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Herausgegeben von Heinrich Schwerdt.
Wöchentlich 1 ½— 2 Bogen. Durch alle Buchhandlungen und alle Poſtämter des Fürſtl. Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſtgebiets für 12 ½ Ngr., und im Deutſch⸗Oeſterreichiſchen Poſtvereinsgebiete für 15 Ngr. vierteljährlich zu beziehen.
Der Admiral aus Friesland. Erzählung von Ernſt Willkomm. Viertes Kapitel.
Frieſiſche Rache.
In und um Bombüll⸗Hof waltete die Stille der Nacht. Nicht einmal die Wachtpoſten, welche die ſchwediſche Be ſatzung hier und da an Orten, die leicht zugänglich waren, ausgeſtellt hatte, verurſachten, auf und abſchreitend, weit⸗ hin vernehmbares Geräuſch. Dennoch wachten in dieſer Nacht mehr als zwei Augen auf der alten Burg des blutigen Stoertebecker. Vielleicht waren ſeit des berüch⸗ tigten Seeräubers letztem Abzuge aus dem halb verwit⸗ terten Gemäuer nie wieder menſchliche Herzen in ſo heftige Bewegung geſetzt worden, wie in der verhängnißvollen Mainacht, die jetzt über dem Hofe lag.
Sture Bjelke ſaß noch wachend in ſeiner Kammer. Sein Licht war lange ſchon erloſchen, nur der hereinfallende Schimmer der Sterne und der hellen nordiſchen Nacht erfüllte den mäßig großen Raum mit mattem Dämmer⸗ ſchein. Für ein daran gewöhntes Auge genügte indeß dieſer falbe Luftglanz, um alle Gegenſtände in ziemlicher Entfernung deutlich wahrnehmen zu laſſen.
So harrte der Schwede bis nach Mitternacht. Das Himmelsgewölbe war dunkler geworden, ein farbloſer Schatten lag über der Erde und machte Land Luft und Meer in einander verſchwimmen. Auch ſchien es, als dampfe der feuchte Marſchboden und werde alsbald einen undurchdringlichen Dunſtſchleier weithin über die Gegend verbreiten.
Jetzt erhob ſich der Cornet, öffnete behutſam das
Fenſter und horchte mit angehaltenem Athem hinaus. Es rührte ſich kein Blatt, kein Thierlaut war vernehmbar, nur das Meer athmete in lang verhallenden Zügen.
Sture Bjelke ſteckte ein kleines Dolchmeſſer mit fun kelndem Griff in ſein nur loſe zugehäkeltes Wams, drückte die Thür ſeiner Kammer auf und ſchlich geräuſchlos hin⸗ aus. Auf dem Herde glimmten noch ein paar Torfkohlen, die aus der zerfallenden Aſche wie geſpenſtiſche Augen leuchteten. Die ſchwarze Hauskatze ſtrich um die warme Herdſtelle, reckte ſich aus und ſteckte ihren Kopf in den Keſſel, der gewöhnlich über der Gluth hing. Sonſt regte ſich nichts im weiten, öden Hofe.
Der Cornet taſtete ſich die wenigen Stufen hinab, näherte ſich dem Herde, umſchritt dieſen und gelangte ſo auf die andere Seite des Hauſes, deren Fenſter nach Weſten ſahen. Die ſcharf hörende und ſehende Katze bemerkte den ſchleichenden Menſchen, ſprang erſchrocken fort und berührte im Sprunge Kette und Haken, woran der Keſſel hing, ſo daß beide ſtark klirrten. Sture Bjelke hemmte ſeine Schritte und horchte mit vorgebeugtem Kopfe und mit geöffneten Augen. Es blieb indeß ſtill im Hofe, was ihn beruhigte und zur Vollführung ſeines Anſchlages an⸗ ſpornte. Mit wenigen Schritten ſtand er vor Margreth's Kammerthür. Zagend und zugleich rückwärts blickend, griff er nach dem Drücker. Er gab nicht nach, die Thür war von Innen feſt verriegelt.


