Jahrgang 
1857
Seite
206
Einzelbild herunterladen

wie es dieſelben hinwiederum ſolche den letzteren ent⸗ nahm, und ſo den Teufel in die organiſche Natur ein⸗ bürgerte, aus der er nun nicht wieder herauszutreiben iſt, und wenn ganze Legionen von Teufelsbannern gegen ihn zu Felde zögen. Zu allem Glück thut auch ſolche Teufel⸗

austreibung nicht Noth, denn Namen ſind nur Schall und körperloſe Schatten. Die an einen wirklichen perſönlichen Teufel glauben, und ihn austreiben wollen, oder ihn zu bannen vermeinen, für dieſe iſt er auch vorhanden, und ſie mögen zuſehen, wie ſie mit ihm fertig werden.

Der elektriſche Telegraph zmiſchen Eurapa und Amerika.

Von S. Steinhard.

Die natürlichen Wunder des neunzehnten Jahrhunderts, die Triumphe des denkenden Menſchengeiſtes über die Kräfte der Natur wachſen an Zahl und Größe; raſtlos ſinnen und arbeiten die Männer der Naturwiſſenſchaften und der mecha⸗ niſchen Künſte, um die geheimen Kräfte und Geſetze der Natur beſſer zu ergründen und ſie den Bedürfniſſen der Menſchen, dem Verkehr von Land zu Land, von Volk zu Volk, der Gewerbsthätigkeit der Nationen dienſtbar zu machen. Es iſt wahrhaft zum Erſtaunen, welche Fortſchritte auf dieſem Gebiete in der neueſten Zeit gemacht wurden und fort und fort in immer kürzern Zwiſchenzeiten gemacht werden. Eine der wunderbarſten Erfindungen dieſer Art war die des elektriſchen Telegraphen, eine Erfindung, die einem Deutſchen vorbehalten war, dem vor einigen Jahren verſtorbenen Profeſſor Gauß in Göttingen, und in der man vor Allem die Größe des Menſchengeiſtes bewundern muß, Wie er den Blitz, den elektriſchen Funken, zum Boten ſich machet,

Daß er im Nu fernhin trägt das beflügelte Wort. Aber bis vor wenigen Jahren hielten es Viele für un⸗ möglich, auch ſolche Länder, welche durch Meere von einan⸗ der getrennt wurden, durch den elektriſchen Draht dergeſtalt mit einander zu verbinden, daß man mit ihren Bewohnern in augenblicklichen Verkehr treten könne. Man zweifelte an dem Gelingen eines ſolchen Unternehmens wegen der tiefen und abſchüſſigen Stellen, die ſich vielfach im Meere vorfin⸗ den, wegen der ſcharfen Felſen, die mit zerreibendem Trieb⸗ ſand gefüllten Flächen, die hie und da zerſtreut ſind, wegen der Gewalt der Strömungen, ſowie wegen der Gefahren, welche dem auf dem Meeresgrunde angebrachten Telegraphen⸗ drahte durch die Anker der ankernden Schiffe drohen. Aber auch dieſe Zweifel wurden beſeitigt durch die glücklich voll⸗ brachte Anlegung des Telegraphen zwiſchen Dover und Calais im Sommer 1851, durch welchen das meerumgürtete, inſulariſche England mit dem Feſtlande telegraphiſch verbun⸗ den wurde, ſo daß ſeitdem das beflügelte Wort mit Gedanken⸗ ſchnelle in zauberhafter Weiſe herüber und hinüber fliegt, ohne daß ſelbſt das ſturmbewegte Meer ihm ein donnerndes Halt entgegenzurufen vermag. Seitdem ſind zwiſchen mehreren andern Punkten unterſeeiſche Telegraphen mit gutem Erfolg angelegt worden. So beſteht z. B. ſeit dem 6. Mai 1853 eine zweite Verbindung Englands mit Deutſch⸗ land durch Belgien mittelſt einer unterſeeiſchen Linie von 14 deutſchen Meilen zwiſchen Dover und Nieuport, in Folge welcher Verbindung es nicht mehr in die Hände Frankreichs

V V V V

gelegt iſt, ob das übrige Feſtland mit England telegraphiſch

correſpondiren ſoll oder nicht.

