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das heftige Gebell Tiger's, der in wilden Sprüngen um den Hof raſ'te und bald auch Claas zum Verlaſſen ſeiner Kammer nöthigte. Alle Bewohner des Hofes wurden von dem Lärmen des Hundes allarmirt.
Claas verließ in Begleitung ſeines Knechtes das ſchützende Dach und verfügte ſich nach dem nächſten, land⸗ einwärts ziehenden Binnendeiche. Der Himmel war be wölkt, neblig. Hin und wieder um die einzeln liegenden Marſchhöfe ballte ſich der Nebel zu grauen, feſtſtehenden Schatten zuſammen. Im Zenith nur blinkten und fun⸗ kelten hin und wieder einzelne Sterne. Auch über der See lag der Nebel in breiten weißen Schichten. Keine Welle hob ſchimmernd ihren wolligen Saum aus der grauen Fläche, nur die Brandung ſchlug eintönig ſurrend an das künſtliche Steinriff, das den Außendeich begrenzte und ſchützte. Die Horchenden vernahmen jetzt deut⸗ lich weiter vom Lande her Waffengeräuſch, Gemurmel dumpfer Stimmen, ab und zu einen lauteren Ruf, Ge⸗ wieher trabender und galloppirender Pferde.
„Es ſind die Schweden,“ ſprach Claas niedergeſchla⸗ gen.„Wenn die Sonne aufgeht, wird das Land von dem Kriegsvolk wie von Heuſchrecken überſchwemmt ſein. Gott ſchütze uns vor dem Uebermuthe und den Freveleien die⸗ ſer Geſellen!“
„Soll wohl ſo ſein, Baas, aber ich will aufpaſſen,“ verſetzte Niß Ipſen.
Die beiden Männer gingen ſchweigend zurück nach Bombüllhof. Hier wieder angekommen, legte Baas den Hund an die Kette, um Unglück zu verhindern, unterrich⸗ tete die Seinen von dem Einzuge der Schweden in die frieſiſche Marſch, und traf Vorkehrungen, die fremden Gäſte zu empfangen.
Dieſe ließen nicht lange auf ſich warten. Beim erſten Grauen des Tages hielt kaum hundert Schritte von Bombüll eine Reiterſchaar, von welcher drei Mann dem Hofe zuritten.
Claas empfing die ſchwediſchen Eindringlinge an der großen Pforte, zwar wortkarg, doch höflich. Hinter ihm ſtanden ſeine beiden Kinder und blickten neugierig⸗ſchüch⸗ tern zu den bärtigen Männern auf, die martialiſch drein ſahen und ſich die gewaltigen Knebelbärte ſtrichen, wäh⸗ rend die breiten ſchweren Pallaſche unter den ſtampfenden Thieren gegen die hohen Reiterſtiefel ſchlugen. Auch Margreth' ſchlich ſich hinter die Kinder, machte einen lan⸗ gen Hals und warf einen flüchtig forſchenden Blick auf die draußen noch immer im Sattel Sitzenden. Ein lautes Huſten im Pferdeſtalle ſcheuchte jedoch die ſchlanke Frieſin ſchnell wieder zurück..
Inzwiſchen hatte der Herr von Bombüllhof ſich mit den Schweden verſtändigt. Er rief jetzt dem Knechte, daß er für die Pferde der ſchwediſchen Herren ſorge, und bat dieſe, welche ſchon abgeſtiegen waren, ſeine Behauſung zu betreten. Nur Zwei blieben vorläufig auf Bombüll, der Dritte ſprengte zurück zu dem haltenden Troß und führte dieſen weiter nach dem zunächſt gelegenen Hofe in der Wiedingharde.
Die beiden Schweden, welche fortan auf ungewiſſe Zeit als Gäſte im Hauſe des wohlhabenden Claas ver⸗ weilen ſollten, machten keineswegs den Eindruck wüſter, rückſichtslos handelnder Kriegsleute. Es war ein ält⸗ licher Mann und ein noch ſehr junger Herr. Letzterer, der den Rang eines erſten Cornet bekleidete, mußte aus guter Familie und ungleich vornehmer, als ſein älterer Begleiter ſein. Er trat mit dem Anſtande eines Mannes
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von Welt auf, der gewohnt iſt, Befehle zu geben und dieſe ohne Widerrede befolgt zu ſehen. Sein Aeußeres machte den gefälligſten Eindruck, und obwohl er gern zu befehlen ſchien und aller Widerſpruch ihn offenbar ſehr unangenehm berührte, kleidete er jetzt doch ſeine Befehle in die Form freundlicher Bitten ein, ſo daß die blühende Margreth' nicht umhin konnte, recht flink die Wünſche des ſchwediſchen Cornet zu erfüllen.
