-
— 2-
.———*
2. Eine zweite Art von Schneeflocken beſteht aus einem flachen oder kugeligen Kern mit äſtigen Zacken in verſchiedenen, gegeneinander liegenden Ebenen, was ſich aber nicht füglich auf der Ebene des Papiers durch eine Zeichnung darſtellen läßt.
3. Feine Spitzen oder ſechsſeitige Prismen, die biswei⸗ len ſehr zart und kryſtallartig, bisweilen weiß und rauh ſind.
4. Sechsſeitige Pyramiden, die aber nur ſelten vor— kommen.
5. Spieße oder Prismen, deren eines oder beide En⸗ den in der Mitte eines dünnen Blättchens in Geſtalt einer ſechsſeitigen Scheibe ſtecken, ſind ſehr ſelten.
Bei allen Arten von Schneeflocken ſind die Figuren oft nicht vollſtändig ausgebildet, und in einigen Theilen mangelhaft; die vollſtändigſten und regelmäßigſten Kry⸗ ſtalle erſcheinen bei niedriger Temperatur. Ueberhaupt hat die Kälte in Verbindung mit der ſonſtigen Beſchaffen heit der Atmoſphäre und der Stärke ſowol als auch der Richtung des Windes einen unverkennbaren Einfluß auf die Geſtaltung und Größe der Schneeflocken. Einige der intereſſanteſten zeigt unter einer großen Auswahl noch folgendes Täfelchen.
Uebrigens iſt es keinem Zweifel unterworfen, daß die Geſtaltung dieſer Kryſtalle kein Werk des Zufalls iſt, ſondern daß auch hier ein vom Weltenſchöpfer gegebenes Naturgeſetz vorwaltet, deſſen nähere Erforſchung und Ergründung der Zukunft der Phyſik vorbehalten bleibt.
Zu bemerken habe ich noch, daß ſich bei jedem Schnee⸗ fall nur Eine Art von Flocken zeigt; tritt aber ſchneller Temperaturwechſel ein, ſo kommen auch andere Arten
zum Vorſchein. Durch das allmälige Zuſammenſchmelzen
der Eisnadeln und durch neues Gefrieren entſteht natür⸗ lich die Verſchiedenheit der Flocken, gleichſam wie aus einfachen Blumen bekanntlich auch gefüllte entſtehen. Durch das Zerſchmelzen bilden ſich Flächen oder Täfel⸗ chen, durch das neue Gefrieren geſtaltet ſich das Aus⸗ ſtrahlen neuer Spitzen.
Jedoch auch noch andere ſonderbare Arten von Schnee⸗ flocken erzeugt die Natur.
4—5 Fuß das Gehen faſt unmöglich macht.
So fiel im Jahre 1815 zu
Brunſwik in Nordamerika ein ſehr ſonderbarer Schnee in Flocken, die kleinen Schneeballen glichen; die größern hatten eine ovale Form wie Eier, waren aber ſo locker, daß ſie bei der erſten Berührung auseinander fielen. Es war Schade, daß kein Naturforſcher zugegen war, der die Schneekryſtalliſation hätte unterſuchen und uns eine Ab⸗ zeichnung überliefern können.
Wie ſich von ſelbſt verſteht, kann es blos dann ſchneien, wenn die Temperatur unter dem Gefrierpunkte des Waſſers oder nur wenig darüber iſt. Im letztern Falle entſteht blos ein Gemenge aus Schnee und Regen,
das ſogenannte Schlackerwetter,— indem die in der kältern Region erzeugten Flocken zuſammenſintern, daher außerordentlich groß, aber zugleich unregelmäßig im Ge⸗ füge werden, und in den niedrigern Schichten der Atmoſphäre zum Theil ſchmelzen.
Man pflegt überhaupt den Schnee in vier Klaſſen zu ſcheiden: 1. Staubſchnee; 2. feiner Nadelſchnee; 3. kleiner, mittler und großer Flockenſchnee; 4. Waſſerſchnee.
In allen Gegenden Deutſchlands, hauptſächlich in den nördlichern, fallen nicht ſelten bei anſcheinend ganz heiterem Wetter, bei Windſtille und im Sonnenſchein ganz feine, völlig durchſichtige und winzig kleine Blätt⸗ chen, ſeltener kleine Nadeln herab, die durch die Reflexion des Lichtes glänzend erſcheinen und daher ſowol bei ihrem Herabfallen und Schweben in der Luft, als auch auf einem dunkeln Grunde leicht kenntlich werden. Vermuthlich entſtehen ſie in den unterſten Schichten der Atmoſphäre. Unter den mittlern Breitengraden bilden ſie durch ihren Herabfall keine eigentliche Schneedecke, obgleich ſich das Phänomen bisweilen an mehrern Tagen nach einander erneuert; hingegen unter höhern Breitengraden iſt die Erſcheinung weit häufiger und die Menge des auf dieſe Weiſe erzeugten Staubſchnees oft beträchtlich groß. In Lappland bildet gleichfalls bisweilen dieſer Schnee einen feinen, trockenen Staub, der bei einer Höhe von Er dringt durch die feinſten Riſſe in die Häuſer ein, greift die
Augen ſehr an und iſt, wie Reiſende erzählen, in Nord⸗
amerika eine große Plage des hohen Nordens. Oft iſt die Bildung dieſes Schnees mit einem Nebel verbunden, der in die Gemächer dringt und die Betten nebſt den


