und Mönche der verſchiedenen Orden die chriſtliche Re⸗ ligion immer weiter ausbreiteten und ſelbſt Fürſten zu ihrer Lehre ſich bekannten: wies der Kaiſer die Beſchwer⸗ den und Anklagen der buddhiſtiſchen Prieſter zurück mit den Worten:„Wo fünfunddreißig Konfeſſionen geduldet wer⸗ den, kann auch noch die ſechsunddreißigſte beſtehen.“ Das Volk freuete ſich des Fortſchritts und der geiſtigen Anre⸗ gung, welche ihm von den Europäern zu Theil wurde; aber der Neid der Portugieſen, Spanier und Holländer und die Unduldſamkeit und der Stolz der chriſtlichen Prieſter, die ſich mit ihrem geiſtlichen Einfluß nicht begnügen wollten, verdarben wieder Alles. Der Bürgerkrieg, der zu Ende des ſechzehnten bis in das erſte Viertel des ſiebzehnten Jahr⸗ hunderts hinein in Japan wüthete, koſtete ſämmtlichen
Portugieſen das Leben, und ſeit 1640 ſchloß ſich Japan gänzlich von der ferneren Berührung mit den Fremden ab. Die Holländer, welche das Feuer geſchürt hatten, erreichten nur mit größter Anſtrengung, daß ihnen ge⸗ ſtattet wurde, im Hafen von Nangkaſaki auf einem künſt⸗ lich aufgeworfenen Damm(Inſel Deſima) eine Faktorei zu halten. Die holländiſche Kompagnie ward auf elf Perſonen*) beſchränkt und dieſe hielt man unter ſo ſtren⸗ ger Aufſicht, daß ihr Leben wie eine Gefangenſchaft war und noch iſt.
*) Der Chef der Faktorei, ein Magazindirektor, ein Buchhalter, ein Arzt, fünf Kommis und zwei Magazinwächter. Die Dienſt⸗ boten mußten Japaner ſein und mit Sonnenuntergang die Inſel verlaſſen.
Wie ſteht es mit der Erziehung in den Familien?
Dieſe Frage, auf welche neuerdings durch manche vortreff⸗ liche Schrift(wir erinnern auch an Riehl’s Familie) die Aufmerkſamkeit denkender Männer und Frauen wieder mehr, als ſonſt wohl, hingelenkt worden iſt, wird auch in einem Buche auf⸗ geworfen, welches in Kurzem aus der Feder des als geiſtvollen Pädagogen bekannten Großherzoglich Sächſiſchen Schulraths Dr. Lauckhard in Weimar unter dem Titel:
„Aus einem Lehrer⸗Tagebuch“
im Verlage des Feierabend(zum Preiſe von 24 Ngr.) er⸗ ſcheint. Der Verfaſſer ſagt darin unter Anderm das Nachfol⸗ gende, welches wir der Beherzigung namentlich aller Väter und Mütter unter unſern Leſern nicht genug empfehlen können:
Wie ſchlimm es in den Häuſern und Familien um die Kin⸗ dererziehung ſteht, iſt ſchon oft ausgeſprochen worden. Menſch bildet ſich natürlich zumeiſt nach dem Vorbilde, was er den größten Theil ſeiner Jugendzeit vor Augen hat: nach den Eltern. Wie ſchlimm dieſe, größtentheils unvermerkt, durch ihre Fehler, ihre Vorurtheile, ihre üblen Gewohnheiten ꝛc. auf die Kinder einwirken müſſen, liegt auf der Hand. Denn ebenſo un⸗ bemerkt, als das böſe Beiſpiel gegeben wird, ebenſo unbemerkt wird es aufgenommen. Was ſind Worte, und wenn ſie die beſten Lehren enthielten, gegen ein lebendiges, ſtets vor Augen ſchwebendes Beiſpiel? Viele Eltern freilich haben wenig Ein⸗ fluß auf die Erziehung: ſie bekümmern ſich nicht darum. Dieſes zu Wenig iſt allerdings in manchen Fällen beſſer, als das zu Viel. Allein im Durchſchnitt muß es doch als ein Unglück an⸗ geſehen werden, wenn die Eltern ihre Kinder ſich ſelbſt überlaſſen. Wie wenige Eltern verſtehen es, ihre Kinder richtig zu leiten und im Verein mit der Schule gute und tüchtige Menſchen aus ihnen zu bilden! Man hat reiſende Naturforſcher, Phrenologen, Bo⸗ taniker, Geologen, Literarhiſtoriker, welche an verſchiedenen Orten öffentliche Vorträge über ihre Wiſſenſchaften halten; warum nicht