Niß Ipſen ließ ſich nicht ſehen. Er beſorgte die Pferde der Schweden, zwei junge, muthige Thiere von guter Race, um deren Beſitz er die Fremden beneidete. Aus Liebhaberei, und weil es ſo ſchön und trefflich ge⸗ haltene Thiere waren, pflegte er ſie mit der nämlicher Sorgfalt, wie die Pferde ſeines eigenen Brodherren. Die ſchwediſchen Herren aber betrachtete er nur von Ferne.
„Der junge Herr, ein Baron aus großer Familie, ver⸗ ſteht Deutſch, berichtete Margreth'ihrem Verlobten.„Das iſt mir lieb, man kann ihm doch leichter den Willen thun.“
„Thue, was Du mußt, aber höre nicht auf ſein Geſchnack.“
„Er iſt auch viel zu ſtolz, um einer dienenden Magd nur das Zuhören zu geſtatten,“ erwiederte etwas ſpitzig das Mädchen.„Müßte er nicht mit der Geſellſchaft des Baas zufrieden ſein, ich glaube, er würde auch dieſem kein Wort gönnen.“
Ipſen wiegte gleichgiltig den Kopf hin und her, und pfiff
e Melodie eines damals beliebten Volksliedes, das ſich aus dem Reiche bis in die nordiſchen Horden Schleswigs durch wandernde Handwerksburſchen verpflanzt hatte.
Sture Bjelke, wie der Cornet ſich nannte, verſäumte inzwiſchen nichts, um den Hofbeſitzer und deſſen ſtille Frau ſich gewogen zu machen. Er blieb höflich und machte durchaus keine ungebührlichen Anſprüche. Heiteren Temperamentes und lebensluſtig, ſah er am liebſten frohe Geſichter um ſich. Auch erwies er ſich als großer Kin⸗ derfreund. ⸗Dem Buben Uwe ſchnallte er den ſchweren Pallaſch um, und wollte ſich ſchütteln vor Lachen, als der
muntere Junge mit dem gewichtigen Bandelier geziert, die weite Diele auf⸗ und abmarſchirte. Dem jungen
Mädchen zeigte er allerlei Koſtbarkeiten, unter Anderm auch das Bruſtbild einer ſchönen jungen Dame in golde⸗ nem Medaillon. Er nannte ſie Gräfin und ſagte der Frau vom Hofe, daß er ſich vor Beginn des Feldzuges dieſer jungen und ſchönen Dame verlobt habe.
Margreth' ging gerade vorüber, als die kleine Elſe das blinkende Medaillon, das an goldener Kette hing, der Mutter zeigte. Sie blieb ſtehen, um es ebenfalls zu betrach⸗ ten. Als Elſe das Kleinod dem ſchwediſchen Herrn wieder zurückgeben wollte, reichte es der Baron auch der Frieſin.
„Schau zu, iſt's nicht ſchön?“ ſagte er mit fremdlän⸗ diſchem Accente, der jungen Magd heiter in die großen, klaren Augen blickend.
Margreth' ſchlug verwirrt den Blick nieder und erröthete. Sie erfaßte das Medalllon, aber ſie ſah nichts von dem darin enthaltenen Gemälde. Zitternd gab ſie es dem Cornet zurück.
„Ein ſchönes Kind,“ ſprach Sture Bjelke. ſchön, ſehr jung und ganz blöd. jungen Mädchen.“
Er lachte wieder in herzlich gutmüthigem Tone und begann auf's Neue, die Kinder neckend, mit Claas zu plaudern.
Ipſen war glücklicherweiſe nicht Zeuge dieſer An⸗ ſprache ſeiner Braut durch den Schweden geweſen; auch
„Sehr
Ich mag das leiden an
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