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Achatſchleiferei zu Oberſtein
hielt Margreth' es nicht für nöthig, ihn davon zu benach richtigen. Der junge, muntere Cornet, welcher ſeinem mürriſchen älteren Kameraden ſcharf auf die Finger ſah und den mancherlei Neckereien, zu denen der alte Kriegs mann ſich aus bloßer Gewohnheit gern hinreißen ließ, ſteuerte, gewann in Kurzem das Zutrauen aller Bewoh ner von Bombüll. Am meiſten hingen ihm die Kinder des Hofbeſitzers an, mit denen er ſpielte, denen er irgend ein Geſchenk mitbrachte und die er, hielt er ſich auf Bom büll auf, faſt immer um ſich hatte. Nur einen Einzigen gab es, dem der ſchwediſche Freiherr auswich. Dieſer Einzige war der Knecht Niß Ipſen. Sture Bjelke be hauptete, der Menſch habe einen böſen Blick und Ipſen ſchwur ſeinerſeits wieder darauf, der Schwede ſtelle ſich nur ſo freundlich, weil er irgend eine Schandthat im Schilde führe. Dies gegenſeitige Mißtrauen der unge fähr gleichaltrigen, jungen Männer machte Beide, ohne daß ſie ſich ſprachen, zu Gegnern, und ſo wenig Einer dem Andern etwas Uebles zufügte, wünſchte doch heimlich Jeder dem Andern zu ſchaden.
Indeß vergingen Wochen und die Bewohner der Wiedingharde gewöhnten ſich bereits an die fremden Kriegsleute. Auffallende Exceſſe kamen nur ſelten vor, an häufigen Reibungen aber fehlte es nirgends. Dieſe mehrten ſich ſogar mit der längeren Dauer der Beſetzung des Landes, da die Schweden als Herren auftraten und von Jedermann Gehorſam heiſchten. Klagen, welche darüber bei den ſchwediſchen Befehlshabern einliefen, fan⸗ den nicht immer Beachtung, denn die Kriegsleute woll ten bemerken, daß gewöhnlich die ſtarre Hartnäckigkeit der widerhaarigen Frieſen den erſten Anlaß zu den meiſten vorkommenden Mißhelligkeiten gebe. So ward denn nach und nach das anfänglich ganz erträgliche Ver hältniß zwiſchen den Eingeborenen des Landes und dem ſchwediſchen Kriegsvolke ein immer geſpannteres, immer drohenderes, und hielten die Frieſen auch aus Klugheit an ſich, ſo lagen die Sachen doch ſo kraus und wirr, daß die geringſte Veranlaſſung einen heftigen Zuſammenſtoß hervorrufen konnte.
(Fortſetzung folgt.)
Beſuch einer Achatſchleiferei zu Bberſtein.
Von
Wer kennt ihn nicht, den rothen glänzenden Stein, der tauſend Mädchen und Frauen ſchmückt,— den Achat? Wie Wenige mögen aber wiſſen, auf welche Weiſe dieſer, Stein ſeinen Glanz, ſeine Formen erhält! Wir laden deshalb unſere freundlichen Leſerinnen— und wohl auch mancher unſerer geehrten Leſer wird uns gern
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folgen!— zu dem Beſuch einer Achatſchleiferei ein,
E. L.
damit ſie erfahren und ſehen, welche Vorbereitungen unſer Stein erhalten muß, ehe er ſie ſchmücken kann.
Der größte Theil der Achatſteine, ja, man kann ſagen alle, welche gegenwärtig in den Handel gelangen, ſind in Oberſtein bearbeitet worden, und eine Achatſchleiferei zu Oberſtein iſt es, wohin wir unſere freundlichen Leſerin⸗ nen führen.
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