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Die gegebenen werden indeſſen genügen, um das zu erläutern, was über das Weſen der Elemente geſagt worden iſt. Es wird nun leicht ſein zu begreifen, daß die ſogenannten vier Elemente eben keine Elemente ſind.— Wir wollen ſie jetzt einzeln näher betrachten.
Die Luft, von welcher der feſte wie der flüſſige Theil
der Erde umgeben iſt und die als Beſtandtheil der Atmo⸗
ſphäre die atmoſphäriſche Luft genannt wird, beſteht aus
mehreren Luftarten. Im Weſentlichen aber ſind es Sauer⸗ ſtoff und Stickſtoff, welche die atmoſphäriſche Luft bilden. Dieſe beiden Luftarten ſind hierbei nicht chemiſch, d. h. ſo mit einander verbunden, daß aus dieſer Vereinigung ein völlig neuer Körper entſtanden iſt: es ſind vielmehr dieſe beiden Stoffe nur mit einander vermengt. Das Gemenge iſt indeſſen von der Art, daß unter allen Umſtänden 100 Kubikfuß atmoſphäriſcher Luft 21 Kubikf. Sauerſtoff und 79⸗Kubikf. Stickſtoff enthalten. Allerdings giebt es noch mehrere an⸗ dere Luftarten oder luftförmige Stoffe, die man auch Gaſe oder gasförmige Körper nennt. Es würde uns jedoch zu weit führen, wenn wir ſie alle einzeln beſprechen und ihre Eigenſchaften erörtern wollten; dieß wird ein andermal ge⸗ ſchehen. Nur ſo viel ſoll heute noch bemerkt werden, daß ein Körper, der in Luftform erſcheint, nicht unter allen Um⸗ ſtänden luftförmig iſt, ſondern daß er auch flüſſig oder feſt werden kann. Manche Körper kennen wir zwar nur als luftförmige, andere kommen aber auch als flüſſige und feſte Körper vor.
Das Waſſer iſt z. B. ein ſolcher Körper. Unter ge⸗ wöhnlichen Umſtänden iſt es flüſſig; wird es aber über eine
gewiſſe Grenze hinaus erwärmt, ſo verwandelt es ſich in
Dampf und dieſer iſt ein luftförmiger Körper; wird es da⸗
gegen über eine gewiſſe Grenze hinaus abgekühlt, ſo wird es zu Eis, und dieſes iſt ein feſter Körper. Das Waſſer iſt eine chemiſche Verbindung aus zwei Elementen, nämlich aus Waſſerſtoff und Sauerſtoff. Jedes dieſer Elemente aber iſt ein Gas und kommt ausſchließlich in Gasform vor.
Die Erde, worunter hier die geſammte feſte Maſſe un⸗
ſie die verſchiedenartigſten chemiſchen Verbindungen dar, wie z. B. die Kalkerde, Thonerde, Kieſelerde, die Erze und dgl. Alle dieſe Körper zuſammen genommen bilden die Erdmaſſe, indem ſie durch eine eigenthümliche Kraft, die Schwerkraft, zuſammengehalten werden.