Aber dieſe gelungenen Verſuche mit dem unterſeeiſchen elektriſchen Telegraphen betreffen nur verhältnißmäßig kleine Meeresſtrecken, die der elektriſche Draht zu überſpannen hatte. Ob es auch möglich ſei, den ungeheuern Raum zwiſchen Europa und Amerika, innerhalb deſſen der gewaltige

atlantiſche Ocean in ſeiner weiten, breiten Ausdehnung mit ſeinen Fluthen wogt, mit dem elektriſchen Telegraphentau zu überziehen, blieb bis in die neueſte Zeit eine zweifelhafte Frage, bis endlich die jüngſten Unterſuchungen die Bürg⸗ ſchaft gewährten, daß auch dieſes gewaltige Unternehmen ausführbar ſei und einer glücklichen Vollendung entgegenſehen dürfe. Der Gegenſtand iſt ſo anziehend und verdient die allgemeine Aufmerkſamkeit in ſo hohem Grade, daß es hier am Platze ſein dürfte, wenn wir eine Darſtellung der betreffenden Verhältniſſe hauptſächlich nach einem jüngſt vom Ausland gebrachten Aufſatz der engliſchen Zeitſchrift Economiſt in freier auszüglicher Bearbeitung geben.

Die Beſchaffenheit des atlantiſchen Meeresbodens war noch bis vor Kurzem unbekannt, die Tiefe dieſes Oceans war ein Geheimniß und die Richtung und Kraft ſeiner Strömungen in unerforſchtes Dunkel gehüllt. Dabei war die Entfernung von beinahe zweitauſend engliſchen Seemei⸗ len, deren 60 auf einen Grad des Aequators gehen, zwiſchen Europa und Amerika oder zwiſchen der Küſte von Irland und der von Neufundland in gerader Linie ſo groß, daß die Möglichkeit, elektriſche Zeichen über einen ſolchen Raum hin⸗ über zu führen, ohne einen Zwiſchenpunkt, auf dem man den elektriſchen Strom erneuern könnte, ein Gegenſtand ernſter Zweifel bei vielen Naturforſchern geworden war. Dieſe Zweifel gründeten ſich auf gewiſſe Erſcheinungen, die man an ganz abgeſonderten und in Waſſer verſenkten Drahtleitern beobachtet hatte. Wenn man nämlich ſolchen Leitern einen elektriſchen Strom mittheilte, ſo fand man, daß, wenn die Länge der Linie, welche er zu durchziehen hatte, beträchtlich war, beim Zurückziehen der galvaniſchen Batterie ſogleich ein elektriſches Zurückweichen an demjenigen Ende des leiten⸗ den Drahts ſtattfand, auf welchem die galvaniſche Batterie angewendet worden war, und daß ein anſehnlicher Theil des Stroms wieder zurückkam, nachdem er, ſo zu ſagen, von dem Draht, in welchen er übergegangen, zeitweiſe aufgeſogen worden, ohne ſeine Wirkungen dem fernen Ende des Leiters, wo er wirken ſollte, mitzutheilen. Als man weitere Unter⸗ ſuchungen anſtellte, fand man, daß dieſe Erſcheinungen von einem beſtimmenden Einfluſſe herrührten, welcher ſich zwi⸗ ſchen dem leitenden Draht und dem die Gutta⸗Percha oder einen andern Stoff, in welchen der Draht eingewickelt iſt, umringenden Waſſer während des Durchzugs des Stroms durch den erſtern wechſelſeitig erzeuge, und daß eben deshalb

die Elektricität aus der galvaniſchen Batterie theilweiſe in

dem Draht feſtgehalten wurde. Man folgerte nun aus

einigen Ergebniſſen dieſer Forſchungen, daß, wenn man

durch einen ſolchen Einflüſſen unterworfenen langen Draht Mittheilungen machen wolle, es nothwendig würde, den Umfang des Leitungsdrahtes ſehr zu verſtärken.

Bei der bisherigen Mangelhaftigkeit der wiſſenſchaftlichen Kenntniſſe, welche erforderlich geweſen wären, um die Ver⸗