Jahrgang 
1857
Seite
185
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Ilkuſtr

irtes Volésblatt.

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Herausgegeben von Heinrich Schwerdt.

Wöchentlich 1 ½ 2 Bogen. Durch alle Buchhandlungen und alle Poſtämter des Fürſtl. Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſtgebiets für 12 ½ Ngr., und im Deutſch⸗Oeſterreichiſchen Poſtvereinsgebiete für 15 Ngr. vierteljährlich zu beziehen.

Der Admiral aus Friesland. Erzählung von Ernſt Willkomm. Sechſtes Kapitel.

Vater und Sohn.

So früh am Tage ruhte auf der dünn bevölkerten Niß Ipſen ſprach leiſe einige Worte des Dankes, wohl

Frieſeninſel noch die Mehrzahl ihrer Bewohner. Nur V aber fühlte er ſich nicht in dieſer Behauſung. Es wehte V

einige Fiſcher wandelten zwiſchen den grün aufſproſſenden ihn Alles darin kalt und unfreundlich an und er ahnte, Gerſtenfeldern nach dem flachen Strande der Binnenſee, daß der häusliche Friede, das innige Zuſammenleben wo jetzt die anſchwellende Fluth weißhäuptig und eine An⸗ zwiſchen Aeltern und Kindern, dies wahre und größte zahl vor Anker liegender Segelboote hüpfte. Im Orte Glück einer Familie, in dieſem Hauſe wohl keine bleibende ſelbſt begegnete den Wanderern Niemand. Sie waren Stätte gefunden haben möge. Hätte er noch daran zwei⸗ die einzigen Regſamen und ihre Tritte, ihre Geſpräche feln können, die haſtige und ängſtliche Frage ſeines jungen hallten ſo laut, als wäre niemals ein lebendes Weſen in V Begleiters nach dem Vater und nach deſſen Stimmung dieſe Gegend gekommen. würde ihm geſagt haben, daß ſeine Vermuthung auf gutem Das von hoher Mauer umgebene, in dicht belaubten Grunde ruhe.

Baumwuchs gleichſam eingehüllte Paſtorat war noch ver⸗ Die Antwort der Mutter lautete ausweichend und dies ſchloſſen. Der Sohn des Pfarrers klopfte laut an die gab dem Sohne, als er ſich mit ſeinem Schützlinge allein Pforte, die nach einiger Zeit geöffnet wurde. Eine hohe, befand, Gelegenheit, ſeinem Unmuth freien Lauf zu laſſen. ſhon ziemlich bejahrte Frau mit kalten Zügen, ganz frieſiſchWundert Euch nicht, ſprach er,wenn Ihr mich ggekleidet, empfing die frühen Ankömmlinge. Ihr Gruß unzufrieden ſehet. Ich befinde mich in einer beklagens⸗ war keineswegs freundlich und es ſchien, als ruhe ihr werthen Lage. Geliebt von meinen Aeltern, mache ich großes, fragendes Auge auf dem, allerdings ſeltſam ausſe⸗ ihnen Kummer, weil ſie von mir verlangen, ich ſollte et⸗ heernden Begleiter ihres Sohnes mit offenbarem Mißfallen. was treiben, was meinen Naturanlagen zuwider iſt. Dies VEin Verirrter, Mutter, ſagte der Sohn.Ich ſtört unſer Aller Glück, jagt mich aus dem Hauſe und V habe das Glück gehabt, ihn zu finden, ehe er der Fluth V zieht mir den Zorn der Aeltern, namentlich des Vaters zum Opfer fiel. Er bittet um die Vergünſtigung, ſich bei zu. Ihr dürft nicht erſchrecken, wenn Ihr alsbald einen

uns erholen zu dürfen. höchſt widerwärtigen Auftritt erleben ſolltet. VBedürftige fanden ſtets Aufnahme im Hauſe des Der junge Mann, der höchſtens achtzehn Jahre zählen Paſtors Cruppius, verſetzte die Pfarrersfrau.Tretet eeiin. Was frieſiſche Gaſtfreiheit vermag, ſoll Euch werden.

konnte, ſprach dies mit trauriger Stimme, doch ohne ſicht⸗ bare Zeichen tiefer innerer Leidenſchaft. Niß Ipſen, der