Jahrgang 
1857
Seite
204
Einzelbild herunterladen

ihm dankt, Leben warm ausgeſprochen.

ſelig. Eine ausführliche Erzählung ſeines Lebens und Be⸗

das haben vielfältige Zeugniſſe bei ſeinem Treue Seele, Gott hab' ihn

ſprechung ſeiner Schriften iſt unlängſt im 24. Halbbande der Ausgabe letzter Hand(Berlin, Julius Springer.

1857) erſchienen, von Dr. Mannel, der den Verewigten perſönlich kannte.

Deutſche Volkseigenthümlichkeiten.

Von Ludwig Bechſtein. II.

Der Name des Teufels in der organiſchen Natur.

Das deutſche Heidenthum kannte nicht die Idee, nicht den Begriff, nicht den Namen des Teufels. Das Chriſtenthum empfing alles dieſes vom Judenthum, und auch im Judenthum hatte es keine urſprüngliche Wurzel, ſondern erſt nach der babyloniſchen Gefangenſchaft bildete ſich die Lehre vom Teufel, als einem böſen Grundprincip gegenüber der gütigen Gottheit, nach morgenländiſchen Lehren, aus. Die chriſtlichen Heidenbekehrer bemühten ſich, alle Gottheiten der Völker, von denen ſie irgend Kunde erhielten, den Neubekehrten als Teufel zu ſchil dern, als feindliche, dämoniſche Mächte, und die Benen⸗ nung Götze wurde häufig mit Teufel für völlig gleich⸗ bedeutend genommen. Alle heidniſche Gottheitverehrung,

e Opferdarbringung, alle Weiſſagung, alle Uebung altüberkommener Bräuche wurde für Teufelswerk aus⸗ gegeben, die ſämmtlichen Gottheiten für eine Teufels⸗ gilde; daher lautete es in der alten Abſageformel:

Entſagſt Du dem Teufel, all' ſeinen Worten und

Werken und aller Teufelsgilde? und mehr und mehr prägte die Teufelsidee ſich dem Be⸗ wußtſein des Volkes ein, fortdauernd genährt durch die Lehren der Kirche und den Eifer der Geiſtlichkeit. Nach und nach gewöhnte das Volk ſich an einer faſt unüberſeh baren Menge von Gegenſtänden aus der unorganiſchen, wie aus der organiſchen Natur den Teufels⸗ oder auch den Donnernamen anzuheften, eine Eigenthümlichkeit, die ihre Erklärung nur darin finden kann, daß alle die Berge und Felſen, Seeen und Teiche, an denen dieſe Namen haften, ſchon im altgermaniſchen Heidenthum eine götter⸗ heilige Bedeutung hatten, und nicht minder auch jene Wälder und Bäume, Thiere und Pflanzen, denen der Mund unſeres Volkes den Teufels⸗ oder den Donner namen beilegte. Bei vielen ſolcher Oertlichkeiten lehrt dieß noch heute der Augenſchein, und es würde nicht ſchwer fallen, theils in Sagen von ihnen und ihrer Um gebung, theils in der natürlichen Beſchaffenheit derſet ben Beweiſe für die obige Annahme aufzuſtellen. rieſenhafte Werke der Natur oder der menſchlichen Kunſt, gefährliche Stellen an Wegen und in Wildniſſen, gewal⸗ tige Felsblöcke, Dämme, Wehre, Grotten, Höhlen und dergleichen nach dem Teufel benannt werden, und wir Teufels⸗Burgen,⸗Mauern, Brücken,⸗Gräben, Küchen, Keller, ⸗Löcher,⸗Kutten,Mühlen, Kirchen, ſogar⸗Kan zeln, Betten, Wieſen, Tanzplätze, Teiche, Bäder ꝛc. ꝛc. haben, ja im d ittmarſchen Lande fogar einen Tauſend

Teufels⸗Damm, ſo iſt das in mythi ſcher Beziehung

mannigfach bedeutſam, zumal auch noch die zahlreichen

9 Siehe Nr. 6.

Wenn nun

Donnerer und Donnersberge hinzu treten. Nicht ſelten ſind es mächtige Höhen, auf denen die heidniſchen Ger⸗ manen ihre Opferfeier begingen; ſo hat der Brockengipfel ſeine Teufelskanzel, der Schneekoppgipfel ſeine Teu⸗ felswieſe, der Fichtelberggipfel ſeine Teufelsſchüſ⸗ ſeln u. ſ. w. und es kann nicht verwundern, wenn der⸗ artige Oertlichkeiten, die einſam, hoch über dem Menſchen⸗ treiben, häufig verrufen und gemieden, von den Schreck⸗ niſſen der Natur öfter heimgeſucht, als die friedlichen Thäler und Niederungen, durch die ihnen beigelegten Namen an den Erbfeind der Menſchheit erinnerten und dauernd erinnern.

Anders aber iſt es bei den Gebilden der organiſchen Natur, bei Thieren und Pflanzen. Nur ſehr wenige derſelben tragen den Teufelsnamen, weil ſie ſchreckhaften oder mißgeſtalteten Anſehens ſind; viele ſind unſcheinbar, und tragen ihn, viele aber ſind ſogar ſchön, ſehr ſchön, und tragen den häßlichen Namen nicht minder. Aeußerſt wenigen derſelben geben die Naturforſcher den Teu⸗ felsnamen, faſt allen gab ihn das Volk, das deutſche Volk(es iſt nur von deutſchen Namen hier die Rede), und das iſt eine noch nicht genugſam ergründete Eigen⸗ thümlichkeit deſſelben. Man möchte faſt eine gewiſſe Vorliebe für den Teufel und ſeine werthen Namen darin erblicken, denn kaum ein einziges Thier trägt den Engel⸗ namen, der Engelfiſch(Chaetodon Paru L.) und dieſer gehört Deutſchland nicht an. Mit ein Paar Engel⸗ blümchen, dem Engelkraut, dem Engelſüß und der Engelwurz, allenfalls noch mit dem Betengel Löu⸗ mander), fetint ſich der Engelname in unſerer Pflan⸗

zenwelt vol lſtändig.

entgegen, und das iſt auch natürlich, denn des Teufels Natur iſt thieriſch geartet, er wird zum Thiere, erſcheint oft in Thiergeſtalt, und zwar als Pferd, Eſel, Wolſe ν

(faſt immer dreibeinig) al daher Claudius in ſeinem daß auf ihm der

Hund, Katze, Schwein( Rabe, Ohreule, Kukuk, Rheinweinliede vom Brocken ſingt, Kukuk und ſein Küſter tanzen. Der Kukuf iſt der Teufel, ſein Küſter oder Lakai aber iſt der Wiedehopf ein ebles Bruderpaar nicht minder als Brumm⸗ fliege(man denke an Dr. Luthers Dintenfaßwurf auf Wartburg), als M aulwurfsgrill e(Ackerverre), als Lummet Ameiſe,Spiune, als Kröte, Schlange, Drache Vurm. Der graſen Florfliege(Libellula grandis L.) wurde des Teufels Name mehrfach zuge⸗ theilt; ſie heißt Teufelspferd und Teufelsbraut; eine andere Libellenart heißt Teufelsnadel, Teufels⸗ haarnadel; die haarige Bärenraupe Teufelskatze, die große ſchwarze Erdſchnecke heißt im Norden Teufels⸗

Da tritt der Teufel ganz anders