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denken, daß ich wegen gemeinen Mauſens hintergeſteckt worden bin. Sehen Sie! Wir hatten vorgeſtern Faſt⸗ nachtsball auf Birkholzens und die Königin unſrer dor⸗ tigen Tänzerinnen hatte mir, wegen ihr erwieſener Ge⸗ fälligkeit von meiner Seite, den erſten Cotillon zugeſagt. Wie ich nun mit meiner Schönen zum Tanz antreten will, kommen drei luftige Schneidergeſellen und wollen mir meine Tänzerin unter dem Vorwande ſtreitig machen, daß dieſelbe jedem von ihnen gleichfalls den erſten Cotillon verſprochen hätte. Von Worten kam es zu Thätlichkeiten, wobei ich dem Streite dadurch ein raſches Ende machte, daß ich den drei Nähnadelhelden die Knochen weich ſchlug und ſie aus dem Saale warf. Sie h'aber kehrten mit Succurs zurück und es entſpann ſich eine allgemeine Prügelei, in deren Verlauf eine Patrouille dazwiſchen kam und mich als den angeblichen Urheber des Krawalls ein⸗ wickelte.“
„Heißt jene Ballkönigin vielleicht Marianne Nied⸗ lich?“ fragte Julius bänglich.
„Ja wohll ei ja!“— entgegnete Kropf—„Sie ken⸗ nen das wundervolle Ding auch? Eine wahre Sünde, daß ein ſolcher Engel in der Küche dienen und brodeln ſoll, anſtatt das Ballet des Hoftheaters zu zieren. Nun, viel⸗ leicht gelingt mir's doch noch, ſie unter das Balletcorps zu bringen. Ich hoffe, daß ich wegen der durchgebläuten Schneiderſeelen nicht länger hier werde brummen müſſen,
und dann ſoll Mariannes Verſorgung mein erſtes Ge⸗
ſchäft ſein.“
Hier brach Julius das Zwiegeſpräch unter dem Vor⸗ wande von Kopfweh ab, und in der That drohte ihm nach dem heute Erlebten und Gehörten das Haußt zu zer— ſpringen.
Als am nächſten Morgen das Tageslicht den beiden Gefangenen erlaubte, ſich gegenſeitig genauer zu betrach⸗ ten, that ſolches Julius mit beſonderer, jedoch verſtohlener Aufmerkſamkeit.
Bald begann der Agent wieder ſein Geſchwätz.
„Graveur ſind Sie alſo, Herr Pech? Hml eine ſchöne, einträgliche Kunſt! Ich wollte, ich könnte ſie auch. Dann ſtäche ich Platten von Kaſſenſcheinen und Banknoten und druckte davon in die Million. Das iſt nichts Unrechtes. Denn thun nicht Kaiſer, Könige und andere Fürſten daſſelbe, nur mit dem Unterſchiede, daß ſie nicht ſelbſt ſtechen und drucken, ſondern dieſe Mühe Anderen über⸗ tragen? Meinen Sie das nicht auch?“
„Ich bin nicht Ihrer Anſicht“— erwiederte Julius —„und möchte auch nicht mein Leben im Zuchthauſe be⸗ ſchließen.“
Das ſind Philiſteranſichten“— verſetzte der Agent —„und nur ein Dummer läßt ſich erwiſchen.“
Der Gefangenwärter, welcher das Früſtück brachte, unterbrach hier das Geſpräch.
„Melden Sie“— ſprach Julius zu jenem—„dem Herrn Actuar, daß ich verhört zu werden wünſche.“
„Ich werde es ausrichten, Herr Pech!“ nickte der Wärter und entfernte ſich.*
„Was haben Sie vor?“ fragte voll Eifer der Agent. „Doch nicht etwa ein Geſtändniß abzulegen, das man von Ihnen zu hören wünſcht? In dieſem Falle verdienten Sie, Pech bis an Ihr Ende zu bleiben. Leugnen, Leugnen! heißt das einzige, große Loſungswort derer, welche mit der Polizei und der Gerichtsbehörde zu thun bekommen. Bleiben Sie beim Leugnen und die Pforten jedes Kerkers werden ſich endlich Ihnen erſchließen müſſen.“
„Ich habe nichts abzuleugnen“— ſprach Julius un— willig.
