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Neben der Schularbeit mußte er noch in den Freiſtunden für das Hausweſen thätig ſein. Während des Winters hatte er im Walde das nöthige Holz zu leſen und heimzu⸗ teaggen, klopfte Steine für den Schmelzofen in Hauſen, b oder unterſtützte die Mutter bei ihrer Arbeit; im Sommer begleitete er dieſelbe nach Baſel, wo er bei geringerer Anſtrengung ein behaglicheres Leben führte. Doch wurde
das Lernen dabei nicht vernachläſſigt, und Peter gehörte G bald zu den beſten Schülern ſeiner Klaſſe, ſo daß er auf den Gedanken kam, ein Geiſtlicher zu werden. Er ſiedelter nun nach Schopfheim über, um ungeſtörter für die Schule
arbeiten zu können. Leider ſollte er auch die Mutter in ſeiner Kindheit verlieren, wie früher den Vater. Während Weeines Aufenthaltes in Baſel erkrankte dieſelbe. Trotz der liebevollſten Pflege, welche ihr in dem Hauſe ihrer alten Herrſchaft zu Theil wurde, ſehnte ſie ſich nach ihrer fried⸗ lichen Hütte. Sie ſollte auf einem Wagen nach Hauſe ge⸗ bracht werden. Der Sohn hatte ſich einge funden, die Kranke ab⸗ zuholen. Unterwegs er eeilte ſie der Tod und Peter ſtand nun als ein verwaiſter Knabe ver
laſſen da. Was ihm die Mutter geweſen, hat er ſpäter in einer Predigt bbekannt.„Der Segen ihrer Frömmigkeit hat mich nie verlaſſen. Sie
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hat mich Beten gelehrt; ſſie hat mich gelehrt an 3 Gott glauben, auf Gott
vertrauen, an ſeine Ge⸗ genwart denken. Die Liebe vieler Menſchen,
die an ihrem Grabe weinten und in der
Ferne ſie ehrten, iſt mein beſtes Erbtheil ge worden, und ich bin wohl dabei gefahren.“ Was ſollte nun aus dem Kindlein werden? Der Schule zu Schopf⸗ heim war er entwach⸗ ſen, aber ſein Vermö⸗ gen ſchien doch nicht hinreichend zu ſein, ihm auch in Karlsruhe und ſpäter auf der Univerſität Unterhalt zu verſchaffen. Er vertraute jedoch auf Gott und gute Men⸗ ſcchen und täuſchte ſich nicht. Der Hofdiaconus Prauſchen nahm ihn in ſein Haus und gab ihm zweimal in der Woche unentgeldlich zu eſſen. Andere folgten dem Bei— ſpiel, und ſo war für den Knaben mehr als hinreichend geſorgt.
Noch immer hatte er den alten Adam nicht gänzlich abgelegt. Ausbrüche des Muthwillens zogen ihm öfters Tadel und Strafe zu, und hätten ihn beinahe um die Gunſt ſeines Wohlthäters gebracht. Freunde legten Fürbitte ein und Hebel ſelbſt ſchrieb einen reumüthigen Brief in lateiniſcher Sprache an ihn. Das wirkte. Es erfolgte eine völlige Verſöhnung und Peter blieb in dem gaſtlichen Hauſe, bis er mit den beſten Zeugniſſen verſehen und mit Schulkenntniſſen reichlich ausgeſtattet die Univerſität
—.. w Erlangen beſuchen konnte. Auch hier zeigte er ſich als ein ch munterer Geſelle, welcher gern mit den Fröhlichen fröhlich z1 war. Wie konnte er aber während der 2 Jahre, die er
nicht einmal ganz zum Studiren verwendete, ſich ſo weit t vorbereiten, daß er im Stande geweſen wäre, ein ſeinen
Fähigkeiten entſprechendes Examen zu beſtehen? Nur 5 nothdürftig genügte er den Forderungen der geiſtlichen Herrn, die ihn zu prüfen hatten. Weitere zwei Jahre verlebte er nun als Hauslehrer zu Hertingen, einem Dorfe, welches von Baſel und Schopfheim gleich weit 1 entfernt liegt. Wiewohl er dort als Gehülfe des Pfarrers f 1 ordinirt wurde, ſcheint es ihm doch in dieſem Verhältniſſe 3 nicht recht gefallen zu haben. Er nahm es dankbar an als er 3 1783 eine Lehrerſtelle am Pädagogium zu Lörrach erhielt. 1 350 Fl. Gehalt und der Titel„Präzeptorats⸗Vicar“ wurden ihm mit dem neuen Amte zu Theil. Trotz ſeiner 1 mißlichen äußeren Verhältniſſe, welche ihn zwangen, den
Reſt ſeines Vermögens
zu verzehren, fühlte er
ſich glücklich in ſeinem
geſegneten Heimaths lande und im Kreiſe liebender Freunde. In dem Hauſeeines ſolchen lernte er ein Mädchen kennen, welches ſeine Liebe erwiederte, und doch iſt nie etwas aus der Heirath geworden, auch da nicht, als ſeine 1 Lage eine günſtigere wurde. Selbſt ſeine vertrauteſten Freunde wiſſen den Grund da⸗ von nicht anzugeben. Mehrmals bemühte er ſich, eine einträglichere Stelle zu erhalten, konnte aber ſeine Ab⸗ ſicht nicht erreichen. Er wurde zuletzt unwillig, da er ſich bewußt war, daß ſeine Leiſtungen in 8 der Schule eine Aner kennung verdienten. Endlich erkannte man in Karlsruhe, wel⸗ ches Lehrertalent ſich in Lörrach ſo kümmerlich behelfen müſſe. Hebel wurde nach Karlsruhe an das daſige Gym⸗ naſium verſetzt, da er die ſich ihm darbietende Gelegenheit, 7 eine Pfarrei in Pforzheim zu bekommen, von ſich gewieſen hatte. Körperliche Leiden beſtimmten ihn zu dieſem Ent⸗ ſchluſſe. Er glaubte bei der gewohnten Schularbeit beſſer beſtehen zu können. In Karlsruhe fand Hebel friſche Aufmunterung, fort⸗* zuſtudiren, und ſo wurde er immer tüchtiger in ſeinem Berufe. Auch in den Fächern, in welchen er bisher noch weniger geleiſtet hatte, wie im Hebräiſchen, erwarb er ſich hinreichende Kenntniſſe, ſo daß ſein Unterricht mit dem beſten Erfolge gekrönt wurde. Mit beſonderer Liebe widmete er ſich der Naturgeſchichte, welche zu den ihm übertragenen Lehrfächern gehörte. Er brachte es darin ſo weit, daß er bald von mehreren naturforſchenden Ge⸗ ſellſchaften zum correſpondirenden Mitgliede ernannt


