Halteplatze, mitzunehmen. Wo ſie ſich niederlaſſen, ſind ſie in fünf Minuten völlig eingerichtet, denn die aus wenigen dünnen Stangen, auf welche einiges Laub oder Gras gedeckt wird, beſtehenden Hütten, ſind ebenſo ſchnell hergeſtellt, als abgebrochen. Neben dieſen Hütten um⸗ faßt ihr geſammter Haushalt nichts weiter als eine Decke von Opoſſumfellen, welche die Weiber künſtlich genug mit den zertheilten Därmen derſelben zuſammen⸗ nähen, und in einer und der andern Kleinigkeit, die ſie etwa auf der Straße finden oder von Schutthaufen auf leſen. Die ſtete Begleitung der Karavane machen eine Anzahl faſt immer räudiger Windhunde, die ſich kaum
auf den Füßen zu halten vermögen und doch im Nothfall
dem Hunger ihrer Herren als Opfer fallen.
Die Männer machen, den an ihnen haftenden Schmutz abgerechnet, gerade keinen unangenehmen Ein⸗ druck. Von der Geſichts⸗ und Körperbildung der Ein gebornen, von ihrer äußern Erſcheinung überhaupt geben die Abbildungen, nach der Natur gezeichnete Portraits, eine deutliche Vorſtellung. Trotz der thieriſch zurück⸗ fliegenden Stirn, der platten breiten Naſe, dem dicken breiten Munde, kann man ſie— freilich gibt es auch Ausnahmen von wahrhaft unausſprechlicher Häßlichkeit, die dann ihren Grund in Krankheiten haben— nicht geradezu häßlich nennen, zumal in den wilden Geſichtern ſich immer eine gewiſſe Gutmüthigkeit ausſpricht. Im Gegenſatz zu anderen Negerracen, zu denen ſie gehören, iſt ihr Haar nicht wollig, ſondern ſchlicht, gewollt und glän zend ſchwarz; auch verſagte ihnen die Natur nicht den Schmuck des Mannes, den Bart, mit welchem ſie viel— mehr reichlich ausgeſtattet ſind. Ihr dunkelbrauner Körper iſt ſtark, wohlgebaut und meiſt hochgewachſen, ihre Haltung ſelbſt eine ſtolze, und ſie können, wenn ſie wollen, ein recht kriegeriſches Anſehen annehmen. Ganz anders dagegen iſt es mit dem weiblichen Geſchlechte, welches wir hier durchaus nicht das ſchöne nennen kön nen. Die Haltung der Frauen iſt eine gedrücktere, da ſie die Sklavinnen der Männer ſind, welche ihnen eben keine zarte Behandlung zu Theil werden laſſen, und ihnen alle Arbeit, alle Laſten aufbürden. Dadurch ſowohl, wie durch ihre frühen Heirathen, die ſie oft ſchon im zwölften Jahre ſchließen und beſonders in Folge verſchiedener Erb übel, gegen die ſie keinerlei Mittel beſitzen, altern ſie außerordentlich früh; und trifft man auch einzelne, ganz hübſche jugendliche Geſtalten, ſo treten uns doch die Frauen im Allgemeinen geradezu als wahre Scheuſale entgegen, deren Häßlichkeit noch dadurch erhöht wird, daß ſie bei der Heirath ihr langes, gewolltes Haar ab⸗ ſcheeren. Das beigefügte Portrait iſt das einer hohen Zwanzigerin und der Leſer kann daraus abnehmen, wie etwa eine Fünfzigerin ausſehen mag!—
Ein ſehr charakteriſtiſches Merkmal des geiſtigen Standpunktes der Eingeborenen iſt, daß man irgend welche Spur religiöſer Anſchauungen und Ceremonien bei ihnen nicht zu entdecken vermochte. Sie wiſſen Nichts und glauben Nichts. Sie hegen keine Furcht und haben keine Hoffnung. Allerdings haben ſie manche Gebräuche, die auf einen Gottesdienſt hinzudeuten ſcheinen; allein bei näherer Unterſuchung ſind dieſe Gebräuche einfache geſell ſchaftliche Gewohnheiten oder bloſe Spiele, die zu gewiſſen Zeiten wiederkehren, denen irgend ein tieferer Sinn nicht zu Grunde liegt. Die Verſuche der Engländer, ihnen das Chriſtenthum zu geben, haben noch keinerlei Erfolge gehabt. Sie hören ruhig zu, lernen wohl auch einige
