deckt worden. Als ein Triumph der rechnenden Aſtronomie iſt die Beſtimmung der Bahn eines Planeten zu betrachten, welcher ſeinen Lauf noch weit über den des Uranus hinaus, deſſen Entdeckung unſer Vorfahr erwähnt, um die Sonne nimmt. Der franzöſiſche Aſtronom Le Verrierwar es, der die Bahn der noch unentdeckten Planeten berechnete, und der deutſche Aſtronom Galle entdeckte ihn auf der berliner Sternwarte an dem von Le Verrier angegebenen Orte. Sein Name iſt Neptun. Durch die Güte der Fernröhre war es auch möglich die meiſten der Nebelflecke in Sterne aufzulöſen und zu erkennen, daß der Saturn nicht, wie man früher glaubte, von einem Ringe, ſondern von drei koncentriſchen Ringen umgeben iſt.
Franzoſen Daguerré— die nach ihm benannte Daguerrotypie, bei deren weiterer Ausführung man auf die Photographie kam. Bei beiden Verfahren iſt es das Licht, welches mit wunderbarer Schnelligkeit auf
verſilberten Kupferplatten oder auf Papier das treueſte
Bild deſſen aufzeichnet, was der Künſtler vor ſeinem Apparat aufſtellt.
Staunenswerth ſind die Entdeckungen im Gebiete der Chemie, welche unſer Jahrhundert aufzuweiſen hat.
Die Chemie, 1784 noch eine Lehre unzuſammenhängender ))
Thatſachen, iſt jetzt zur wichtigſten Wiſſenſchaft gereift.
Das Reich der vier Elemente iſt geſtürzt, wir kennen jetzt 65 Clementarſtoffe, wir kennen die Geſetze, nach welchen ſich dieſe vereinigen und die unendliche Zahl der zuſam⸗ mengeſetzten Körper bilden, wir wiſſen letztere zu zerlegen und ihre Elementarſtoffe zu beſtimmen. Für Kunſt, Ge werbe und Landwirthſchaft haben die Entdeckungen der Chemie die ſegensreichſten Folgen gehabt. Ihnen haben wir es zu danken, daß wir unſere Häuſer und Straßen mittelſt Gas erleuchten, daß wir dem Torf Leucht⸗ materialien entziehen, das eine in flüſſiger Form, Photogen, das andere ein alabaſterweißer wachsähnlicher Körper, Paraffin; daß wir Stärkmehl in den Zucker, welcher ſich in der Traube bildet, verwandeln können, um
den ſauren Rebenſaft ſchlechter Weinjahre zu verbeſſern
und noch Tauſend Anderes. Durch die Forſchungen der Chemie iſt unſer Blick in das Leben der Pflanzen und der
thieriſchen Welt erweitert worden und hat dadurch auch
der Heilkunde unberechenbaren Nutzen geſchaffen.
Die Heilkunde ſchreitet zwar langſam, aber ſicher in ihrer Ausbildung fort und wird eine immer rationellere Begründung erhalten.
Die Kenntniſſe von der Erdoberfläche ſind er⸗ weitert und ſelbſt das ſo lange verſchloſſene Innere Afrikas iſt von kühnen Reiſenden erforſcht und für den Handel zugänglich gemacht. Die Produkte der Erde, die Minerale, die Pflanzen und die Thiere fernſter Zonen ſind uns bekannt und faſt täglich wird dieſe Kenntniß eine ausgebreitetere.
Auf dem Gebiete der Garten- und Landwirth⸗ ſchaft herrſcht rege Thätigkeit. Die mechaniſchen Hülfs⸗ mittel von größter Vortrefflichkeit ſind reich vermehrt,
und ihre Mittel zu vermehren. Gewerbevereine verbrei⸗ ten unter ihren Mitgliedern die Kenntniſſe, welche der Fortſchritt fodert.
