Jahrgang 
1857
Seite
194
Einzelbild herunterladen

wahrſcheinlich ein deutſcher Jude und ne Nicaragua gekommen, als Geſandter dieſes Staates in Coſta⸗ Rica, um eine freundnachbarliche Verbindung beider Staaten herzuſtellen. Hatte man wirklich die Abſicht mit Coſta⸗Rica in Frieden zu bleiben, ſo war die Wahl eines fremden Aben⸗ teurers zum Geſandten nicht eben eine glückliche. Die Geſandtſchaft mißlang vollſtändig; Herr Schleſinger wurde mit ſeinem Gefolge ſchimpflich aus dem Lande gejagt. Um die Schmach zu rächen, ſollte nun derſelbe Herr Schleſinger an der Spitze eines Bataillons in Coſta⸗Rica einrücken und die Strafe ſelbſt vollziehen. Allein auch dieſe Miſſion unſres abenteuernden Landsmannes mißlang, und noch ſchmählicher als die erſte. Er war unbeliebt bei Officieren und Soldaten und ſcheint auch

ſein. Er vernachläſſigte die maßregeln. In der Provinz Truppen eingefallen war, vom Feind überraſcht, ſchmählich davon und ließ ſeine Truppen im Stich. Theil derſelben folgte alsbald ſeinem Compagnie Amerikaner von 44 Mann blieb und zog ſich ſpäter nach einem Verluſt von 20 Mann zurück. Ueber Schleſinger, den man übrigens auf Ehrenwort freiließ, wurde Kriegsgericht gehalten; er entzog ſich jedoch dem Ur theil, unter Zurücklaſſung ſeines Ehrenworts, durch die Flucht und die gegen ihn ausgeſprochene Todesſtrafe konnte ſomit nicht vollzogen werden.

An der Spitze der coſtarikaniſchen Armee ſtand ein deut⸗ ſcher Baron von Bülow, den ſelbſt ſeine Gegner einen aus⸗ gezeichneten Officier nennen. Er fiel, ohne weiter aufgehalten zu werden, in das Gebiet von Nicaragua ein, wo ſeine

allergewöhnlichſten Vorſichts⸗ Guanacoſta, wo er mit ſeinen lief er

Ein

Beiſpiel; nur eine

durchaus unfähig geweſen zu

mit Walker nach Truppen Greuel

aller Art verübten und namentlich alle Amerikaner, die ihnen in die Hände fielen, erſchoſſen, moch⸗ ten ſie nun der Walker'ſchen Truppe angehören oder eine friedliche Beſchäftigung treiben. Sie beſetzten Rivas, aber hier ſollten ihre Erfolge ihre Grenze und Walker Gelegenheit finden, die an dieſem Punkte einige Monate früher erlittene Niederlage glänzend auszuwetzen. Die Coſtaricaner wurden vollſtändig geſchlagen; unter den Commandirenden auf Seite der Nicaraguenſer finden wir wieder einen deutſchen Namen, einen Oberſt Bruno von Natzmer, der allem Anſchein nach die deutſche Nationalität würdiger repräſentirt hat als der deutſche Jude Schleſinger. Nach einem langen und blutigen Kampfe ſahen ſich die Coſtarikaner zum Rückzug gezwungen. Sie hatten mehre hundert Mann verloren. Dieſes Treffen fand Statt am 11. April 1856.

Es hatte eine entſcheidende Wirkung. Die benachbarten centralamerikaniſchen Staaten gaben ihre feindſelige Stellung auf und entließen ihre Truppen. Es wurde in Pater Vijil ein neuer Geſandter nach Washington ernannt, und dieſem gelang es die Anerkennung des Präſidenten zu erlangen.

Seit dieſer Zeit herrſcht Walker in Nicaragua durch ſeinen Einfluß auf die dortige Regierung, die natürlich außer Stand iſt ihn wieder los zu werden. Die neueſten Ereigniſſe in dieſem wichtigen und reichen Lande ſind noch zu wenig genau gekannt, als daß wir ſie darzuſtellen ver⸗ möchten. Walker hat noch immer um ſeine Exiſtenz zu kämpfen; allein allem Anſchein nach wird er ſie mit Hilfe der unausgeſetzt nachſtrömenden Abenteuren aus Amerika zu be⸗ haupten wiſſen. flußreichen Freunden in Washington

An einf wird es ihm auch unter dem neuen Präſidenten nicht fehlen.

