Anſtalten abzuhelfen. Nur Berxlin, in gewiſſer Hinſicht die civiliſirteſte aller deutſchen Städte, hat bis zur neueſten
Wohlbehagen genießt. Und doch iſt d
Die Berliner
Waſſerwerke.
Mit zwei Abbildungen.
Das Waſſer iſt eine unentbehrliche Bedingung des Lebens. Darum hat man es früher zu den Elementen gezählt, und die Völker des Alterthums ſcheuten keine Mühe und keine Opfer, ſich dieſe Wohlthat der Natur und des geſellſchaftlichen Behagens überall zu ſichern.
Vorzugsweiſe wird das Bedürfniß in großen Städten fühlbar, wo ſich die Bevölkerung maſſenhaft zuſammen⸗ drängt. Wenn es da an gutem Waſſer fehlt, ſo iſt mehr oder weniger das öffentliche und häusliche Leben beein⸗ trächtigt und gefährdet. Und ob das kräftigſte Bier in Strömen gebraut wird, und ob die nahen Berge mit Reben bedeckt ſind, und ob der Thee⸗ oder Kaffeekeſſel
gethan; und es ſind wohl jetzt faſt alle Aerzte zu der Ueberzeugung gekommen, daß der Genuß des„weichen“ Waſſers(des am wenigſten mit fremdartigen und na⸗ mentlich mineraliſchen Beſtandtheilen verſetzten) der Geſundheit am zuträglichſten iſt; gleichwie auch der In⸗ ſtinkt des Pferdes das harte Waſſer verſchmäht, ſobald es weiches haben kann. Und wie das weiche Waſſer— wenn es auch anfangs dem verwöhnten Gaumen weniger behagt— den Hausfrauen das Kochen, Waſchen und Backen erleichtert; wie es ſchneller ſiedet und darum weni⸗ ger Feuer braucht; wie die darin gekochten Speiſen weicher und ſchmackhafter werden:— wer wüßte das nicht?
Das Kaſchinen-
Morgens und Abends brodelt,— Waſſer! Waſſer! iſt und bleibt die Loſung der menſchlichen Wohlfahrt.
Das hat man in vielen großen Städten Frankreich's, Holland's und England's, das hat man auch in Ham⸗ burg anerkannt und iſt darauf bedacht geweſen, dem all⸗ gemeinen Bedürfniß durch großartige Waſſerverſorgungs⸗
Zeit dieſer Wohlthat entbehrt.
Zwar war die Stadt mit ihren tauſend Brunnen hinlänglich mit Waſſer verſorgt. Die Berliner labten ſich daran und meinten, daß es ein vortreffliches Getränk ſei; gleichwie ja der Grönländer auch ſeinen Thran mit
berne Brunnen⸗
waſſer erwieſenermaßen ſehr hart Und der Geſundheit
nachtheilig, weil es mit Kalk und ſcharfen Subſtanzen
geſchwängert, mit Salpeterſäure verſetzt und mit Unrath erfüllt iſt. Dieß haben die genaueſten Unterſuchungen dar⸗
und Keſſelhaus.
Und wie koſtſpielig iſt es für den Haushalt, wie ſtörend für die Bequemlichkeit des Familienlebens, wenn das friſche Waſſer, ſoll es nicht abſchmeckend werden, ſtündlich von der Straße beigetragen werden muß! Ach, wenn man die Leidensgeſchichten alle hören könnte, die das tägliche Waſſerholen herbeiführt,— wie unbehol⸗ fene Kinder oder alte Mütterchen mit ſchweren Waſſer⸗ eimern über hohe Treppen keuchen, wie die Töchter anſtändiger Familien in der Dunkelheit zum Brunnen ſchleichen, wie viele Dienſtboten ihre koſtbare Zeit mit Waſſerzutragen und mit den unausbleiblichen Klat⸗ ſchereien, Liebeleien und Zänkereien vertrödeln, die damit im Bunde ſtehen; und wie's doch überall und immer an friſchem Waſſer fehlt:— wahrhaftig, man könnte über die„wäſſerigen“ Leiden des häuslichen Lebens ein Buch ſchreiben, das umfangreicher und trauriger wäre, als die Klagen Jeremiä.
Herr von Hinkeldey in Berlin, der ein ſo tragiſches
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