Sprüche auswendig, allein im nächſten Augenblicke iſt Alles vergeſſen und verſchwunden. Ihr geſellſchaftlicher Verband iſt ein ebenſo lockerer, als ihr Familienleben. Sie haben keine Häuptlinge; jeder iſt ſein eigener Herr; ſie kennen kein Eigenthum und kein Recht als das natür⸗ liche, und bedürfen deshalb keiner geſetzlichen Gewalt. Die Stammesälteſten, die doch faſt allenthalben eine ge⸗ wiſſe Autorität ausüben, haben keine irgend entſcheidende Stimme, obwohl im Uebrigen den Alten eine rückſichts volle und ſchonende Behandlung zu Theil wird, indem man dieſelben, wenn ſie ſchwach und gebrechlich werden, nicht etwa verläßt, ſondern wie Kinder redlich mit herumſchleppt und füttert. Ihr Familienleben verdient kaum dieſen Namen. Jeder Mann hat mindeſtens zwei Frauen, für die er aber nicht ſorgt, die vielmehr für ihn arbeiten müſſen, und die er für ein Stückchen Tabak oder Sixpenceſtück Jedem preisgibt, ſowie ſie ſelbſt in dieſem Punkte völlige Freiheit beſitzen. Wie für die Kin der geſorgt wird, liegt auf der Hand; ſie ſind den Eltern mehr eine Laſt als ein Glück, ſo daß ſich dieſelben ihrer je eher je lieber zu entledigen ſuchen und ſie im Nothfalle ſogar tödten. Ja, die auſtraliſchen Ureinwohner ſind ſogar noch heutiges Tages Menſchenfreſſer, und zwar in einer Weiſe, wie keine anderen Wilden, indem ſie nicht, wie dieſe, ihre Luſt nur an den gefangenen oder erſchla genen Feinden auslaſſen, ſondern an ihren eigenen Kin dern. Beſonders ſind es die Erſtgeborenen, die ihrer Mörderhand unterliegen, eine Erſcheinung, die ſich kaum anders erklären läßt, als mit der ähnlichen bei wilden Thieren, die oft auch in blinder Wuth ihre erſten Jungen zerfleiſchen und verſchlingen. Ich kannte eine deutſche Frau, die mir mit Entſetzen eine desfällige Erfahrung mittheilte. Sie hatte ſich für die Lage der ſchwarzen Weiber intereſſirt, ſich vielfach mit ihnen beſchäftigt und ihnen Hülfsleiſtungen und Unterſtützungen mancherlei Art gewährt. Vorzugsweiſe lenkte ſie ihre Theilnahme auf die Schwangern und Gebärenden, denen ſie nie ver fehlte, als Wehmutter zur Hand zu gehen. So hatte ſie auch zwei Frauen bei ihrer Niederkunft Hülfe geleiſtet und dieſelben am Morgen darnach beſucht, um ihnen eine Erquickung zu bringen und der Neugebornen ſich anzu nehmen. Sie bemerkt jedoch die letztern nicht und fragt die Mütter nach ihnen, worauf dieſe mit größter Ge⸗ müthsruhe in dem gebrochenen Engliſch, wie ſie Alle es radebrechen, antworten:„We eat it!“(Wir haben es gegeſſen!) was ſich dann bei näherer Unterſuchung auch beſtätigte. Nun denke man ſich die Empfindungen einer Frau, in deren Bruſt ein deutſches Mutterherz ſchlägt, wenn ihr eine Wöchnerin ganz ruhig erklärt, ſie habe ihr Kind gegeſſen! Die Arme war ſo entſetzt, daß ſie in eine Krankheit fiel und voll unſäglichen Abſcheus ihre bis herigen Dienſtleiſtungen aufgab.
Ungeachtet ihrer ſonſtigen geiſtigen und körperlichen Trägheit ſind die Auſtralier vortreffliche Jäger, an Ge wandtheit und Schlauheit manchen europäiſchen Nimrod hinter ſich laſſend. Dieſe ihre Geſchicklichkeit erſcheint aber um ſo größer, als ihre mechaniſchen Hülfs⸗ mittel ſo gering ſind. Man muß ſie ein Opoſſum auf einem Baume ausſpüren ſehen! Sie klettern an dem Stamm hinauf, flink wie eine Katze, indem ſie mit einer Art hölzernen Tomahawks über ihrem Kopfe kleine Ver⸗ tiefungen in die Rinde hauen, in welche ſie nur die großen Zehen einſetzen, während ſie ſich mit der linken Hand an einem Aſt, einem Vorſprung u. dergl. anhalten und empor
dA
,—.


