gegnete er ihr auf Schritt und Tritt. Der gewandte, flinke Freiherr ſchien allgegenwärtig zu ſein oder zaubern zu können. Ging ſie früh mit den blinkenden Meſſing eimern auf die Koppel, wo die Kühe ihres Brodherrn weideten, und war weit umher bei ihrem Fortgange vom
gangen war, fand Niß Ipſen ſeine Braut in Thränen. Verwundert fragte er ſie: was ihr begegnet ſei? weshalb ſie weine? denn er war an derartige Gefühlsausbrüche bei
Margreth' gar nicht gewöhnt.
Hofe kein Menſch, am wenigſten ein ſchwediſcher Reiter zu ſehen, ſo hatte ſie gewiß die erſte Kuh noch nicht zur
Hälfte gemolken, und die freundlich grüßende Stimme des männlich⸗ſchönen Cornet überraſchte die Einſame. Holte Margreth' Waſſer aus der Tränke, ſo griff der ſchwediſche Officier mit zu und entriß ihr, wollte es ſich anders nicht thun laſſen, die Eimer gewaltſam. Am Herde, auf dem Heuboden, wenn ſie die Kinder pflegte oder am Webeſtuhle ſchaffte: immer war der Freiherr in der Nähe, um mit ihr zu ſprechen, ihr Schmeichelworte zuzurufen, die das geängſtigte und ſo conſequent verfolgte Mädchen beunruhigten und in die größte Verlegenheit ſetzten. Sie konnte nicht anders glauben, als, der junge Schwede habe wirklich ſein Herz an ſie verloren. Ihr ward angſt und bange bei dieſem Gedanken; denn was konnte ſie dem reichen, vornehmen Freiherrn ſein, und was ſollte aus ihrem armen, treuen Ipſen werden, wenn dieſen Bewerbungen kein Ziel geſetzt werden konnte! Geraume Zeit ging das geängſtigte Mädchen ſtill mit ſich zu Rathe, was ſie wohl zu thun habe, um den Zu dringlichen zu entfernen. weiblichen Inſtinct gebotenen Mittel waren ſchon verſucht worden. Sture Bjelke ließ ſich dadurch nicht abſchrecken. Weder eiſige Kälte, noch Thränen, noch Bitten und
Das Mädchen erröthete— ſtotterte— wollte ſpre⸗ chen und wagte es doch auch nicht, da ſie den heftigen Widerwillen Ipſens gegen den Schweden kannte.
„Ha,“ fuhr der leicht reizbare und höchſt jähzornige Knecht die Stammelnde an,„Du biſt meiner überdrüſſig. Das blanke Ledercollet und der knapp ſitzende ſchwediſche Rock ſtechen Dir in die Augen!— Nur immer zu, geh' nur hin, wirf Dich ihm an den Hals. Wenn er Dich verſchimpfirt hat, ſpukt er vor Dir aus und ſtößt Dich in
das nächſte Moor, um Dein Heulen nicht zu hören!
Alle nahe liegenden, von dem
heftige Vorwürfe verſcheuchten den hartnäckigen Mann.
Er ward nur ungeſtümer, leidenſchaftlicher; Unhöflichkeit oder unwürdiges Benehmen konnte ihm die Frieſin nicht vorwerfen.
Anfangs hoffte Margreth', ihr Verlobter werde als⸗ bald den unbeſonnenen Cornet überraſchen und ihm dann auf frieſiſche Manier gebührend heimleuchten. Sie hatte Grund, dieſer Hoffnung mit Zuverſicht ſich hingeben zu können, da Niß Ipſen dem Freiherrn weder wohl wollte, noch ihm irgend etwas Gutes zutraute. Von jeher hatte er den ſchwediſchen Eindringling mit eiferſüchtigem Auge bewacht, und es war durchaus nicht anzunehmen, daß er dieſe Bewachung deshalb, weil ſie bisher unnöthig geweſen war, aufgegeben haben ſollte. Wie ſehnlichſt indeß Margreth' ein Dazwiſchentreten ihres Verlobten, dem ſie von ganzem Herzen ergeben blieb, herbeiwünſchte, es er⸗ folgte nicht. Sture Bjelke war ſchlau genug, immer die Stunden und Momente zu ſeinen Bewerbungen um die hartnäckige Widerſpenſtige zu benutzen, wo er ſichere
ſchäftigt ſei. Wußte er Niß Ipſen nur in der Nähe, ſo unterließ der Cornet klüglich jede Annäherung.
