ſenkung eines Taues auf der geraden Linie, welche zwiſchen der Weſtküſte Irlands und St. Johns auf Neufundland liegt, zu ſichern, machte man den Vorſchlag, die Ausſpan⸗ nung des Telegraphendrahtes ſo zu bewirken, daß man den Norden Schottlands als Abgangspunkt annehme und von dort aus die Linie nach den Orkney⸗Inſeln, den Faröer⸗ Inſeln, Island, Grönland, Labrador und ſo nach Amerika ziehe; man habe dann an dieſen Punkten Relais⸗Apparate, um den elektriſchen Strom zu erneuern, ſo daß keine größere unterſeeiſche Abtheilung erforderlich werde, als die von 600— 700 Seemeilen. Bei der Ausführung dieſes Plans wäre indeß die Errichtung und Unterhaltung einer Reihe von Zwiſchenſtationen auf den unwirthſamen Küſten des Nordmeeres nothwendig geworden, und dabei ließ ſich nicht erwarten, daß ein Tau ſtark genug ſei, um der zerſtörenden Wirkung der Eisberge, welche dieſe Gegenden umſchließen, und der es nothwendig ausgeſetzt wäre, Widerſtand leiſten zu können.
Alle wiſſenſchaftlichen Einwendungen, welche gegen die gerade Linie zwiſchen Irland und Neufundland erhoben wur⸗ den, ſind indeß in der allerneueſten Zeit befriedigend wider⸗ legt worden, und gleichzeitig iſt es gelungen, die Natur der Tiefe und Strömungen des atlantliſchen Meeres, die auf dieſer Linie vorkommen, zu beſtimmen.
Im Verlaufe des Sommers 1856 hat man die Tiefe des atlantiſchen Meeres an nicht weit von einander entfernt liegenden Punkten, nämlich in Zwiſchenräumen von etwa 30 Seemeilen, in ſeiner ganzen Breite mittelſt des Dampfſchiffes Arctic unterſucht, das, auf Andringen der bei der Ausfüh⸗ rung des atlantiſchen Telegraphen Betheiligten, von der Regierung der nordamerikaniſchen Vereinigten Staaten unter dem Befehl des Lieutenants Berryman in Begleitung meh⸗ rerer andern wiſſenſchaftlich gebildeten und erfahrenen Offi⸗ ciere eigens zu dieſem Zwecke abgeſandt wurde. Die mit dem Senkblei vorgenommenen Unterſuchungen haben ergeben,
daß die Oberfläche des Meeresbodens auf der ganzen beinahe 2000 Seemeilen langen Strecke von St. Johns in Neufund⸗ land bis zur Valentia-Bai an dem ſüdweſtlichen Vorſprung der iriſchen Küſte faſt durchaus eben iſt, welche Anſicht ſchon früher der nordamerikaniſche Lieutnant Maury ausgeſprochen hat, der ſo viel für die Kunde des Oceans gethan. Man hat dieſe Strecke ſchon im Voraus mit dem Namen des Telegraphen⸗Plateau's belegt. Die Tiefe ſchwankt ſehr allmälig zwiſchen 1000— 2000 Faden(1 Faden= 6 engl. Fuß oder 5,33 Pariſer Fuß) an den tiefſten Stellen und iſt daher im Durchſchnitt nicht größer, als diejenige, über welche man bei der Verſenkung anderer Taue bereits ohne Schwierigkeit hinübergekommen iſt. Es erſtreckt ſich von Küſte zu Küſte eine unterſeeiſche Fläche oder Ebene, deren Beſchaffenheit ſich ganz vorzugsweiſe zur Legung eines Telegraphentaues eignet, indem die ganze lange Strecke aus ungemein zarten und ſchönen Muſcheln beſteht, die ſo klein ſind, daß man ſie mit bloßem Auge nicht unterſcheiden kann, und deren vollkommene Geſtalt zur Genüge beweiſt, daß in den Tiefen, aus welchen man ſie an's Tageslicht brachte,
Englands Rohlenreichthum. Gewöhnlich wird der Reich⸗ thum Englands an Steinkohlen als ein unerſchöpflicher darge⸗ ſtellt, nach neueren Berechnungen iſt er das durchaus nicht, Nach
keinerlei Strömungen vorhanden ſind, denn die geringſte Bewegung des ſie umgebenden Waſſers hätte ein Abreiben ihres zerbrechlichen Gefüges zur Folge haben müſſen. Die Route liegt überdies zufälligerweiſe gerade jenſeits der Grenzen, innerhalb welcher der Golfſtrom thätig iſt, und bildet eine Linie beinahe gänzlicher Windſtille und Ruhe, abgerechnet eine bloß oberflächliche Aufregung der Gewäſſer.