Die vier Elemente.

Von hr. J. Wenk.

Es giebt gewiſſe Dinge und Begriffe, die ſich wunderbar lange im Munde des Volkes erhalten, obgleich ſie als falſch oder unrichtig längſt erkannt worden ſind. Sie gehen von einem Schulbuche in das andere über und pflanzen ſich ſo von Geſchlecht zu Geſchlecht wie eine ewige Krankheit fort. Wenn es auf der einen Seite ſehr lange dauert, bis irgend

eine geiſtige Erkenntniß zum Eigenthum des geſammten Vol⸗

kes wird, wenn wiſſenſchaftlicher Forſchungen allgemeine Geltung und Aus⸗ breitung erlangen, ſo währt es auf der andern Seite faſt noch länger, bis einmal im Volke eingewurzelte Begriffe und Anſichten wieder ausgerottet werden. Wie viele Menſchen giebt es wol, welche die Keplerſchen Geſetze kennen? Und doch lebte der Aſtronom Kepler von 1571 bis 1630, alſo vor länger als 200 Jahren und ſeine Geſetze ſind erhabene Naturwahrheiten, die jeder wiſſen ſollte. Die Erzählung dagegen, wie die Phönicier die Darſtellung des Glaſes fan den, weiß jedes Kind, obwol dieſe Erzählung in das Bereich der Fabel gehört und eben keinen größeren ſachlichen Werth hat, als etwa die Erzählung vom gehörnten Siegfried oder ähnliche Sagen.

Zu den Dingen, die ſich ſo merkwürdig lange erhalten haben, gehört auch die Lehre von den vier Elementen, Feuer, Luft, Waſſer und Erde, und wir irren ganz gewiß nicht, wenn wir der Meinung ſind, daß gar Viele noch jetzt jene

Jahrhunderte vergehen, bis die Wahrheiten

Lehre für richtig halten, obwol die Wiſſenſchaft ſchon lange ihre Nichtigkeit dargeſtellt hat.

Zunächſt wird nöthig ſein, daß wir unſern Leſern ſagen, was man jetzt unter Elementen verſteht. Die Beſtandtheile irgend eines Gegenſtandes oder Körpers ſind diejenigen Stoffe, aus denen er zuſammengeſetzt iſt; weshalb man auch ſolche Körper zuſammengeſetzte nennt. Andere Körper ſind dagegen einfache, weil ſie nicht aus einzelnen Beſtandtheilen zuſam⸗ mengeſetzt ſind, und dieſe nennt man eben Elemente. Einige Beiſpiele mögen dieß deutlicher machen. Das all⸗ gemein bekannte Kochſalz beſteht aus zwei Stoffen, aus Chlor und Natrium; folglich ſind dieſes die Beſtandtheile des Kochſalzes. Da nun aber beide ſich nicht in weitere Stoffe zerlegen laſſen, ſo ſind Chlor und Natrium einfache Beſtandtheile oder Elemente. Das Glauberſalz, welches unſere Leſer ebenfalls kennen, beſteht zunächſt aus Schwefel⸗ ſäure und Natron; folglich ſind Schwefelſäure und Natron die Beſtandtheile des Glauberſalzes. Allein die Schwefel⸗ ſäure iſt wieder aus Schwefel und Sauerſtoff, ſo wie das Natron aus Natrium und Sauerſtoff zuſammengeſetzt. Die erſtgenannten Beſtandtheile, Schwefelſäure und Natron, ſind daher ſelbſt wieder zuſammengeſetzte Körper und mithin keine Elemente. Vielmehr ſind Schwefel, Natrium und Sauer⸗ ſtoff die Elemente, welche das Glauberſalz bilden.

Derartige Beiſpiele ließen ſich noch gar viele anführen.