Jahrgang 
1857
Seite
205
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ſchnecke. Der auch in Thüringen häufige und zum Theil gefürchtete gefleckte Erdmolch oder Salamander heißt in TirolDattermanndl, und gilt als ein Thier, deſſen Geſtalt der Teufel gern annimmt. Ebenſo iſt der ſchwarze ungefleckte Molch, dortWegnarr geheißen, als Teu⸗ felsthier verabſcheut. In Tirol geht die Sage, der Teufel habe die Gemſen erſchaffen, ebenſo die Preißel⸗ beeren, die zuerſt zwar ſüß, aber ganz giftig geweſen Qſſiind, ſo daß viele Leute, die ſie genoſſen, ohne Beichte und Abſolution in ihren Sünden dahinſtarben. Gott und die heilige Jungfrau aber machten das Teufelsmach⸗ werk wirkungslos.

In demſelben Lande galten nachſtehende Pflanzen als dem Teufel verwandt, oder tragen doch ſeinen Namen:

Die Mandragora(Atropa Mandragora L.) nach andern A. vernalis, die bekannte Alraunwurzel, welche im Reiche des Aberglaubens eine große Rolle ſpielt. In ihrem Beſitz, der aber nach gewiſſen Regeln und For⸗ meln erlangt werden mußte, konnte man den Teufel zu allerlei Dienſten zwingen. Die Tollwurz oder Tollkirſche (Atropa Belladonna), führt an vielen Orten den Namen Teufelsbeere. Hier leuchtet der Grund dieſer Namen⸗ gebung völlig ein, weniger aber, daß eine der lieblichſten Alpenblumen, die ſchöne, ganze Raſen bildende, auch in deutſchen Ziergärten beliebte, im Frühlinge roſenroth. blühende Silene(Silene acaulis), die an manchen Orten Marienröschen heißt, im ganzen Vintſchgau und im PaſſeierthaleTeufelswieſen genannt wird. Urſache iſt vielleicht die, daß die Schafe dieſe Pflanze nicht gut vertragen können.

In derſelben Gegend und bis nach Meran herab heißt eine Rapunzelgattung(Phyteuma) Teufelskralle.

Der Allermannshariſch(Allium Victorialis) auch wilder Alraun oder Alpenknoblauch genannt, übt Zauberkraft, und wuchert namentlich in einer Felſen⸗ ſchlucht in der Nähe des ſagenreichenKaiſer eines Tiroler Berges, weshalb dieſe Schlucht den Namender Teufelswürzgarten führt.

In und außerhalb Tirols heißt eine Pflanze, die zwar der Name St. Peterskraut ſchmückt, demohnerachtet doch noch ungleich häufiger Teufelsabbiß. Es iſt die Scabiosa succiva, deren Wurzel am Ende wie abge⸗ biſſen erſcheinen. Man wandte ſie früher häufig gegen den Teufel und ſeine liebſten Buhlen, die Hexen an. Das bekannte ſchwarze Bilſenkraut, das ebenfalls Tollkraut

heißt, führt den Namen Teufelsaugen, der ſich auf deſſen nmißfarbige bräunlich⸗gelbe, von netzartigem Geäder durch⸗ gene Blüthen bezieht. Denſelben Namen führt der ſchöne Koonis, der ebenfallsMarienröschen heißt, haupt⸗ ſſcchlich ſeine im Getreide wachſenden Arten und Abarten. Die Beeren des wilden Cornelkirſchenſtrauches heißen Teufelsmettern, Teufelsbeeren. Das ſchädliche Unkraut der Ackerwinde wird Teufelsdorn genannt; das wichtige Johanniskraut oder Johannisblut(Hyperi- cum perforatum L.), das manche auch Hexenkraut (weil es gegen die Hexen wirkſam ſein ſoll), heißt Teu⸗ felsflucht und Jageteufel, der Baueraberglaube wandte und wendet daſſelbe noch vielfach an. Das Zäckholz(Lonivera Xylosteum L.), eine Aängerje⸗ lieber⸗Art, muß ſeine Beeren Teufelskirſchen, Teu⸗ felsmartern ſchelten laſſen, und ebenſo ergeht es den kleinen ſchwarzen Saamenbeeren der weißen Zaunrübe (Bryonia Alba L.). Daß die übel verrufene, allbe⸗ kannte Wolfsmilch auch Eſelsmilch, Hexenmilch und

