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ſchwingen. Nach den Vögeln werfen ſie mit ihrer kurzen Keule oder dem halbmondförmigen Bomewong, und tref⸗ fen ſicher. Auf einem Ausfluge nach dem Murrayfluſſe hatte ich ſchon einige Tage lang nach einer mir bis dahin unbekannten Art Waſſerhühner geſpäht, ohne jedoch eins derſelben in Schuß bekommen zu können, da ſie außer⸗ ordentlich ſcheu und wachſam ſind. Ich fragte daher einen
„der in der Nähe lagernden Schwarzen, ob er mir eins
verſchaffen könne. Er war ſogleich bereit, mit mir zu kommen,— natürlich nicht ohne ſich ein Stück Tabak
auszubitten. Wir waren noch keine 200 Schritte am Ufer
gegangen, als er ſchon einige Waſſerhühner entdeckt hatte,
wo ich noch keine ahnte, weil ſie ziemlich weit vom Ufer
auf einer Schilfinſel verſteckt ſaßen. Ganz ohne Waffen und völlig nackt, verlangte er meine Flinte, um die Hüh⸗ ner anzuſchleichen. Als ich damit zögerte, bemerkte er mir ſehr naiv, daß er ſich gar nicht fürchte.— Ich gab ſie ihm, mußte ihm aber erſt zeigen, wie er damit umzu— gehen, namentlich wie er den Hahn zu ſpannen und abzu drücken habe. Er nahm dieſen Unterricht mit geſpannteſter Aufmerkſamkeit hin, ahmte auch die Handgriffe ganz richtig nach und machte ſich darauf auf den Weg in's Waſſer. Höchſt merkwürdig war's nun zu ſehen, mit welcher Sicherheit und Gewandtheit er an dem Schilf hinſchlich, ohne das geringſte Geräuſch oder Plätſchern zu verurſachen. Sein Oberkörper lag flach auf das Waſſer vorgebeugt, das Auge unbeweglich auf den Punkt geheftet, wobei er mit größter Vorſicht darauf bedacht war, daß das Gewehr nicht etwa naß würde. So war er zu meiner nicht geringen Verwunderung den Hühnern auf höchſtens fünf Schritte nahe gekommen. Ich ſah, wie er ganz richtig den Hahn ſpannte, gewahrte aber auch nicht ohne Unruhe, daß er beim Zielen den Kolben nicht an die Schultern ſondern an die Wange legte und war nicht wenig beſorgt, daß er, wenn er beim Abbrennen etwa eine kleine Ohrfeige erhalten ſollte, vor Schreck wohl das Gewehr wegwerfen oder vielleicht gar eine Abſicht in dieſem Zufalle ſuchen konnte. Der Erfolg war aber ein durchaus anderer: das Zündhütchen verſagte und das Wild flog davon, er aber brachte mir mit höchſt betrübter Miene das Gewehr zurück, da er glaubte, daß ſeine eigne Ungeſchicklichkeit in Handhabung deſſelben an der verun⸗ glückten Jagd ſchuld ſei, welcher Anſicht ich natürlich bei⸗ pflichtete.
