früheren Miniſterſitte ſich ſo vollſtändig, wie er gethan, emancipirt haben würde, wäre nicht auch hier das Par⸗ lament in einige Mißachtung gerathen. Es iſt eine ſehr mißliche und beklagenswerthe Thatſache unſerer Zeit, daß die Vol ksvertretungen ſowohl in Deutſchland als in Frank⸗ reich und einigermaßen ſogar in dem a liparlamentariſchen England durch ihre Unfähigkeit, großen Anford derungen, die die Zeit an ſie ſtellte, zu entſprechen, durch die Leerheit und Nichtigeit ihres Grſchnühe und theilweiſe durch die ſchmach⸗ volle Benutzung ihres ihnen anvertrauten Amtes zur Beför⸗ derung ihres Privatvortheils an ihrem Ruf und Charakter
unerſetzliche Einbußen erlitten und dadurch der Freiheit auf lange hinaus eine ſchwer zu heilende Wunde beigebracht haben. Indeſſen ſcheint es uns kaum zweifel haft, daß in England, als dem Lande, in we lchem die Freiheit unzer ſtörbare Wurzeln geſchlagen hat, dieſes Inſtitut ſich am eheſten wieder vollſtändig erholen und durch ſeine kräftige Bethätigung auch auf dem Continent den Geiſt der Freiheit wieder wecken werde, der in keiner Nation auf die Dauer untergehen kann, ohne daß zugleich die Wogen der Unſitt— lichkeit und Gemeinheit über ihn zuſammenſchlagen und ſie der Fäulniß und dem Verfall überantworten.
Die neuen Erfindungen
auf den allgemeinen Runſt⸗
Von
„Ein Wort iſt kein Pfeil“ und der gewandteſte Feder⸗ fuchſer und Bücherheld weiß oft nicht einmal den Pudel hinter dem Ofen hervorzulocken. Dennoch wird man dich nach deinen Worten richten! Schriftſteller haben oft mit ihrer Feder gewaltigere Schwertſtreiche gethan, als Dragoner⸗ ſchwadronen, und Bücher laufen aus der Preſſe von Stapel, welche vollgültige, leibhafte Handlungen ſind. Als ein ſolches dürfen Künſte und Gewerbe ein Werk begrüßen, welches leider nur Einen Fehler hat, daß es nicht deutſch geſchrieben iſt; doch wird es durch eine gute Ueberſetzung der deutſchen Leſewelt bald zugänglich gemacht werden*). Es führt den Titel:
Les nouvelles inventions aux expositions universelles. Par M. Jobard.(Brüſſel bei Flatau.)
Wir haben die Ueberſetzung dieſes Titels unſerem Be⸗ richte oben an die Stirne geſchriehen⸗„Aber wer iſt dieſer M. Jobard?“ Wer von unſern L Leſern auf einer Reiſe he dem Lande, deſſen König in Thüringen das Licht der Welt erblickte, wir meinen nach Belgien, ſeine Hauptſtadt wn und unter den verſchiedenen öffentlichen Sammlungen auch das Brüſſler Induſtrie⸗Muſeum, dem könnte wol früher einmal in den geräumigen Sälen ein älterer Mann von hoher Statur begegnet ſein, der in dieſer Welt der Induſtrie ſo bekannt zu ſein ſchien, wie ein Philolog in der Bibliothek. Das iſt unſer Jobard, der Direktor des Induſtriemuſeums.
Sein Name dürfte auch in Deutſchland ſo manchem Ge⸗ werbtrdttehden ſo er anders Gewerbezeitungen lieſt, nicht unbekannt ſein. In Frankreich und England kennt man ihn als einen ebenſo gelehrten als geſchickten und geiſtreichen Techniker. Er verſteht vor allen, die verwickeltſten gewerb⸗ lichen Vorrichtungen für Jedermann verſtändlich zu machen und ſeinen Beſchreibungen ein Intereſſe und einen Reiz zu geben, wie etwa in den Erzählungen von„Tauſend und einer Nacht“ zu finden iſt. Nun, darüber brauchen wir uns weiter nicht zu wundern. Die in jenem Buch erzählten Wun der verſchwinden vor den andärd dingen, welehe in unſrer Zeit ein Watt, ein Fulton, ein Wheatſtone und ein Niepce erfunden haben. Gleich allgewaltigen Zauberern machten ſie das Waſſer und Feuer zu des Menſchen Laſtthieren, die elektriſche Kraft zum Boten und die Sonne zum Zeichner.