Teufelsmilch heißt, wird nicht verwundern, iſt doch der Wolf ein Teufelsthier, und ſo verdient auch die dem Flachs, Klee, Hopfen, den Wicken ꝛc. da, wo ſie ſich ein⸗ niſtet, ungemein ſchädliche Schmarotzerpflanze des Filz⸗ krautes oder der Flachsſeide(Asonta europaea), mit vollem Recht den ihr vom Volke beigelegten Namen Teufelsgarn, Teufelsnähgarn. Weniger verdient ihn ein durch ſeine zahlreichen Blüthen den Bienen Nahrung und Wachs gebender, dadurch alſo nützlicher Zierſtrauch, der ſich auch zu ſchneller Bekleidung von Lauben eignet, aber dieſer heißt Wolfsdorn(Lycium europaeum), und nicht minder Bocksdorn, trägt daher den Namen zweier Teufelsthiere zugleich, und ſo kann er ſeiner langabhängenden fadenförmigen Zweige halber auch Teufelszwirn heißen, und heißt wirklich ſo. Der Bärlapp(Lycopodium clavatum) heißt Teu⸗ felsklaue, und zugleich auch Wolfsklaue; ſo blickt auch in dieſer volksthümlichen Benennung die Verwandtſchaft vom Teufel zum Wolf hindurch. Auch Trudenfuß heißt dieſes Moos, ebenfalls in myſtiſch⸗diaboliſcher Beziehung. Wie der FluchDonner und Teufel! eine Verwandt⸗ ſchaft andeutet, die nach altgermaniſcher Mythe hinweiſt, nach dem Gotte Donar oder Thorr, der mit andern Göttern den chriſtianiſirten Heiden auch nur ein Teufel wurde, und wie man ebenſo ſagt: Reitet dich der Donner! wie: Reitet dich der Teufel! ſo heftete ſich gleich dem Teufelsnamen auch der Donnername nicht blos an Berge und Wälder, ſondern auch an Weſenheiten der organi⸗ ſchen Natur. Die verſteinerten größeren Seeigelſtacheln, wie die Strahlſteine oder Belemniten heißen dem Volke Donnerſteine, Donnerkeile, noch mehr aber zugleich Teufelsfinger. Daſſelbe Inſekt, jene harmloſe Libelle, die in der Schweiz Teufelsnadel genannt wird, heißt auch Donnernadel. Die Heerſchnepfe wird Donner⸗ ziege genannt. Die Beziehung von der Ziege zum Bock, vom Bock zum Teufel liegt nahe genug. Der Hirſch⸗ ſchröter, auch Baum⸗ oder Feuerſchröter genannt, führt in Süddeutſchland den Namen Donnergueg, Don⸗ nerpuppe; die allbekannte Hauswurz heißt Donner⸗ bart, man pflanzt ſie auf Dächer gegen das Einſchlagen des Blitzes. Eine andere Pflanze, auf Baumſtämmen wachſend, das verwirrte Bartmoos oder die Altersflechte, welche der Volksaberglaube dem Blitz zuſchreibt, heißt Donnerbeſen, auch Alpruthe, und hier ragt wieder der Trivialname des Gewächſes in die mythiſche Region, denn der Alp iſt Trude, und Trude iſt Teufelsbündnerin. Die bekannte Fette Henne(Sedum Telephium) heißt Donnerkraut, nebenbei aber auch nicht minder Wolfs⸗ kraut und Wolfswurz, immer wieder dieſelbe Ver⸗ wandtſchaft. Die Feldmannstreu heißt Donnerdiſtel, und der bekannte Erdrauch(Tumaria bulbosa) führt den Namen Donnerfluch, und zugleich heißt erFahr⸗ ſamen welcher Samen auch eine ſagenhafte und mythiſche Beziehung hat, denn der unſichtbarmachende Fahrſamen(fälſchlich Farrenſaamen) kann nur durch Uebung teufliſcher Kunſt gewonnen werden. Eine kleine kriechende Nelke(Dianthus deltoides) heißt Donner⸗ nelke, der Gundermann(Glecoma hederacea) Don⸗ nerrebe, eine Alant⸗Art, die Ruhrwurz, Donnerwurz, ebenſo die kleine Oſterluzei(Aristolochia Clematitis). Genug der Namhaftmachung und Namengebung, durch welche die Menſchen, oder wenn man lieber will, das Volk mit ſeinem oft unbewußten, ahnungsvollen Takte mythiſche Beziehungen in die Naturgebilde trug,