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Was b eliebt.
Ludwig Storch. Es wird viele Leſer unſeres Blattes intereſſiren, aus einem Briefe des Thüringiſchen Dichters, den er ſo eben an den Herausgeber d. Bl. geſchrieben, folgende Notizen über ſein gegenwärtiges Leben zu vernehmen. Er be⸗ richtet aus Leopoldſtadt bei Galgocz:„Nachdem ich genöthigt war, mein freundliches Aſyl(in Bayreuth), wo ich ſo gern mein Leben beſchloſſen hätte, wieder zu verlaſſen und Deutſchland den Rücken zu kehren,— Gott weiß, daß ich es nicht gern that!— ſo lebe ich jetzt in der kleinen Feſtung Leopoldſtadt an der Waag, da wo ſie aus ihrem hochromantiſchen Thalgrunde heraustritt, nicht weit von Trentſchin und nur drei Stunden von Tyrnau, dem„deutſchen Rom“, obgleich es eine ſlowakiſche Stadt iſt. Bei den Jeſuiten in Tyrnau bin ich eingeführt und vertrage mich wohl mit ihnen, eben ſo mit den Franziskanern, die in einem großen prächtigen Kloſter am jenſeitigen Ufer der Waag wohnen.— Ungarn iſt ein in jeder Hinſicht höchſt merkwürdiges Land, eine wahre Muſterkarte von Kurioſitäten. Und unter die eigentlichen Ungarn(Magyaren) bin ich noch gar nicht ge⸗ kommen; ich hauſe im Slowakenlande. Die Slowaken aber ſind der Urtypus der Slawen, ein höchſt eigenthümlicher Men⸗ ſchenſchlag, der die Raceneinheit der Krieger Tamerlan's und Dſchingiskan's bewahrt hat. Deutſch wird nur in den Städten und größeren Märkten geſprochen, und auch da nur ausnahms⸗ weiſe.— Kaum vierzehn Tage im Lande erkrankte ich heftig am Typhus und brachte ſechs Wochen auf dem Siechbette zu. Jetzt bin ich endlich wieder geneſen und werde nun für den Feier⸗ abend viel des Intereſſanten aus Ungarn berichten.“
Hülfskaſſen für die Handwerker. Die Handwerker machen einen großen und wichtigen Theil unſeres Volkes aus und es muß daher unſre Aufmerkſamkeit und Fürſorge ganz beſonders auf ſie gerichtet ſein, zumal, da es keines Beweiſes bedarf, daß dieſer Stand durch die Fabriken und andre Zeitverhältniſſe unendlich gelitten hat. Mit Recht ſind demnach verſchiedene Mittel vorgeſchlagen und angewendet worden, um tüchtige Handwerker theils heranzubilden, theils zu ſtützen und zu halten, wenn es ihnen noththut. Der im Jahre 1844 entſtandene„Central⸗ verein für das Wohl der arbeitenden Klaſſen“ im Königreiche Preußen erſtrebte deßhalb auch vornehmlich: a) Errichtung von Spar⸗ und Prämienkaſſen(mit höheren Zinſen); b) Bildung von Kranken⸗ und Sterbekaſſen, Unterſtützungs⸗ und Penſions⸗ kaſſen; c) Anlegung von Schulen für die Fortbildung der in den Fabriken beſchäftigen Kinder und von Bewahranſtalten für die Kinder der Fabrikarbeiter; d) Verbreitung gemeinnütziger Kennt⸗ niſſe durch Schriften und mündlichen Vortrag u. ſ. w..
Unter allen dieſen und andern Mitteln ſind ſ. g. Hülfs⸗ oder Credit⸗oder Vorſchuß⸗Kaſſen aber ganz beſonders nothwendig und heilſam, namentlich in Städten, wo die Hand⸗ werker ſich zuſammendrängen, obgleich auch auf dem Lande, wenn ſie einen ganzen Kreis umfaſſen, ihr Segen nicht zu ver⸗ kennen iſt. Dieſe Kaſſen ſollen dem Handwerker, der ſein Ge⸗ ſchäft beginnt und wenig Bekanntſchaft hat, der in momentaner Geldnoth ſich befindet und Gefahr läuft, in die Hände von Betrü⸗ gern und Spekulanten zu fallen, welcher aus irgend einem Grunde einen Vorſchuß gegen mäßige Zinſen braucht,— aushelfen, mit Rath und That zur Hand gehen, ihn vor dem Untergange be⸗ wahren, ihm Muth und Vertrauen einflößen. Die Rückzahlung des Darlehns hat in einer oder mehreren Raten zu geſchehen, je nachdem der Handwerker es am beſten vermag. Solcher Kaſſen giebt es bereits eine Menge und es wäre gewiß recht wünſchens⸗
werth, wenn ihre Entſtehung und Entwicklung in dieſen Blättern zur Kenntniß und Nachahmung Anderer mitgetheilt würde.