Das Feuer endlich iſt gar kein Stoff, ſondern lediglich eine Erſcheinung, welche durch die gegenſeitige Wechſelwirkung gewiſſer Stoffe hervorgebracht wird. Wenn nämlich ein
Körper, der im Weſentlichen aus den Elementen Waſſerſtoff
und Kohlenſtoff beſteht, der Verbrennung unterworfen wird. wie z. B. das Holz, ſo wird derſelbe durch die vorhandene Hitze erſt in ſeine Grundſtoffe, alſo das Holz in Kohlenſtoff, Waſſerſtoff und Sauerſtoff zerlegt; Kohlenſtoff und Waſſer⸗ ſtoff verbinden ſich ſodann mit dem in der Luft enthaltenen Sauerſtoffe und erzeugen bei dieſer Verbindung die Flamme, deren Entſtehung durch folgende Vorgänge bedingt wird. Der freigewordene Waſſerſtoff verbindet ſich ſchneller mit dem Sauerſtoffe der Luft, als der freigewordene Kohlenſtoff, wo⸗ bei ſich eine ſo große Hitze entwickelt, daß der freie Kohlen⸗ ſtoff, den man im vorliegenden Falle Ruß nennt, zu glühen anfängt und in dieſem glühenden Zuſtande das Licht aus⸗ ſtrahlt. Iſt die Verbrennung vollſtändig, ſo wird ein Theil dieſes Kohlenſtoffes als Ruß oder Rauch abgeſchieden, und von dem Luftſtrome, der bei jeder Verbrennung ſich erzeugt, hinweggeführt.—
Haben wir ſonach geſehen, daß die vier Dinge, Feuer,
ſeres Erdkörpers zu verſtehen iſt, beſteht aus allen Elemen⸗
ten, welche der Chemie bis jetzt bekannt worden ſind. Dabei dürfen wir aber nicht denken, daß die geſammte feſte Erdmaſſe als eine chemiſche Verbindung aus dieſen Elementen anzu— ſehen iſt, nein, die Elemente ſind in der Erde theils wirklich als ſolche, als unzerlegbare Körper, enthalten, wie z. B. die im gediegenen Zuſtande vorkommenden Metalle, theils ſtellen
Luft, Waſſer und Erde, keine Elemente in dem Sinne ſind, in welchem wir uns die Elemente denken müſſen, ſo dürfen wir doch keineswegs mit Geringſchätzung auf die Alten her⸗ abſehen, welche ſie als Elemente bezeichneten; denn ſie hatten für dieſe Bezeichnung ihren guten Grund. Die Zerſetzungen organiſcher Stoffe oder Gebilde,— d. h. ſolcher Gebilde, welche unter Mitwirkung derjenigen Erſcheinung entſtehen, die wir Leben nennen,— welche von den Alten beobachtet wur⸗ den und vorzugsweiſe in einer Verbrennung oder Verweſung beſtanden haben mögen, lieferten allerdings die ſogenannten vier Elemente und gaben ſomit zu einer eigenthümlichen Vor⸗ ſtellung von der Zuſammenſetzung der Körper Anlaß.
Uebrigens liegt auch die ſinnreiche Deutung nahe, unter der Erde alle feſten, unter dem Waſſer alle flüſſigen, unter der Luft alle gasförmige Körper und endlich unter dem Feuer diejenigen Stoffe zu begreifen, welche als Licht, Wärme, Electricität und Magnetismus ſich offenbaren.
Was beliebt.
Das Leben der Thiere im Verlaufe der Jahreszeiten. Mai.
Die meiſten Säugethiere, welche bei uns wild vorkommen, Hirſche, Rehe, Füchſe, Haſen, Iltiſſe, Steinmarder, Katzen, werfen. Die Vögel, welche ſich von Inſekten nähren und die im vorigen Monate noch nicht eingetroffen ſind, kommen allmählich an: Der Würger, der Fliegenſchnäpper, die ſchwarze Ufer⸗ ſchwalbe, die Turteltaube, die europäiſche Nachtſchwalbe, die Waſſeramſel, die Wandelkrähe, der Pirol, der Wachtelkönig ꝛc. Faſt alle Vögel machen Anſtalt zum Paaren, Niſten, Eierlegen und Brüten; Staare, Krähen und Spechte haben ſchon flügge Junge; die erſte Sperlingsbrut fliegt aus. Der Laubfroſch laicht;
ſo auch viele unſerer Südwaſſerfiſche; Störe, Lampreten, Alſen ſteigen in den Flüſſen aufwärts. Große Thätigkeit herrſcht im Reiche der Inſekten: die Bienen und Borkenkäfer ſchwärmen; die gemeine Grabwespe legt Eier; die Motte des weißen Korn⸗ wurms fliegt; mehrere ſchädliche Raupen kommen hervor.
Der Ameiſenkrieg. Beſteht das blutige Uebel des Krieges blos unter Menſchen? Iſt eine geordnete Kriegsführung blos bei vernünftigen Geſchöpfen möglich? Nein, auch die Thierwelt hat ihre Fehden, und ſelbſt die kleinen Ameiſen ſehen wir blutige Schlachten mit einander ſchlagen. Gleich den alten Rittern, die von ihren Burgen gegen einander in das Feld zogen, rücken zu⸗ weilen die Ameiſen aus ihren Neſtern aus, um wie feindliche Heere