Auf derſelben Partie hatte einer meiner Freunde von
unſerm Fleiſchvorrathe ein Stück Fett abgeſchnitten, um ſich damit die Waſſerſtiefeln einzuſchmieren, wie man ſich denn im Buſch, ſo gut oder ſo ſchlecht es eben geht, be⸗ helfen muß. Gleich nach Beginn dieſer Arbeit bemerkte ich einen Schwarzen, der ſich meinem Freunde mit höchſt erſtaunter Miene näherte und dann einige Schritte von ihm niederkauerte, indem er fortfuhr, mit unverwandtem Blick jede ſeiner Bewegungen zu verfolgen. Ich meiner⸗ ſeits ſah dem Schwarzen nicht weniger geſpannt zu, da ich nicht begriff, was ihn ſo feſſeln konnte. Bald jedoch wurde mir die Theilnahme des Wilden klar. Mein Freund war mit ſeiner Arbeit fertig, er nahm alſo das noch übrige Stück Fett und warf es aus der Hütte hinaus. Der Schwarze aber fuhr mit einem Satze darauf los, als gälte es ſein Leben, und verſchlang es mit größter Gier. Einmal führte mich mein Weg durch ein Lager der
Männer im Kreiſe beiſammen kauern, wie ſie thun, wenn ſie eine Berathung halten. Nach ihren ernſthaften Ge⸗ ſichtern zu ſchließen, war die Sache ſehr wichtig. Ob⸗ wohl ihr Kauderwelſch mir völlig unverſtändlich war, konnte ich doch bald entnehmen, daß ein Eiſenſtab von 2 Fuß Länge und ½ Zoll Dicke, welchen einer der Männer in der Hand hielt, den Gegenſtand ihrer Ver handlung bildete, und ich mußte aus ihren Geberden ſchließen, daß ſie denſelben, Gott weiß zu welchem Zweck, krumm gebogen zu haben wünſchten, und nun darüber be⸗ riethen, wie das am beſten zu bewerkſtelligen ſei. Die Conferenz dauerte lange, es ſchienen verſchiedene Vor⸗ ſchläge gemacht und verworfen zu werden. Endlich nahm der Inhaber des Eiſenſtabes ihn zwiſchen die Zähne, bog ihn, indem er mit beiden Händen das andere Ende faßte, mit einem kräftigen Ruck, der mir durch alle Nerven zuckte, ein wenig krumm. Ganz gelaſſen gab er ihn dann ſeinem Nachbar, der dieſelbe Procedur vornahm und ſo das Ende des Stabes wieder ein Wenig förderte; dieſer reichte ihn dem Dritten und ſo fort durch die ganze Ge⸗ ſellſchaft; und als der Stab wieder an den Erſten zurück⸗ kam, war in der That der rechte Winkel fertig. Hierauf wurde die Verſammlung, wie es ſchien, mit allgemeiner Befriedigung aufgehoben und Jeder ging wieder in ſeine Hütte.
Ein höchſt angreifendes Schauſpiel, welches, könnte man es mit der zugehörigen Localität auf eine europäiſche Bühne verſetzen, gewiß ein vortreffliches„Caſſenſtück“ abgeben würde, bietet ihr Nationaltanz, der ſogenannte Gorrow-borry, welchen ſie regelmäßig beim Eintritt des Vollmondes begehen. Sie erſcheinen dabei völlig nackt, aber auf eine furchtbare Art herausgeputzt. Das Haar iſt aufgebunden und, wie der ganze Oberkörper, hochroth gefärbt. Das Geſicht wird um die Augen her⸗ um und auf den Wangen weiß beſchmiert, daß es aus⸗ ſieht, als trügen ſie weiße Halbmasken, ebenſo in breiten Streifen, die Beine. So ſtehen ſie unter Vortritt eines Alten in zwei Gliedern mit der kurzen Keule oder Bome⸗ rang in der Hand und führen genau nach dem Takte mannigfaltige, oft ſehr maleriſche Stellungen und Be⸗ wegungen aus. Bald wiegen ſie die Körper wie zögernd unter leiſem Summen, bald fallen ſie wie Fechter unter wildem Kriegsgeſchrei aus, bald ſchwanken und biegen ſie, immer unter entſprechendem Kriegsgeſang hier⸗ oder dorthin; mit einem Wort, es iſt das ſchönſte kriegeriſche Ballet, das einem Opernregiſſeur alle Ehre machen würde. Rund um den Platz lodern große Feuer, um
welche die Weiber und Kinder gelagert ſind, die mit einem
entſetzlichen Geſange, der tief in den Wald hinein ſchallt, den Tanz begleiten und mit Hölzern, die ſie auf einander ſchlagen, den Takt angeben. Denkt man ſich nun dazu den alten ſchweigenden Urwald, die wilde Umgebung mit dem glänzenden Vollmond darüber, ſieht man dieſe dun⸗ keln Geſtalten im Doppelſchein des Mondes und der Feuer, die wilden Geſichter, die funkelnden Augen, die oft drohenden Bewegungen, ſo gibt das ein unbeſchreib⸗ liches Bild. Dieſe Vollmondnächte ſind ein Stück, wenn nicht der ganze Inbegriff auſtraliſcher Poeſie, welcher
man um ſo lieber einmal den Schlaf opfert, je weniger
außerdem jenes arme, öde Land, wie das ganze Leben darin, dem dürſtenden Gemüthe in dieſer Hinſicht irgend
Eingebornen bei Adelaide. Ich ſah daſelbſt etwa zwanzig etwas zu bieten vermag.


