Jahrgang 
1857
Seite
156
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Sprödigkeit der Japaneſen gebrochen zu haben. Laut Vertrag vom 31. März 1854 können fortan die Amerika⸗ niſchen Schiffe in die Häfen von Simoda und Hakodadi einlaufen.

Simoda iſt eine kleine Stadt von ungefähr 3000 Einwohnern, an der gleichnamigen Bucht gelegen, unter 340 39 49 nördl. Breite und 138⁰ 57 30 öſtl. Länge von Greenwich. Der Hafen, durch eine kleine Auszackung des Landes in der Richtung von Nordoſt nach Südweſt gebildet, iſt den Südweſtwinden offen, welche das Ankern oft ſehr ſchwierig machen, dagegen vor Nord⸗ und Oſt⸗ winden vollkommen geſchützt. Simoda liegt an der ſüd⸗ öſtlichen Spitze der Halbinſel Idzu, an der öſtlichen Seite der Inſel Niphon, ſüdlich von der Stadt Jeddo.

Hakodadi liegt an der Südſeite der Inſel Jeſſo und wird als einer der prächtigſten Häfen der Welt gelobt; nördl. Breite 41⁰ 49˙ 23, öſtl. Länge 140⁰ 17445.

Das Kaiſerreich Japan wird von drei größeren Inſeln gebildet: Niphon, Sikok, Kiuſiu, und einer Menge von kleineren Eilanden, von denen die bedeutendſten im Nor⸗ den Jeſſo und im Süden die Liu⸗kiu⸗Gruppe ſind. Alle dieſe Inſeln gehören zu jenem vulkaniſchen Gürtel, der ſich von Kamſchatka und den Kurilen nach Süden hinab zu den Molucken und nach Weſten über zahlreiche Inſeln des indiſchen Archipelagus, die Philippinen, Java, Sumatra, zu den Küſten Arakans und den Andamanen und Nikobaren im bengaliſchen Meerbuſen erſtreckt.

Die Hauptinſel der Japaner, Niphon(auf 4081 [Meilen geſchätzt) wird ihrer ganzen Länge nach von einer Bergkette durchſchnitten, welche durch den vorherr ſchenden Baſalt und die trachitiſchen Gebilde auf ihren vulkaniſchen Urſprung hinweiſt, aber auch noch viele jetzt thätige Vulkane enthält, von denen der Fuſi⸗Yama der bedeutendſte(vielleicht gegen 12,000 Fuß hoch) iſt. Seine impoſante Pyramide iſt den größten Theil des Jahres mit Schnee bedeckt; der letzte Ausbruch fand im Jahre 1707 ſtatt und ſeitdem iſt ein Stillſtand eingetreten. Hinwiederum iſt ein anderer Vulkan, der Wuzendaken auf der Inſel Sinabara, ſeit dem heftigen Ausbruche von 1792 der Schrecken der Nachbarn geworden. Im ge nannten Jahr ſtürzte plötzlich der Gipfel des Berges ein, während ein Theil ſeiner Abhänge in die Luft geſchleudert ward und aus einem neuemporgetriebenen Krater ein Strom heißen Waſſers ſprudelte, der die Ebenen über fluthend Häuſer und Bäume mit ſich fortriß. In Simoda und Jeddo waren kurz nach der Anweſenheit der Amerika ner(in Simoda am 23. Dezember 1854) ſehr heftige Erdbeben. Die ruſſiſche FregatteDiana, welche in der Bai von Simoda Anker geworfen hatte, kam in große Gefahr, da unmittelbar nach dem Erdſtoß die See hoch aufwallte und in eine ſtrudelnde Bewegung gerieth, ſo daß ſich die Fregatte während eines Zeitraums von einer halben Stunde 43 mal wie ein Kreiſel herumdrehte. Niemand an Bord konnte auf ſeinen Füßen ſtehen; die Ankertaue und Ankerketten zerriſſen wie Spinnfäden.

