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iſt gut! Gott befohlen, Margreth'; denk an Niß Ipſen und hab' Muth!“
Der Knecht verließ die Beſtürzte. Gleich darauf hörte ſie den Hufſchlag des Pferdes, das den Cornet heimgetragen. Ipſen ſprang dem Schweden raſch ent gegen und nahm ihm freundlicher als gewöhnlich die Zügel ab, um das Thier abzuzäumen und zu pflegen.
Sture Bjelke trat mit klirrenden Sporen in das Wohn⸗
gemach des Hofbeſitzers, nickte im Vorübergehen Marg⸗
reth' verſtohlen zu, reichte Uwe, der ſogleich auf des
Freiherrn Knie kletterte, die Reitpeitſche, und ließ ſich
von der ſchmeichelnden Elſa erbitten, ihr ein nordiſches
Mährchen, deren ihm viele geläufig waren, zu erzählen. (Fortſetzung folgt.)
Das engliſche Parlament.
Von G. D.
„Ich geſtehe, daß ich Herz und Urtheil des Mannes gering achten müßte, der ohne Gemüthsbewegung ſich dem Palaſt des engliſchen Parlaments nahen würde, dieſem Tempel der Geſchichte und des Geſetzes, der Be redſamkeit und der Freiheit. Nur mit dem Gefühl der Achtung darf man dieſen Boden betreten; denn er iſt ſeit tauſend Jahren das politiſche und geſetzgeberiſche Heilig thum eines chriſtlichen Volkes und die Wiege der Freiheiten der modernen Welt.“
Es ſind dieß die Worte eines Mannes, bei welchem man eben keine Urſache hat, ein Vorurtheil zu Gunſten des proteſtantiſchen Englands vorauszuſetzen, die Worte des berühmten Katholiken Montalembert, der in einer Zeit, in welcher die Freiheit der Rede und der Schrift auf dem Continent in Misachtung geſunken iſt, ſeine Stimme erhob, um für den hohen, unſchätzbaren Werth dieſer Freiheit Zeugniß abzulegen in einem mit bewun⸗ dernder Anerkennung geſchriebenen Buche über das Land, in welchem ſie noch eine Stätte bewahrt hat. Er glaubt die Geſetze und Einrichtungen Englands den Franzoſen, ſeinen Landsleuten, als beſchämendes und anklagendes Muſter vorhalten zu müſſen, und er wendet ſich mit
I.
Ueberzeugung und Beredſamkeit gegen diejenigen, welche
ſo geſchäftig ſind, den Untergang Englands in nahe Aus ſicht zu ſtellen, und widerlegt ihre ſchlimmen Prophezeihun gen mit ebenſoviel Energie als politiſcher Einſicht.
Auch in Deutſchland hat es in den letzten Jahren nicht an Solchen gefehlt, welche die engliſchen Verhältniſſe mit den düſterſten Farben ſchilderten, und zwar ſcheint es, als hätten ſich die beiden Extreme zu dieſem unerfreu lichen Geſchäfte die Hände gereicht. Die Partei der äußerſten Reaktion in Kirche und Staat genießt nicht mehr allein das Vorrecht, die freien Inſtitutionen Eng lands ſchmähen, ihren Untergang weiſſagen zu dürfen, ſie ſieht ſich kräftig unterſtützt durch Männer, welche ſonſt ihre erbitterten Gegner ſind, durch Apoſtel der politiſchen Freiheit, die, zurückgeſtoßen von dem eigenthümlichen Charakter, welchen die engliſche Freiheit trägt, nicht bloß von dem Verfall der engliſchen Einrichtungen ſich tief durchdrungen zeigen, ſondern auch der beſcheidenen An⸗ ſicht ſind, daß ihr Untergang leicht zu verſchmerzen ſein würde. Namentlich ſcheint es, als ſollte dem Miscredit, in welchen leider auf dem Continent die parlamentariſchen Verſammlungen gerathen ſind, eine Rückwirkung auch auf England gegeben werden. Man bemüht ſich auf's eifrigſte, das engliſche Parlament herabzuſetzen, es der Verderbniß, der Tyrannei, der leichtfertigen Geſetz macherei, überdieß noch der Unfähigkeit, die Regierung
zu controlliren, anzuklagen und für den Despotismus verantwortlich zu machen, den die publiciſtiſche Seher Weisheit bereits über England hereinbrechen ſieht.
Glücklicherweiſe hat es mit dieſen Weiſſagungen nicht ſo viel auf ſich. Wo ſie nicht geradezu Folge politiſcher Verbitterung ſind, erklären ſie ſich wenigſtens aus der mangelhaften Erkenntniß engliſcher Eigenthümlichkeit. Man ſieht Manches für veraltet an, was auf dem Feſt lande auch wirklich veraltet iſt, in England aber noch Lebenskraft hat. Die parlamentariſchen Einrichtungen ſind auf dem Feſtlande ziemlich ohne Ehre untergegangen; aber ganz anders verhält es ſich damit in England. Denn die Grundlage iſt eine andere; ſie ſind dort natürlich er wachſen, während ſie auf dem Continent gleichſam künſt lich aufgepfropft ſind. Die Entwickelungsgeſchichte Englands brachte es mit ſich, daß das Parlament als politiſche, geſetzgeberiſche und Verwaltungs⸗Centralbehörde eines ungeheuren Reiches eine ſehr bedeutende Wirkſam keit nach allen Seiten hin entfaltet, während unſre Volks vertretungen, ſelbſt macht- und bedeutungslos, faſt nur darauf gerichtet waren, die oberſte Staatsgewalt zu ſchwä⸗ chen und lahm zu legen. Es iſt, kurz geſagt, der engliſche Staat mit ſeinen Einrichtungen und Organen ein ganz anderer als der feſtländiſche Staat; wir müſſen uns voll ſtändig aus unſern eigenen Verhältniſſen herausverſetzen, um das engliſche Staatsweſen zu verſtehen.
Seit Jahrhunderten hat ſich in den Staaten des Feſt landes eine Gewalt feſtgeſetzt, welche allmälig alle freie Mitwirkung des Einzelnen zu den Zwecken des Staates zerſtört hat. Der Staat und die Einzelnen ſind auf dem Feſtland zwei völlig getrennte Dinge. Der Staat, das iſt der Fürſt mit ſeinen bürgerlichen und militäriſchen Beamten. Dieſe bilden ein geſchloſſenes Ganze, welches dem Volke oder der bürgerlichen Geſellſchaft äußerlich gegenüber ſteht. Das Verhältniß beider zu einander iſt ein unfreies. Das Volk ſoll ſich mit Erwerb und Ge⸗ winn, mit Arbeit und Genuß, kurz mit ſeinen Privat⸗ angelegenheiten befaſſen, aber völlig ausgeſchloſſen ſein von aller Theilnahme am Staate. Das Beamtenthum nimmt mit zärtlicher Fürſorge dem Einzelnen ſeinen An⸗ theil an den öffentlichen Angelegenheiten ab und macht es ihm dadurch möglich, ſich ausſchließlich ſeinen Privat⸗ angelegenheiten zu widmen. Alles, was ihn in der Ver⸗ folgung ſeines Gewinnes oder ſeines Genuſſes ſtören könnte, wird ihm vorſorglich aus dem Wege geräumt; aber er muß dafür auf jede Einſprache in die öffentlichen Angelegenheiten verzichten, ſich ſelbſt auf Gnade und Un⸗ gnade der Gewalt einer zwar väterlich fürſorgenden, aber