Einige Male ſtand Margreth', von den raſtloſen Ver⸗ folgungen des ſchwediſchen Herrn in rathloſe Unruhe ver⸗ ſetzt, auf dem Punkte, ſich ihrem Brodherrn anzuver⸗ trauen und bei dieſem Hilfe und Schutz gegen deſſen Nachfolgungen zu erbitten. Ueberdachte ſie aber wieder
Dumme Närrin! Er, ein hochfahrender Edelmann und Du, eine arme, frieſiſche Magd! Aber, wenn ich ihn packen kann, ha, das Genick dreh' ich ihm ab, daß ihn der Teufel gleich präparirt mit Haut und Haar verſchlucken kann!“
Margreth' fand während dieſes heftigen Zornaus⸗ bruches ihre Ruhe wieder. Sie bat durch Geberden den Tobenden, ſie doch anzuhören, und als Niß Ipſen endlich ſchwieg, ſprach ſie:
„Ich will den ſchrecklichen Menſchen ja nicht, lieber Niß, nur weiß ich ihn nicht los zu werden. Hilf mir! Du kannſt's und Dir kommt es zu. Bin ich nicht Deine Braut?!“
„Braut? Und ſcharmuzirſt mit Andern? Mit Aus⸗ ländern? Mit einem ſchwediſchen Strolch!“
„Kann ich ihm verbieten, mir nachzuſchleichen? Wie ein Schatten huſcht er hinter oder neben mir her. Um⸗ armen würd' er mich und an ſich drücken, ſchlüg' ich nicht um mich.“—
„Die Fauſt in's Geſicht, wäre verdienter Lohn! Warum riefſt Du mich nicht?“
„Weil Du nie in der Nähe biſt, wenn er mir nach— ſchleicht. O, ich habe nirgends Ruhe! Nicht in Feld und Garten, nicht in Küche noch Keller! Selbſt an meiner Kammerthür hat er ſchon ein paar Mal gerüttelt, daß mir der kalte Schweiß ausgebrochen iſt vor Angſt. Tiger mußte es aber hören, denn er ſchlug jedesmal laut an, und das Gebell des wachſamen Hundes verſcheuchte den ungeſtümen Menſchen.“
„Darum alſo bellte der Hund in den letzten Näch⸗ ten?“ ſprach Niß Ipſen nachdenklich und in ruhigerem Tone.„Glaubſt Du, daß er noch einmal den Verſuch machen wird, in Deine Kammer zu dringen?“
„Er hat mir das Aergſte angedroht,“ erwiederte
3 ge zu b Margreth',„und ich weiß mich nicht anders zu ſchützen, Kunde hatte, daß der eiferſüchtige Knecht auswärts be⸗
die möglichen Folgen, welche eine ſolche Entdeckung haben
konnte, ſo ſchrak ſie davor entſetzt zurück und duldete lieber, dem Zufalle vertrauend, in der Stille, was ſie aus eigener Kraft nicht zu ändern vermochte.
Ein Zufall war es denn auch wirklich, welcher der ge⸗ peinigten Magd Rettung bringen ſollte. Eines Tages nämlich, als Sture Bjelke eben nach einem höchſt leiden⸗ ſchaftlichen Auftritte mit drohenden Worten von ihr ge⸗
als daß ich Gewalt brauche. Und ſollt's mein Leben koſten, ich widerſetzte mich ihm. Dir hab' ich mich ver⸗ lobt, Niß; vertrauſt Du mir und meinem Wort, meinem Schwur, beim ewigen Gott und ſeiner Barmherzigkeit, ich will und werde Dir keine Schande machen!“
Ipſen war ſtill geworden. Er ſah nachdenklich vor ſich hin und ſchürte das Feuer auf dem Herde mit einer Zange zuſammen, dieſe wiederholt heftig in die ſchwehlende Gluth ſtoßend.
„Sei ohne Furcht,“ ſprach er nach kurzem Schwei⸗ gen.„Frieſiſch Blut frißt ſchwediſch Eiſen. Ich werde wachen über Dich, wie Gott wacht über ſein Weltall. Du biſt mir die Welt. Wer Dich mir rauben oder ver⸗ derben will, vernichtet mich. Soll's um mich geſchehen ſein, nun in Gottes Namen! Es muß aber erſt Kampf geben und mein Blut muß fließen, ehe ich wimmere: es
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