Das Japaniſche Meer iſt ſturmvoll, doch das Klima der Inſeln ſelber gemäßigt, ziemlich regelmäßig und durchaus geſund. In Folge der nördlichen und nord weſtlichen Winde, die von dem ſchnee⸗ und eisreichen aſiatiſchen Feſtlande wehen, iſt das Klima der Nordweſt küſten natürlich kälter, als die entſprechenden Breitegrade

im mittleren Europa. Es kommt ſchon am 320 nördlicher Breite(der Südſpitze Spaniens parallel) Eis vor, und

auf der Inſel Dſchouſima, 340 12 nördl. Breite gedeiht

der Reis nicht mehr, im Norden von Jeſſo, 450 nördl. Breite, tritt auch der Weizenbau zurück. Dagegen ſchützt wieder die ganz Niphon durchſchneidende Bergkette die ſüdöſtliche Küſte, welche ſich eines milden Klimas und großer Fruchtbarkeit erfreut. Die Ebenen nordöſtlich von Jeddo bis an den 38. Breitengrad ſind ſo fruchtbar, daß ſie die Kornkammern von Japan genannt werden; faſt auf der ganzen Südoſtküſte von Niphon, Sikok und Kiuſiu trägt der Reis zwei Ernten.

Wer im Frühjahr in die Bai von Jeddo ſegelt, kann ſchon im März und April die Camelia japonica, deren Büſche bis zur Baumgröße von 25 bis 30 Fuß aufwach ſen, in voller Blüthe finden. Auf günſtig gelegenen ſon nigen Ebenen wächſt das Bambusrohr, die Palme, der Bananenbaum, auch an Orangen iſt kein Mangel, aber der japaneſiſche Theeſtrauch ſoll an Güte dem chineſiſchen nachſtehen.

Die Japaner ſind tüchtige Ackerbauer und eifrige Gärtner, und wiſſen ſelbſt dem vielfach ſteinigen Boden ihrer Berge ergiebige Ernten abzugewinnen. Es fehlt bei der natürlichen Geſtaltung ihrer Inſeln an langen Flußthälern; doch ſie verſtehen auch ihre kurzen Flüſſe und Bäche gut für eine regelrechte Bewäſſerung auszubeuten. Die ſteilſten Bergabhänge, in Terraſſen abgetheilt, wer⸗ den angebaut, und ſelbſt der harte Fels wird durch darauf geworfenen Humus zum Acker gemacht. Sogar in den bevölkertſten Städten muß der Japaneſe ein grünes Stück Land um und bei ſich haben, und das kleinſte Haus hat ſein Gärtchen. Freilich ſind die Leute bei der großen Bevölkerung, die in Folge der Abſperrung des Landes keinen Abzug finden konnte, wie in China zur größten Oekonomie gezwungen. Reis und Fiſche bilden die Haupt⸗ nahrung; der Gartenbau liefert Erbſen, Carrotten, Zucker⸗ wurzeln, Rettige, Salat, Melonen, Gurken, auch Bataten und Kartoffeln. Büffel, Ochſen und Kühe werden nur zum Laſttragen verwendet, da religiöſe Skrupel dem Ja⸗ paneſen den Genuß des Rindfleiſches verbieten. Auch der Genuß der Milch iſt unbekannt. Die Pferde ſind von kleiner kräftiger Race; Eſel, Maulthiere, Elephanten und Kameele fehlen. Schweine und Schafe ſind in geringer Zahl vorhanden, der Hunde und Katzen aber iſt Legion, auch wie in China an Ratten und Mäuſen kein Mangel. Vogelfang durch Leimruthen iſt ſehr beliebt, die Jagd auf Enten, Feldhühner, Faſanen, Schnepfen ſehr ergiebig. In den ſteinigen gering bevölkerten nordöſtlichen Landſtrichen Niphons leben Haſen und Wildſchweine, Affen und Füchſe. Die Literatur der Japaneſen weiß von manchen Schelmſtücken Reinecke's zu erzählen, und der Volksglaube hält dafür, daß auch die böſen Dämonen ſich in die Fuchsgeſtalt hüllen. Der Naturſinn iſt bei weitem mehr ausgebildet, als bei den Chineſen, obwohl auch dieſe keineswegs ſo proſaiſch ſind, als man gemeinhin glaubt. Jede Blume, jeder Baum, jedes Thier faſt hat von einem begeiſterten Japaneſen eine dichteriſche Verherrlichung ge funden. Ueber die ſchöne Nachtfliege, welche für ein heimtückiſches in allen Künſten der Verſtellung wohl be wandertes Weſen gehalten wird, iſt in unzähligen Reimen geſungen. Ihre übereinander geſchichteten Flügel glitzern in allen Farben und ſind mit himmelblauen und goldenen Streifen überzogen.*)

*) Wegen ihrer Schönheit ſo erzählt die japaniſche Fabel hatten ſich einſt alle Nachtvögel in ſie verliebt und ſtellten ihr An⸗ träge.Bringet erſt Licht herbei! antwortete die Liſtige,denn der Schönheit geziemt es, ſich in vollem Glanze zu zeigen. Da