Jahrgang 
1857
Seite
149
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Illuſtrirtes Voſäsb ſa

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tt. 4

Herausgegeben von Heinrich Schwerdt.

Wöchentlich 1 ½ 2 Bogen.

Durch alle Buchhandlungen und alle Poſtämter des Fürſtl. Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſtgebiets

für 12 ½ Ngr., und im Deutſch⸗ Oeſterreichiſchen Poſtvereinsgebiete für 15 Ngr. vierteljährlich zu beziehen.

Der Admiral aus Friesland.

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Erzählung von Ernſt Willkomm. Drittes Kapitel. Eine verhängnißvolle Entdeckung.

Margreth's Verlobter war nun wieder von früh bis Abends auf dem Acker beſchäftigt, während ſeine Braut, ſo oft ihre häuslichen Geſchäfte es erlaubten, an ihrer Ausſtattung arbeitete. Frau Claas half ihr dabei und gab ihr allerhand gute Rathſchläge und wohl gemeinte Winke.

Es hatte ſich bisher nichts auf Bombüll⸗Hof verändert.

An die Einquartierung war man gewöhnt und bemerkte

ſie kaum noch. Auch zogen die Schweden oft ſchon früh⸗

zeitig aus und kamen bisweilen gar nicht, öfterer noch erſt des Nachts zurück. Dieſe letztere Einrichtung gefiel Niemandem auf dem alten Hofe, weil die ſchwediſchen

Herren entweder das Verlangen ſtellten, Claas ſolle ſeine

Wohnung unverſchloſſen laſſen, damit man zu jeder Zeit eintreten könnte, oder, falls er dies nicht thun wolle, ihret⸗ wegen wach bleibenoder Jemanden von ſeinen Leuten wachen laſſen, bis es ihnen beliebe, heim zu kommen. Um Wei⸗ terungen zu vermeiden, entſchloß ſich Claas zu Letzterem.

Das war nun allerdings etwas ſehr worunter alle Bewohner von Bombüll litten; denn nur ſelten kehrten die ſchwediſchen Herren oder doch einer der⸗ ſelben kurz vor Morgengrauen von ihren Fahrten zurück.

Am liebſten übernahm Claas ſelbſt die Nachtwache, immer jedoch konnte er ſich der nächtlichen Ruhe nicht be⸗ rauben. Man wechſelte deshalb ab; ſo fiel denn bald Dieſem, bald Jenem die Laſt des Wachens zu.

Bis zu dieſer Zeit war Niß Ipſen faſt in gar keine

Sorgfalt, ſo daß auch de läſſigkeit zeihen konnte,

Unbequemes,

Berührung mit den Schweden gekommen. Die Pferde der Fremden behandelte er aus Liebhaberei mit der größten rheikligſte Herr ihn keiner Nach⸗ über die neue Sitte der Nacht⸗ wache aber ſchimpfte er laut, als die Reihe ihn zum zweiten Male traf.

Mögen die Herren auf dem Deiche ſchlafen, ſprach er.Bleiben ſie draußen bis eine Stunde vor Sonnen⸗ aufgang, ſo können ſie auch vollends den Anbruch des Tages abwarten. Liederliches Volk! Wollte, ſie er ſöffen alle mit einander im tiefſten Pfuhl!

Claas verwarnte den Knecht ernſtlich und machte ihn auf die möglichen Folgen aufmerkſam, wenn er ſeine Zunge nicht bändige. Ipſen war aber nicht zu bekehren. Der ganze wilde Frieſentrotz prägte ſich jetzt in den Mie⸗ nen des Erbitterten aus, und hätte er nur auf Unter⸗ ſtützung zählen können, er würde nicht Anſtand genom⸗ men haben, die verhaßten Fremden auf alle erdenkliche Weiſe zu chikaniren.

Dieſe Verſtimmung blieb den Schweden nicht verbor⸗ gen. Sture Bjelke war der Erſte, der ſich darum an Claas wendete und denſelben nach der Urſache jener fragte. Der Hofbeſitzer wollte den wahren Grund ver⸗ ſchweigen und erwiederte obenhin:

Mein Knecht iſt verliebt und Verliebte, das wißt Ihr ja, Herr, Verliebte ſind immer querköpfig.