Jahrgang 
1857
Seite
111
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geworden. Die heilige Schrift war von Kindesbeinen an ſein tägliches Brod geweſen und von jeher hatte ſich in ſeinem tiefen Gemüthe zwiſchen unverwüſtlicher Fröhlichkeit ein frommer Ernſt offenbart, ſo daß er von Vielen nicht verſtanden und darum angefeindet, verſpottet und verketzert worden iſt. Die gleichgeſinnten Freunde, welche ſich um ihn ſammelten, hingen dafür mit deſto wärmerer Liebe und Verehrung an dem edlen Manne, der ſich je mehr und mehr von der Welt zurück⸗ zog und in dem Schooß ſeiner Familie, ſowie im Aller⸗ heiligſten ſeines gläubigen Herzens das höchſte Lebens⸗ glück ſuchte und fand. Wie er ſelbſt von einer frommen Geſinnung beſeelt war, ſo impfte er dieſelbe auch ſeinen Kindern ein, und ſie hat ſich, ein beneidenswerthes Erbtheil, auf Enkel und Urenkel fortgepflanzt.

Seine älteſte Tochter, Karoline, verheirathete ſich mit dem Buchhändler Friedrich Perthes in Hamburg, der als Menſch, Chriſt und Geſchäftsmann gleich ausgezeichnet war und ſich und ſeinem Hauſe einen Namen geſchaffen hat, der weit hinausreicht über die Gränzen unſrer deut⸗ ſchen Heimath.

Am Heerde ſeines Schwiegerſohnes feierte Claudius, obgleich ſein Alter immer einſamer ward, noch manchen glücklichen Tag, wie ein ehrwürdiger Patriarch von luſtigen Enkeln umſpielt.

Stab, Hut und Taſche, den Sinnbildern ſeines Lebens⸗ berufes.

Ein ſchöneres Denkmal aber hat er ſich ſelbſt geſetzt in ſeinen Schriften, die in 20,000 Exemplaren verbreitet und in vielen Familien treue Hausfreunde geworden ſind. Zwar hat er keine zahl⸗ und umfangreichen Werke hinter⸗ laſſen; denn die meiſten ſeiner ſchriftſtelleriſchen Arbeiten ſind in 8 Bänden erſchienen(der erſte 1775 und der letzte 1812)*). Während jedoch andere Namen, die ihrer Zeit mit lautem Beifall gefeiert wurden, faſt verſchollen ſind, ſo grünt und blüht das Andenken des unſcheinbaren Man⸗ nes von Wandsbeck fort und fort, und das ſchöne Wort, das Varnhagen von Enſe der ausgezeichnete bio⸗ graphiſche Künſtler, wenn ich mich ſo ausdrücken darf über ihn ſprach, iſt noch jetzt nicht vergeſſen:Er gehört

zu den auserwählten Geiſtern, die von Zeit zu Zeit gleich

Doch der ſtille Feierabend des müden Boten ward

noch einmal arg unterbrochen durch die ſchweren Kriegs⸗ ereigniſſe, die 1813 auch Wandsbeck umdrängten. Der däniſche Flecken ward von den verbündeten Mächten be⸗ droht, und Claudius war genöthigt, als dreiundſiebzig⸗ jähriger Greis, noch einmal den Wanderſtab zu ergreifen und in Holſtein umherzuirren, bis er nach vielen Mühſe ligkeiten in die liebe Heimath zurückkehren durfte(1814).

Allein ſein Herz ſchien gebrochen und er konnte es nicht überwinden, daß Dänemark im Kampfe mit ſeinem deutſchen Vaterlande war. Zu dieſer trüben Gemüths⸗ ſtimmung geſellten ſich körperliche Leiden, die ihn veran⸗ laßten, in das Haus ſeines Schwiegerſohnes nach Ham⸗ burg überzuſiedeln, um ärztlicher Hülfe näher zu ſein. Da rang ſein Körper ſieben Wochen lang gegen die ihm drohende Auflöſung; allein dieſe Zeit war für ſein gott⸗ ergebenes Gemüth eine Zeit des gerührteſten Dankes und faſt ununterbrochener Freundlichkeit und Liebe. Drei Tage lang kämpfte er mit dem Tode, unter heißen Gebe⸗ ten, daß ihm die Verſuchung nicht zu ſtark werden möchte; doch die volle Kraft ſeines Geiſtes behielt er bis zum letz⸗ ten Augenblick. Als er das Ende nahen fühlte, flehte er mit leiſer Stimme:Führe mich nicht in Verſuchung, ſondern erlöſe mich vom Uebel! Dann ließ er ſich den Schweiß abtrocknen und ſagte einige Male:Gute Nacht! gute Nacht! bis ihm die Sprache verſagte. Noch einmal ſchlug er die Augen groß und hell auf und blickte ſegnend nach Rebekka, die ihm dieſelben zudrückte, als er ſanft entſchlummert war. Der 21. Januar 1815 war ſein Todestag. In Wandsbeck ward die entſeelte Hülle zur Erde beſtattet.