Im Verhöre ſagte jener aus, wie er in ſeinem Mit⸗ gefangenen den geſtern ſo eifrig unter den Hofdienern ge ſuchten Mann entdeckt zu haben glaubte, von welchem ihm die Anfertigung jenes Petſchafts übertragen worden wäre. Sowohl der Ton ſeiner Stimme, als auch das mit einem ſcharfen Hauche ausgeſprochene A, ſo wie end⸗ lich das während des Sprechens zuweilen halb zuge— kniffene linke Auge des Agenten hätten den Graveur dieſe Entdeckung machen laſſen.
Der Actuar nahm dieſe Ausſage zu Protokoll und ſendete Julius in ſeine Haft zurück. Am nächſtfolgenden Tage wurde derſelbe von ſeinem Mitgefangenen erlöſet, deſſen Geſchwätz und verdammliche Grundſätze ihm noch läſtiger fielen, als die frühere Einſamkeit. Zehn lange Tage und Nächte noch verlebte Julius im Gefängniß, ohne daß man ihn wieder verhört oder ſeine Bitte erfüllt hätte, durch Beſchäftigung mit ſeiner Kunſt die Lange⸗ weile vertreiben zu dürfen. Endlich ließ ihn der Actuar vor ſich rufen und eröffnete ihm, daß man ihm nichts weiter zur Laſt legen könne, als ohne genügende Voll⸗ macht ein Petſchaft geſtochen zu haben, deſſen Mißbrauch unberechenbar in ſeinen Folgen ſei. Als Strafe dafür habe er die beſtandene Haft anzuſehen und dieſe für die Zukunft zur Warnung ſich dienen zu laſſen. Jetzt ſei er frei und könne gehen, wohin er wolle.
Als Julius das Polizeihaus hinter ſich hatte, war ihm wie einem Betrunkenen zu Muthe. Mechaniſch tru⸗ gen ihn ſeine Füße nach ſeiner Wohnung, in welcher er die deutlichen Spuren einer genauen Durchſuchung ſeiner Habe, von Seiten der Polizei, vorfand. Niedergebeugt von dem Gefühl der Scham und Schande ſchlich er ſpäter in die Hausmannswohnung des Schleier'ſchen Hauſes, um ſeinen Glaskaſten in die Hausflur zu kutſchiren und ſeine Arbeit wieder zu beginnen.
„Sind Sie glücklich wieder da? Sie armer Herr Pech!“ ſprach der Hausmann mitleidig zu dem niederge⸗ beugten Petſchirer.„Na, tröſten Sie ſich! So etwas kann Einem begegnen, der Frau und Kinder hat. Ich aber an Ihrer Stelle ließe mit großer Schrift in das Tageblatt ſetzen, weshalb Sie 15 Tage lang haben brummen müſſen, damit Jedermann erſähe, daß Sie kein Dieb ſeien, ſondern unſchuldig gelitten haben.“
Stumm ſchüttelte Julius hierzu den Kopf und ſetzte ſich an ſeine Arbeit nieder. Nach zwei Stunden erſchien ein junges und hübſches Mädchen vor dem Glaskaſten, welches erröthend zu dem Künſtler anhob:
„Herr Pech! Sie ſollen die Güte haben und zu mei⸗ nem Herrn, dem Oberpoſtrath, hinaufkommen.“
„Sogleich ſtehe ich zu Dienſten!“ erwiederte Julius
und ſagte zu ſich ſelbſt:„Er wird mich noch vor Ablauf des Vierteljahrs, vielleicht heute ſchon, aus ſeinem Hauſe weiſen wollen. Nun, meinetwegen! Jetzt iſt mir Alles gleich.“ „Lieber Herr Pech!“— redete der Oberpoſtrath den Graveur mit liebreichem Tone an—„ich habe Ihnen Abbitte zu leiſten, weil ich durch meine voreilige Anzeige von dem falſchen Kaſſenſcheine den Verdacht gegen Sie vermehrt hatte. Laſſen Sie mich etwas weit ausholen. Sehen Siel anfänglich gefielen Sie mir recht wohl unt beſonders darum, weil ich Sie jeden Sonntag ſo aidein er in der Kirche erblickte. Auch ſaßen Sie fleiſagerin ihm Dachs über Ihrer Arbeit und waren
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