Der
auch reiſende Pädagogen, welche unendlich viel mehr Gutes ſtiften
könnten. Wenn nur einmal eine Anzahl einfacher, praktiſcher
Lehren über Kindererziehung, insbeſondere über die Beobachtung der Kinder, im größeren Publikum verbreitet wären; wenn man nur einmal das Ziel zeigte, wohin die Kinder zu führen ſind und die einfachſten Wege, dahin zu gelangen; wenn man auch nur, wie weiland Salzmann in ſeinem„Krebsbüchlein,“ auf die ge⸗ wöhnlichſten Vorurtheile und Irrthümer mit ihren Folgen hin⸗ wieſe. Ich bin überzeugt, ein praktiſcher Pädagog, welcher die Gabe der populären Darſtellung hätte, würde innerhalb weniger Jahre Außerordentliches wirken.
Welch ein Unterſchied iſt zwiſchen Härte und Strenge! Die
letztere iſt eine heilſame Aufmerkſamkeit und Beharrlichkeit, die ruhig und freundlich geübt, allemal Erfolg hat und mit der Liebe
ſehr wohl beſteht, ja ihre eigentliche
Baſis iſt. Sie verlangt freilich eine beſtändige Aufopferung und Hingebung von Seiten des Erziehers, wird aber die Achtung und Anhänglichkeit des Zöglings zur Folge haben. Die Härte dagegen iſt eine falſche, einſeitige Strenge, entſprungen aus Trägheit oder Charakter⸗ ſchwäche des Erziehers, der nicht ſtraft, wenn es nöthig, ſondern wenn er gerade gereizt und übellaunig iſt, oder wenn durch ſeine eigene Nachſicht und Trägheit die Unarten der Kinder eine ſolche Höhe erreicht haben, daß ſie nicht mehr zu ertragen ſind. So zankt oder ſtraft er denn im Unwillen und in der Ungeduld mehr oder härter, als es ſein ſollte. Die Quelle eines ſolchen Verhaltens iſt Egoismus und die Folge eine mißlungene Er⸗ ziehung; aber die Strafe iſt auch die verlorne Liebe, das ent⸗ fremdete Vertrauen des Zöglings!
Ueber das leidige, meiſt ganz erfolgloſe Zanken, das Erſte oder Einzige, was viele Eltern zu thun wiſſen, habe ich ſchon früher geſprochen. Unſere Erziehung unterſcheidet ſich von der früheren weſentlich darin, daß wir mehr reden, während die Alten mehr handelten. Statt die Subordination zwiſchen Eltern und Kindern einfach durch die Stellung feſtzuhalten, wird ge⸗ predigt, gezankt oder ſanft mit Thränen ermahnt,— was un⸗ fehlbar zum Phraſenthum, zur Affektirtheit, zur Heuchelei und Unwahrheit führen muß.
Was beliebt.
Dr. Rarl Schimper. Ueber die traurigen Schickſale dieſes ausgezeichneten Naturforſchers enthalten„Gutzkow's Unter⸗ haltungen“ einen ausführlichen Artikel, dem wir einige Stellen entlehnen, um auch den Leſerkreis des Feierabends mit dieſem ſtillen Manne bekannt zu machen.
Dr. Karl Schimper! Der Name klingt der Menge neu und fremd, als nennte man ſo den Mann aus dem Monde und doch gehört er einem der größten jetzt lebenden Naturforſcher an— aber die Entdeckungen, die ihm gelungen, die er harmlos ſeinen Schülern mitgetheilt, haben Andere ſtatt ſeiner berühmt und