Seine treue Rebekka überlebte ihrenAsmus bis zum Jahre 1832. Die 4 Kinder aber, die noch jetzt hienieden wandeln, ſind nun hochbetagt, während das Geſchlecht des unvergeßlichenBoten ſich weithin ver⸗ breitet hat. An ſeinem hundertjährigen Geburtstag(15. Aug. 1840) ward ihm im Wandsbecker Gehölz, wo er ſo

gern geluſtwandelt, ein einfacher Denkſtein geſetzt, mit

Weſen einer höheren Ordnung unter den Menſchen wan⸗ deln, damit deren urſprüngliche Würde und Schönheit in Abbildern ſichtbar bleibe.

Wol ſind die Schriften des Wandsbecker Boten von ſehr verſchiedenem Werthe, und bei aller einfältigen, mit⸗ unter aber auch geſuchten Volksthümlichkeit ſeiner Aus⸗ drucksweiſe, die vielfach nachgeahmt worden iſt, gehört doch eine gewiſſe Bildung dazu, um den mannigfaltigen Inhalt ſeiner Werke, der hin und wieder ſogar in abſtrakte Gelehrſamkeit abſchweift, zu verſtehen. Während in den 3 erſten Theilen ſein launiges, drolliges Weſen mit naturfriſcher Treuherzigkeit zu Tage tritt, ſo wendet er ſich ſpäter, und leider! oft in recht ſteifer, unerquick⸗ licher Weiſe den tiefſten Fragen religiöſer Forſchung zu und wird nicht ſelten ungerecht und bitter gegen alle freien Regungen und Beſtrebungen. Wenn man indeß die Goldkörner ſammelte, die in ſeinen Schriften zerſtreut ſind ſeine gemüthlichen, faſt durchweg ſingbaren Volks⸗ lieder, ſeine unſchuldig⸗ſchalkhaften, wahrhaft ergötzlichen Briefe, ſeine tiefen Sprüche ächtmenſchlicher Lebensweis⸗ heit, ſeine klaren und wahren Schilderungen der Natur, des Volks⸗ und Familienlebens, ſowie die geſündeſten ſeiner religiöſen Aufſätze, man würde ein Volksbuch gewinnen, dem ein Ehrenplatz in allen, auch den neueſten, Volksbibliotheken eingeräumt werden müßte**).

Claudius war in den Jahren ſeiner vollen Kraft eine kerngeſunde Natur, die alles Uebertriebene, Un⸗ wahre verabſcheute; dabei von einer tiefen Frömmigkeit beſeelt, die jedoch in ſeinem Alter, wie wir andeuteten, faſt zur krankhaften Schwärmerei ausartete. Und welch' ein reines, treues, wahrhaft deutſches Gemüth, das mit den Fröhlichen ſich freute und mit den Weinenden weinte!

Wer in den ſpäteren Jahren ihn ſah heißt es in Fr. Perthes' Leben, auch einem köſtlichen Buche mit ſeiner kränklichen Geſichtsfarbe und ſeinem ſchlicht zurück⸗ geſtrichenen, von einem Kamme zuſammengehaltenen Haar, die nicht anſehnliche Geſtalt im bequemen Hausrock, wer ihn in ſeiner plattdeutſchen Mundart reden hörte, der würde ſchwerlich den in dem ſeltenen Manne verborgenen Schatz geahnt haben, wenn nicht ein himmliſches Feuer

aus dem herrlich⸗blauen Auge geſprochen hätte.

*) Asmus omnia sua secum portans oder ſämmtl. Werke des Wandsbecker Boten. Gotha, Fr. A. Perthes. 8 Bde. 7. Aufl. 1844. 2 Thlr. 10 Ngr.; mit Kupfern und Holzſchnitten 4 Thlr. 25 Ngr.

**) Daſſelbe gilt von dem Vorläufer des neueren Volksſchriften⸗ thums, dem alten vortrefflichen Juſtus Möſer, und vielen Andern.