Die deutſchen Literaturfreunde bekl agen ſich manchmal mit einer gewiſſen Bitterkeit, daß die großen Dichter wie die
*) Dieſe Ueberſetzung erſcheint in Kürze im Verlage von Hugo S cheube in Gotha, gleichzeitig mit dem Original.. Red.
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und gewerbeausſtellungen.
Otto Scheuffler.
Freunde der lieblich ſpielenden Dichtkunſt immer ſeltener werden. Ei, ſo mögen ſie denn ihre Brille nur auf die Naſe ſetzen und fein zuſchauen, wie in lichtvollen, wohlklingenden
Strophen das Heldengedicht:„Von der Arbeit und Freiheit“ ſich vor ihren Blicken aufrollt. Ja, auch dieſes Helden⸗
gedicht wird dereinſt von einem Schiller in Worte überſetzt werden: wie ein Phidias das bereits vor ihm in Marmor ſchlummernde Götterbild mittels ſeines Meiſels nur heraus⸗ wickelte. Vorher aber muß die Sprache der Induſtrie erſt ſelbſt noch ihre Ausbildung erhalten, muß für alle Welt verſtändlich gemacht werden, während ſie jetzt nur noch das Privilegium weniger in ſie Eingeweihten iſt. Es muß dahin kommen, daß von der Induſtrie Jedermann ebenſo geläufig ſpreche, wie von der Politik, der Literatur oder meinetwegen von der Küche. Ein Mann, der ſolche Kunſt verſteht, alle Welt für die Induſtrie zu intereſſiren und ihre Kenntniß zum Gemeingut der großen Mehrheit zu machen, iſt Jobard. Er iſt in ſeiner Kunſt allerdings kein Anfänger mehr. Schon 1839 beauftragte ihn die belgiſche? Regierung mit der Bericht⸗ erſtattung über die allgemeine Gewerbeausſtellung. Seitdem verging faſt keine Ausſtellung, zu der er nicht von ſeiner Regierung als Commiſſar abgeordnet worden wäre.
Geſetzt nun, einer unſerer Leſer, der der franzöſiſchen Sprache mächtig iſt, dächte:„Das Buch muß ich haben!“ und wendete ſich deshalb an den nächſten Buchhändler: ſo würde er es doch nicht erhalten, aus dem einfachen Grunde, weil es noch gar nicht erſchienen iſt, ſondern ſich erſt unter der Preſſe befindet. Durch gütige Vermittelung iſt uns die Einſicht in das Manuſcript verſtattet worden. Wir durch⸗ blättern es und finden darin, gleichſam als Reſultat(d durch die Vergleichung der engliſchen Induſtrie mit derjenigen anderer Länder) den unumſtößlichſten Beweis geführt: daß die Mechanik das Hauptelement des Reichthums und der Macht iſt, und daß die Nationen, welche die Mechanik am meiſten aufzumuntern und zu heben ſuchen, auf dem Marſche zur Civiliſation der Zukunft in der Armee des Fortſchritts den erſten Rang behaupten.
Doch es ſei uns erlaubt, ein Probe wörtlich mitzutheilen. Die Stelle?—— Sie zu beantworten, eine andere Frage: Kennen unſere Feierabendsgäſte das Stereoskop? Die Mehr⸗ zahl wird die Frage bejahen, die Minderzahl ſtellt ſich eine Art kleiner Camera obscura vor, in die wir durch zwei Gläſer hineinſchauen, die uns an Operngucker erinnern. Die
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telle aus dem Buche als Oragr iſt nur: welche
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