Vieles, was ſonſt nur der Menſch mit ſeinen Händen zu leiſten im Stande war, liefert jetzt die Maſchine. Selbſt das unmöglich Scheinende iſt zur Wirklichkeit ge⸗ worden und ſo ſpinnen, ſtricken und nähen wir ſelbſt mit Maſchinen. Die Furcht Vieler, daß Menſchen⸗ kraft dadurch entbehrlich werden würde, iſt nicht in Erfüllung gegangen. Mitder ſchnelleren und daher billigeren Produktion iſt der Verbrauch gewachſen und die Hand des Menſchen iſt bei
Allem unentbehrlich. Eine Wunder enthüllende Entdeckung war die des
Das Streben, klug zu ſparen, hat Vereine hervorge⸗ rufen, die es auch den Unbemittelten möglich machen, die Vortheile zu genießen, welche ſonſt nur der Beſitz des Kapitals gewährt.
Unſere Stadt beſitzt ſolcher Anſtalten mehrere, von denenzwei, eine Lebensverſicherungs⸗ undeine Feuer⸗ verſicherungsbank, weit über die Grenzen unſeres Lan⸗ des hinaus wirken. Die Landeskreditanſtalt, die Sparkaſſe, der Verein für Arbeitsbedürftige, die Vorſchußkaſſe für Ge⸗ werbetreibende u. ſ. w. bezeichnen den Sinn für Gemein⸗ nützigkeit, der unter uns in erfreulicher Weiſe verbreitet iſt.
Landwirthſchaft, Gewerbe und Handel vereinigen ſich, um das äußere Leben des Menſchen mehr und mehr be⸗ haglich zu geſtalten. Dazu trägt ſchon der geſteigerte Verkehr der Nationen unendlich viel bei. Die ungeheure Erweiterung des Marktes, die Weltausſtellungen der Induſtrie, ſind gleichfalls dazu ein weſentliches Mittel geworden, indem ſie die induſtrielle Entwickelung förder⸗ ten. Letztere iſt zu einer Höhe getrieben worden, daß ſelbſt der Krieg der letzten Jahre keine bedeutenden Störungen hervorzurufen im Stande war.
Auch die Kunſt blüht in unſern Mauern, die Malerei, Bildhauerei und Muſik haben namhafte Vertreter unter
uns, deren Werke die Nachwelt noch ſchätzen wird. Unſer
Fürſt, ſelbſtthätiger Künſtler, fördert und ſchützt, wie Handel und Gewerbe auch die Kunſt.
Unſere Zeit charakteriſirt vor Allem das Streben, die Wiſſenſchaften und die Vortheile, welche ihre Kenntniß bietet, möglichſt allgemein zu machen und ſelbſt die Heroen derſelben verſchmähen es nicht, von der Höhe ihrer Wiſſenſchaft herabzuſteigen, um dem Volke zu lehren, was ſie erforſchten und was ihm nützen kann. So ſind ſchon jetzt die Wiſſenſchaften, nicht wie früher das Eigenthum Einzelner, ſondern ſie ſind Gemeingut Aller geworden.
Auch wir rufen zum Schluſſe unſerer Schilderung den Nachkommen zu: Ihr werdet höher ſtehen als wir, blicket deshalb nicht ſtolz auf uns herab, denn auch Ihr werdet, wie wir, immer noch erkennen, daß Demuth uns Sterblichen gebührt, daß Ihr noch weit entfernt ſeid
von der Erkenntniß des innerſten Weſens aller Dinge, welches allein der Unerforſchliche beſitzt, deſſen Schutz
Dreſch⸗, Säe⸗ und Mähmaſchinen, Pflüge von trefflicher h⸗,) g
Konſtruktion ſtehen jetzt den Feldbauern zu Gebote. Aber auch die wiſſenſchaftlichen Kenntniſſe von dem Leben der Pflanzen ſucht der Praktiker zu erlangen.
Die Gewerbe und Fabriken entfalten gleichfalls eine lebhafte Thätigkeit; Kunſt und Wiſſenſchaft wirken vereint dahin, die Produkte ihrer Thätigkeit zu veredeln,
wir uns und Euch empfehlen.“
Das iſt der Inhalt der Gedächtnißurkunde, welche unſeren Nachkommen ſagen ſoll, was wir am Schluſſe des Jahres 1856 der Aufzeichnung werth hielten. Freilich iſt es nur das Hervorragendſte, was hier niedergeſchrie⸗ ben iſt; hätte man in gleicher Weiſe, wie es 1784 noch möglich war, das Wichtigere deſſen, was wir in der Kenntniß der Natur errungen haben, aufzeichnen wollen, ſo würde es ein voluminöſes Werk geworden ſein.
V


