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gern Geſchichte, und Herder's Ideen zur Geſchichte der
Merſchheit wurden eins ſeiner Lieblingsbücher. Die
Intereſſen der Tagesgeſchichte, namentlich Berner Politik,
wurden in befreundeten Kreiſen mit Lebhaftigkeit be— ſprochen, und eifrig benutzte der junge Student das geſellige Leben zur eigenen Bildung und zum Gewinn der Menſchenkenntniß; er war ſchon damals ſich darüber klar geworden, daß„um mit Glück ihr Beſtes zu befördern, man die Menſchen ſtudiren, durch und durch begreifen und durchſchauen muß.“* Nachdem er am Ende des Sommer⸗Semeſters 1820 die theologiſche Kandidaten⸗Prüfung gut beſtanden hatte, ward er als Vikar bei ſeinem Vater in Utzenſtorf ange⸗ ſtellt, nahm jedoch ſchon im folgenden Frühjahr Urlaub und bezog die damals in hoher Blüthe ſtehende Univerſität zu Göttingen. Es iſt das eine ſehr löbliche Sitte der Schweizer Stu⸗ denten, daß ſie ih⸗ ren Univerſitäts⸗ kurs auf einer deutſchen Univerſi⸗ tätvollenden. Sind Deutſchland und die Schweiz auch politiſchvon einan⸗ der getrennt und ſich entfremdet, ſo iſt doch das geiſtige Band, vermittelt durch Kunſt und Wiſſenſchaft, ein enges und aufrich⸗ tiges geblieben. Zwei Jahr wid⸗ mete ſich Bitzius mit großem Eifer der Vollendung ſei⸗ ner Studien, mach⸗ te dann eine grö⸗ ßere Reiſe durch Deutſchland, und trat wieder in das Vikariat in Utzen⸗ ſtorf ein. Er hatte hier eine tüchtige praktiſche Schule, griff überall ent⸗ ſchieden und ſtets mit großer Sachkenntniß ein und die
Bauern wunderten ſich nicht wenig, wie der junge Herr— Gebiet des Elementarſchulweſens ſollte ein ganz neues
Vikar ſo gut um alle ihre Angelegenheiten Beſcheid wußte. Er beſuchte nicht allein die Schulen, ſondern legte ſelber mit Hand an, half dem Schulmeiſter und erleichterte ihm ſeine ſchwere Arbeit. So lernte er das Elementarſchul⸗
weſen praktiſch kennen, diente gleichſam von der Pike an,
und als er 1824, in welchem Jahre ihm der Vater ſtarb, nach dem Kirchdorf Herzogenbuchſee verſetzt wurde, be⸗ ſchenkte ihn die dankbare Utzenſtorfer Gemeinde mit einer goldenen Repetiruhr.
Herzogenbuchſee iſt ein großes, reiches und ſehr be⸗ triebſames Dorf, hart an der Grenze des Kantons Aargau, und darum von den Bernern das„Oberaargau“ genannt.
jahre) einen ſehr wichtigen Abſchnitt ſeines Lebens, ward mit Land und Leuten vertraut, und ſeine Wirkſamkeit war eine reich geſegnete. Manche Scene ſeiner ſpäteren Erzählungen iſt dem Oberaargauer Leben entnommen, und ſchon dort lernte er jene großen Bauernhäuſer nach altgermaniſchem Schnitt, jene„freiherrlichen Bauern“ in ihrer ſtolzen Unabhängigkeit und Ehrbarkeit kennen, die er in ſeinen Schriften mit ſo viel Wärme geſchildert hat. Im Jahre 1831 erhielt er den Ruf in die weit aus⸗ gedehnte Pfarrgemeinde Lutzelflüh(im Emmenthal, andert⸗ halb Stunden oberhalb Burgdorf gelegen, wo einſt der edle Peſtalozzi ſeine Erziehungs⸗Anſtalt hatte) zunächſt als Vikar, und als der alte Pfarrer ſchon 1832 ſtarb, ward er an deſſen Stelle zum Pfarrherrn ernannt. Im ſelben Jahre führte er auch ſeine Gattin heim, eine Toch⸗ ter des Profeſſors Zeender in Bern, die fortan ſein Le⸗ ben ſo ſehr be⸗ glücken ſollte. We⸗ gen der ſehr zer⸗ ſtreut liegenden Gehöfte und der zahlreichen Bevöl⸗ kerung(die Ge⸗ meinde Lutzelflüh zählt an 3600 See⸗ len) war das Amt kein leichtes; doch hatteſichderrüſtige Mann bald in alle Verhältniſſe hin⸗ eingearbeitet und die Bauern faßten ein volles Ver⸗ trauen zu ihrem neuen Pfarrer, der ſo feſt in ſeinem Sattel ſaß und ſo entſchieden ſich des Schul⸗ und Ar⸗ menweſens an⸗ nahm. Doch war der Anfang keines⸗ wegs leicht, denn der Kanton Bern hatte im Jahre 58eTM” 1831 eine neue de⸗ mokratiſche Ver⸗
faſſung erhalten, alle öffentlichen und Gemeinde⸗Verhält⸗ niſſe erlitten eine Umgeſtaltung und beſonders auf dem
Leben beginnen. E. v. Fellenberg in Hofwyl hatte ſeinen Landsleuten gezeigt, wie Elementarunterricht, Landwirth⸗ ſchaft und Armenerziehung zu verbinden ſein, und legte nun großartige Pläne dem Regierungsrath vor. Doch wie das bei neuen Grundſätzen und Inſtitutionen zu gehen pflegt— es erhoben ſich heftige Kämpfe über die Mittel und Wege das vorgeſteckte Ziel zu erreichen, und zwiſchen
Hofwyl und dem Berniſchen Erziehungsrath trat Spal⸗
Hier verlebte Bitzius(von ſeinem 27. bis zum 32. Lebens⸗
tung und Eiferſucht ein. Pfarrer Bitzius rieth ſo viel und gut er vermochte, ſeine Stimme ward jedoch oft genug überhört. Es bildete ſich ein„Verein für chriſtliche Volks⸗
bildung“, und Bitzius ward eins der thätigſten Mitglieder