Auf dieſe Weiſe wurde die Tauglichkeit des atlantiſchen Meeres zur Aufnahme eines unterſeeiſchen Taues auf der ganzen gewählten Route außer allem Zweifel geſtellt. Petermann's Geogr. Mittheilungen Heft X. liefern eine kartographiſche Darſtellung der Meerestiefen auf dieſer Linie.
Während einerſeits dieſe Tiefenmeſſungen angeſtellt wur⸗ den, ſetzte man andererſeits die wiſſenſchaftlichen Unterſuchun⸗ gen fort, um in Betreff der Thunlichkeit des Arbeitens durch unterſeeiſche Leiter von der hier erforderlichen Länge zu einer Entſcheidung zu kommen, und um Mittel zu finden, den bereits erwähnten Wirkungen der zeitweiligen Einſaugung und Verſpätung des elektriſchen Stroms in ſeinem Durch⸗ gang durch irgend beträchtliche Längen ſolcher Leiter auszu⸗ weichen oder Vorſorge dagegen zu treffen. Dieſe Unter⸗ ſuchungen führten zu den erfreulichſten Ergebniſſen. Man fand Mittel, durch welche es möglich wird, in dem kurzen Zeitraum von einer Minute nicht weniger als neunzig Buch⸗ ſtaben des Alphabets, d. h. im Durchſchnitt zwanzig Worte, von England nach Amerika oder umgekehrt zu ſchleuderu. Die zweitauſend Seemeilen, welche beide Erdtheile trennen, werden durch den elektriſchen Schlag in einem Augenblick durchzogen, und man iſt im Stande, Botſchaften über den weiten atlantiſchen Ocean in demſelben Zeitraum hinüber zu befördern, wie zwiſchen der City und dem Weſtend von London, nur mit dem Unterſchiede, daß die nach Amerika geſendeten Meldungen daſelbſt ſcheinbar ſechs Stunden früher ankommen, als ſie in London abgegangen ſind. Dieſes verhält ſich folgendermaßen. Da die Erde, um ſich von Weſten nach Oſten um ihre Achſe zu drehen, einen Tag braucht, ſo iſt die locale Zeit in Amerika eine ungefähr um den erwähnten Zwiſchenraum ſpätere, als in England, und da der elektriſche Funke die Entfernung in einem Augenblick durchziehen wird, ſo wird jedes durch den elektriſchen Tele⸗ graphen beförderte Signal auf dieſe Art der ſcheinbaren Bewegung der Sonne am Himmel um ſechs Stunden vor⸗ ausgeeilt ſein. Dieſer Unterſchied in Länge und Zeit wird indeß einen bedeutenden Einfluß auf die Handelsberichte eines ſolchen elektriſchen Drahttaues ausüben, da alle Geſchäfts⸗ berichte des Tags, die man von engliſcher Seite zwiſchen 10 Uhr Morgens und 4 Uhr Abends abfertigen läßt, auf amerikaniſcher Seite zwiſchen 4 Uhr Morgens und 10 Uhr Vormittags ankommen werden, d. h. zu einer Zeit, in wel⸗ cher die Bewohner der neuen Welt noch im Bette oder im Begriff ſind, an ihre Arbeit zu gehen. Auf gleiche Weiſe wird das elektriſche Tau frei ſein für den Rückfluß von Bot⸗ ſchaften, welche in England zwiſchen 4 Uhr Abends und 10 Uhr Nachts ankommen werden.
(Schluß folgt.)
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dieſen Berechnungen beträgt die Oberfläche des Bodens, unter welchem ſich in England Steinkohlen befinden 1599 Quadrat⸗ meilen, unter welchen nach den ſorgfältigſten Unterſuchungen ein


