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Vol 6 T ait
Herausgegeben von Heinrich Schwerdt.
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Wöchentlich 1 ½— 2 Bogen. Durch alle Buchhandlungen und alle Poſtämter des Fürſtl. Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſtgebiets für 12 ½ Ngr., und im Deutſch⸗Oeſterreichiſchen Poſtvereinsgebiete für 15 Ngr. vierteljährlich zu beziehen.
Der Admiral aus Friesland. Erzählung von Ernſt Willkomm. Zweite Abtheilung: Frieſiſche Thatkraft. Erſtes Kapitel. Ein Rild.
Jahre waren vergangen ſeit den mitgetheilten Ereig⸗ niſſen, und nur ſelten noch gedachte ein früherer Freund oder Bekannter des flüchtig gewordenen Knechtes Niß Ipſen. Viele hielten ihn ſogar für todt und bezweifelten ſein Entkommen nach Hamburg, das erſt viele Wochen ſpäter durch Erzählungen einiger Sylter, welche die Wiedingharde beſuchten, allgemein bekannt wurde. Nur, daß auch der abenteuerluſtige Gerſon, des Paſtors Crup⸗
pius Sohn aus Keitum, den verſchollenen Knecht begleitet,
oder wie Manche behaupten, zur Flucht in die Fremde verleitet haben ſollte, ſprach für dieſe dunkeln Gerüchte. In Hamburg waren, wie durch mehrfach eingezogene Erkundigungen beſtätigt ward, um die angedeutete Zeit zwei frieſiſche Jünglinge geſehen worden, deren Beſchrei⸗ bung mit der Aeußerlichkeit der Geſuchten übereinſtimmte. Weiter jedoch ließ ſich die Spur dieſer jungen Männer nicht verfolgen. Und da der verwegene
Knecht keine
Verwandte beſaß, Paſtor Cruppius aber ſeinen entlaufe⸗
nen Sohn für verloren hielt, und am liebſten deſſelben
nie mehr erwähnen hörte, ſo geriethen beide in Ver⸗
geſſenheit.
Margreth' allein, die ſchöne Magd von Bombüll⸗
Hof, vergaß weder die ſchreckliche Nacht, welche Niß Ipſen zur Flucht zwang, noch den auf ſo furchtbare Weiſe ihr verloren gegangenen Geliebten. Ohne recht an ſeinen Tod zu glauben, beweinte ſie ihn doch wie einen wirklich Verſtorbenen. Für ſie— das mußte ſie ſich ſagen— war und blieb Niß Ipſen todt, und da ſie ihn wahr und innig geliebt hatte, kam es ihr auch zu, ihn jetzt nach Landesſitte zu betrauern.
Bombüll⸗Hof wurde inzwiſchen wieder aufgebaut. Claas, der anfangs durch die vielen Quälereien, die er in Folge des in ſeinem Hauſe getödteten Officieres zu über⸗ ſtehen hatte, ſehr verdüſtert ward und Niemand gern um ſich ſah, blickte wieder freier und hoffnungsvoller um ſich, da ſein Beſitzthum ſtattlicher als es früher geweſen, aus der Aſche erſtand. Die gegen ihn erhobenen Beſchwerden und Anklagen zerfielen in ſich ſelbſt; die Schweden zogen bald ganz ab, und von dem Vorgefallenen ward nicht mehr geſprochen.
Claas würde ſich nunmehr auch wieder von ſeinen großen Verluſten erholt haben, wäre ihm jetzt nicht die treue Lebensgefährtin entriſſen wordeu. Kummer und Schreck hatten die Geſundheit der ohnehin nicht ſehr


