wurde. Nicht minder war er in den Schriften der Grie⸗ chen und Römer zu Hauſe und wußte deren Schönheiten zu würdigen. Er hatte in ſeiner dienſtlichen Stellung auch die Pflicht, bisweilen zu predigen. Sein einfacher klarer Vortrag, ſowie der Inhalt ſeiner Reden erwarben ihm außerordentlichen Beifall. Der Markgraf, Karl Friedrich, der fromme Beförderer kirchlichen Lebens, fehlte nur ſelten, wenn Hebel die Kanzel beſtieg. Noch ein an⸗ derer Ehrenmann, der Conſiſtorialpräſ ident Brauer, wurde Hebel's Gönner und Freund. Durch dieſen erhielt er den ehrenvollen Auftrag, einen neuen Landeskatechismus ab⸗ zufaſſen. Wie mißlich auch die Arbeit war, unterzog ſich doch Hebel derſelben mit Eifer. Er legte die Katechismen von Luther und Herder ſeiner Arbeit zu Grunde, und erhielt die Billigung des Conſiſtoriums für ſeinen Ent⸗ wurf. Als aber derſelbe einigen Diözeſen zur Begutachtung mitgetheilt wurde, fand er ſo vielfachen Widerſpruch, daß er nicht weiter an das Tageslicht kam.
Hebel hatte nun bereits das Alter überſchritten, wo den Schwaben der Verſtand kommen ſoll, ohne daß ſein Name in weiteren Kreiſen bekannt geweſen wäre. Bald aber wurde er in vielen Zeitſchriften belobt und von den größten Geiſtern des deutſchen Volkes wegen ſeines Dichtertalentes geprieſen. 1803 nämlich erſchien die erſte Sammlung ſeiner Gedichte in dem Dialekte, welchen er in ſeiner Jugend geſprochen hatte, in der alemaniſchen Sprache. Noch hatte er nicht gewagt, ſich ſelbſt als den Verfaſſer zu nennen. Es übertraf ſeine kühnſten Er⸗ wartungen, als dieſe anſpruchloſen Ergüſſe ſeines Heim⸗ wehs nach den unvergeßlichen Gefilden ſeiner Kindheit, und ſeine Liebe zu dem Volke, unter welchem er die erſten Jahre ſeines Lebens zugebracht hatte, die allgemeine Auf⸗ merkſamkeit der Gebildeten und ſelbſt den Beifall von Männern wie Jean Paul, Voß, Goethe und vieler Andern erhielten. Während weniger Jahre erſchienen 4 Auflagen. Doch konnte Hebel nicht dazu vermocht werden, die— ſelben durch viele neue zu vermehren. Er äußerte ſich, als man ihn dazu aufforderte:„Der Geiſt, der damals ſo ſtille über mir ſchwebte, iſt beſchrieen und verſchwunden.“ Auch war er keineswegs damit einverſtanden, daß dieſe Ge dichte in die hochdeutſche Sprache übertragen würden. „Eine ſolche Ueberſetzung,“ meinte er,„gleiche einem Landmädchen, das in fremdem ſtädtiſchen Putze in hohe Geſellſchaft eingeführt werde.“ Doch haben ſpäter ver⸗— ſchiedene Verfaſſer dergleichen Uebertragungen verſucht, ſowie Hebel ſelbſt einige Lieder in der Schriftſprache wiedergegeben hat.
Die Behörde war mit Hebels Wirken in Karlsruhe ſo zufrieden, daß er 1805 zum Kirchenrathe ernannt wurde, wobei allerdings ſeine dienſtliche Stellung keine weſentliche Veränderung erlitt. Eine ſolche ſtand ihm in Ausſicht, als Freiburg an Baden gefallen war und daſelbſt eine evangeliſche Pfarrei errichtet werden ſollte. Dieſe Stelle hatte viel Lockendes für ihn, da er wieder in die Nähe ſeiner geliebten Heimath und ſeiner unvergeßlichen Jugendfreunde zurück verſetzt worden war. Er machte 1806 eine Reiſe nach Freiburg, um ſich die näheren Ver⸗ hältniſſe zu beſehen. Als man ihm daſelbſt von allen Seiten freundlich entgegenkam, war er entſchloſſen, als Bewerber aufzutreten. Kaum aber hatte er die Stadt wieder im Rücken, ſo wurde er eben ſo unentſchloſſen, wie früher. Er hatte ſich ſchon allzuſehr in Karlsruhe ein⸗ wöhnt, als daß er ohne Selbſtverleugnung von dort hätte weggehen können. Als ihn nun bei ſeinem nächſten
Nachtlager, wo er wegen ſeines Hin⸗ und Herüberlegens nicht einſchlafen konnte, der Nachtwächter mit ſeinen eigenen Worten anrief:
Un wenn ſcho wieder, eb's wo tagt,
Die ſchweri Sorg am Herze nagt,
Du arme Tropf, di Schlaf iſch hi!