Die Ehen in Canada werden ohne viele Umſtände und ohne großen Zeitverluſt geſchloſſen, und diejenigen, welche in einem einzigen Tage verabredet und eingegangen werden, werden nicht zu den ſchlimmſten gezählt. Man wird vorgeſtellt, plaudert einige Minuten, geht zur Behörde, wird getraut und reiſt mit der jungen Frau ab: dies Alles iſt das Werk weniger Stunden. Folgender Fall möge zum Belege des Geſagten dienen: Ein angeſehener Deutſcher, der in Torvato wohnt, ging nach Rocheſter eine Frau zu ſuchen. Der Heirathsluſtige war Wittwer und Vater vier lebender Kinder; ſein Fall war ſomit ſchwierig. Er begehrte eine Frau, die jung und ſchön und dabei geneigt wäre, die ſchwere Laſt ſeiner Haushaltung auf ſich zu nehmen. Er ſucht zunächſt in der Umgebung, ohne eine Frau nach ſeinem Geſchmack zu finden; ſodann in der Stadt ſelbſt mit dem gleichen ſchlechten Erfolge. Zum Glück hatte er einen Freund, der eine bedeutende Stellung in der Grafſchaft einnahm. Dieſer kannte alle Einwohner der Stadt genau und ſetzte ſich in den Kopf, ſeinem vertrauungsvollen Freund noch am ſelben Tage zu einer Frau zu verhelfen. Wirklich fanden bereits in der nächſten Viertelſtunde die Eröffnungen mit den Angehörigen eines ganz netten Mädchens ſtatt; in der nächſten Stunde reichte ſich das heirathsluſtige Pärchen vor der Behörde die Hände und wenige Augenblicke nachher ſaßen beide, bereits ſehr verliebt in einander, im Wagen, um nach Torvato zurückzukehren.
Der Rönig von Siam in Hinterindien iſt ohne Zweifel der einzige Potentat der Welt, welcher eine weibliche Leibgarde beſitzt, ein trefflich einexercirtes Mädchenbataillon von 400 Köpfen. Dieſe werden aus den ſchönſten und kräftigſten Mädchen des Landes ausgewählt, treten mit dem 13, Jahre in den Dienſt, mit dem 25. in die Reſerve. Bei ihrem Eintritt legen ſie das Gelübde der Keuſchheit ab und nur durch die Auf⸗ nahme unter die Zahl der legitimen Frauen des Königs werden ſie davon entbunden. Bei dieſer Wahl läßt ſich indeſſen der König nicht ſowol durch Rückſicht auf Schönheit, als auf militäriſche Auszeichnung leiten; die Ausſicht auf eine ſolche Erhebung unterhält daher in den weiblichen Corps einen außer⸗ ordentlichen Wetteifer. Das Bataillon iſt reich uniformirt; die Hauptwaffe iſt die Flinte, welche ſehr geſchickt gehandhabt wird. Es beſteht aus vier Compagnien, zu 100 Mädchen; die, welche beim Manövriren ſich am geſchickteſten und fähigſten zeigt, wird vom König zum Commando der Compagnie ernannt. Dieſe Leibgarde begleitet den König auf jeder Expedition, und auf der Jagd oder auf dem Spaziergange iſt er ſtets von einer Ab⸗ theilung derſelben umgeben. Zwei volle Tage ſind wöchentlich Uebungen im Lanzen⸗ und Säbelfechten, im Piſtolen⸗, Flinten⸗ und Büchſenſchießen gewidmet. Die Geſchickteſten werden vom König, der dieſen Uebungen von Zeit zu Zeit beiwohnt, durch Armbänder und andere Schmuckſachen ausgezeichnet. Selten kommen in dieſem eigenthümlichen Corps Strafen vor; öfter Zwei⸗ kämpfe. Dieſe müſſen vom Bataillonscommandanten genehmigt ſein und finden ſtets mit blanker Waffe und in Gegenwart der Compagnie, welcher die Kämpfenden angehören, ſtatt. Sie endigen oft mit dem Tode einer der Fechtenden, die dann mit großer Feier⸗ lichkeit beerdigt wird, während die Ueberlebende zwei Monate ſich zurückzieht, faſtet und betet. Dieſes weibliche Corps dient der ganzen übrigen ſiameſiſchen Armee zum Muſter, die ſeine Ueber⸗ legenheit anerkennt, ſeinen Muth bewundert und ihm nacheifert.
Verlag von Hugo Scheube in Gotha.— Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha.— Druck von Gieſeche& Devrient in Leipzig.
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