗ 5 Gerücht mehr als einmal hatte verunglücken laſſen und auf ſchen dürfen wohl, wie uns ſcheint, ſtolz darauf ſein, daßs 4⸗ dder er in der That von ſeinen Reiſegefährten allein der ein Deutſcher es war, der zuerſt in Gegenden vorgedrungen ch Aeberlebende blieb, vor nunmehr zwei Jahren in der ganzen iſt, die theils niemals, theils ſeit länger als 300 Jahren nicht 3 geſitteten Welt ſoviel Aufſehn machte. Wir unſrerſeits mehr von einem europäiſch Gebildeten betreten wurden; daß es
Jahrgang
1857
Seite
229
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