Gott ſorgt, es wär nit nöthig gſi.“ da wurde er ruhiger, es Gott überlaſſend, wohin dieſer ihn ſenden werde. In Karlsruhe hörte er, daß der Großherzog Karl Friedrich den Wunſch ausgeſprochen habe, er möge in der Reſidenz bleiben, es ſolle ihm eine Gehaltserhöhung zu Theil werden. Bald darauf wurde
er zum Direktor des Lyceums befördert, wie nach der
neuen Einrichtung des Schulweſens die Lehranſtalt, an welcher er wirkte, genannt wurde. Der Unterrichtsſtun⸗ den hatte er von nun an weniger, der Arbeit aber mehr, zumal da 1809 die Ernennung zum Mitgliede der evan⸗ geliſchen Kirchen- und Prüfungscommiſſion erfolgte. 1814 legte er die Direktion des Lyceums nieder, behielt aber noch 8 wöchentliche Lehrſtunden bei. Dagegen trat er in die evangeliſche Miniſterialkirchenſektion ein und wurde 1816 mit der Direktion des Schullehrer⸗Wittwen⸗ fiscus beauftragt.
Unterdeſſen war Hebel auch als Volksſchriftſteller weit über Deutſchlands Grenzen hinaus berühmt worden. Seit 1803 hatte er naturgeſchichtliche Aufſätze in den Landkalender geſchrieben, deſſen Herausgeber und Ver⸗ leger das Karlsruher Gymnaſium war. Er überzeugte ſich bald, daß der Ton deſſelben nicht der rechte ſei. Man
wollte zu viel belehren; dadurch wurde die Lectüre lang⸗
weilig und verlor für den gewöhnlichen Bürgers⸗ und Bauerſtand alles Intereſſe. Hebel ſprach ſich geeigneten Ortes darüber aus und ſo wurde ihm von 1808 an die Herausgabe des Kalenders, welcher nun„Rheiniſcher Hausfreund“ hieß, gänzlich übertragen. Hebel war glücklich in der Wahl des Stoffes und in der Art und Weiſe der Behandlung deſſelben. Er hielt die rechte Mitte zwiſchen Unterhaltung und Belehrung und berück— ſichtigte es, daß der größte Theil des Volks den Kalender nicht lieſt um ſich anzuſtrengen, ſondern um ſich zu er⸗ holen. Bald galt der Hausfreund für den beſten unter ſeines gleichen. Er hat neben dem Ernſthaften auch des Scherzhaften nicht wenig, ja er ſcheute ſich nicht, in der Geſchichte des Hundelfriedors und ähnlicher die tollſten Schelmenſtreiche zu veröffentlichen. die uns ſchon bekannte Schalksnatur des Herausgebers darin erkennen. Doch zeigte ſich auch wieder der ſittliche Ernſt deſſelben, namentlich in der unübertrefflichen Er⸗ klärung der Sprüchwörter. 40,000 Abnehmer, unter denen auch Goethe war, bewieſen, daß man den Werth dieſer Volksſchrift zu ſchätzen wußte. Dieſe Verbreitung hatte er gefunden, als ein Stuttgarter 2 Exemplare in Karlsruhe geſchenkt bekam und daheim ſeinen Bekannten daraus Mittheilungen machte. Unter den Zuhörern war auch der Buchhändler Cotta. Dieſer wendete ſich alsbald an Hebel, und bat denſelben mit der Aeußerung ſeines ungetheilten Beifalles, um eine Sammlung des Gediegen⸗ ſten aus den bisherigen Jahrgängen. Hebel ging auf das Anerbieten ein und erhielt für das„Schatzkäſtlein“ 100 Dukaten Honorar. Das Geld wurde zu einer Reiſe nach Paris beſtimmt, ging aber wieder unvermerkt durch die Hände des alten Junggeſellen, welcher in der Haus⸗ haltungskunſt kein beſonderer Meiſter war. Dagegen ging er mit immer friſchem Muthe jedes Jahr auf's Neue an's
Mitunter ließ ſich


