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Nach beendeten Studien kehrte Claudius an den väterlichen Heerd zurück. Indeſſen gelang es ihm bald, in Kopenhagen ein Unterkommen zu finden, und zwar als Secretär beim Grafen Holſtein(1764). Dort trat er mit dem— jetzt freilich faſt vergeſſenen Dichter Klopſtock in Verkehr, welcher ein neues, höheres Leben in ihm weckte. Aber im Geräuſch der Städte fühlte er ſich nicht behaglich und ſchon nach Verlauf eines Jahres zog er wieder in ſein ſtilles Vaterhaus heim. In der Ruhe des ländlichen Lebens beſchäftigte er ſich mit ſchrift⸗ ſtelleriſchen Verſuchen, bis er(1768) als Mitarbei⸗ ter an einer dortigen Zeitung nach Hamburg überſie⸗ delte, wo er mit Leſſing und Herder bekannt und befreundet wurde. Den letzteren gewann er ſo lieb, daß er an ihn ſchreibt:„Ihre Liebe iſt mir wie Liebe der Frauen“; und Herder ſelbſt nennt ihn„eine engliſche Seele unter den Menſchen“, und rühmt ſpäter:„Es iſt ein herrlicher Junge, wie jede Zeile ſeiner Schriften, von raſchem Blick und ſanftem, einfältigem Herzen.“
Seine ſchriftſtelleriſche Thätigkeit, die noch eine ſehr beſchränkte war, vermochte ihm jedoch nicht ſo viel zu gewähren, als ſein Lebensunterhalt erheiſchte, ſo daß er 1770 ſchreibt:„Ich bin jetzt nichts, ich habe nichts— als Schulden.“ Da ward er angegangen, an dem Volksblatt mitzuarbeiten, das unter dem Titel:„Der ⸗Wands⸗ becker Bote“ 1771 in's Leben trat. Mit Freuden ſagte er zu, ohne zu ahnen, daß dieß anſpruchsloſe, löſchpapierne Winkelblatt die Pforte ſeines ſchriftſtelleriſchen Ruhmes werden ſollte.
Er ſiedelte ganz nach Wandsbeck über, welches„durch ihn einer der berühmteſten Marktflecken in Deutſchland geworden iſt“. Dort verheirathete er ſich(1771) mit ſeiner vielgeliebten Rebekka, eines Zimmermanns Toch⸗ ter, die ſchlicht und arm, aber fromm und ſchön und reich an Liebe war. Claudius ſah ſeine Zukünftige, als ſie in die Näheſchule oft vor ſeinem Hauſe vorbeiging, und wurde beſonders aufmerkſam auf ſie durch die trefflichen Antworten, welche ſie am Sonntagsnachmittage in der Kinderlehre gab. Er trat in Verkehr mit dem Vater, indem er ihn öfter auf die Jagd begleitete. Eines Tages kehrte er mit dieſem von einer Jagdpartie in ſein Haus zurück und legte der Mutter und dem Mädchen Zwieback auf den Tiſch. Als er von ihnen gefragt ward, ob er etwas geſchoſſen habe, antwortete er:„Ja, ich habe heute einen guten Schuß gethan.“ Er hatte aber bei dem Vater um Rebekka angehalten und das Jawort be⸗ kommen.
Mit der jungen Frau zogen freilich auch die Nahrungs⸗ ſorgen in ſein Haus, mit denen Claudius ſein Lebenlang gekämpft hat.„Der Wandsbecker Bote“ gewährte nur eine geringe Einnahme und mußte— ein Schickſal, das viele Volksblätter mit ihm getheilt haben!— ſchon 1775 ſeinen Wanderſtab niederlegen. Claudius aber ſammelte die ſchönſten Aufſätze, die er für das Blatt geſchrieben hatte, und gab ſie im Selbſtverlage heraus. Dieß war der erſte Theil der:„Sämmtlichen Werke des Wandsbecker Boten“ denen nach und nach noch ſieben andere gefolgt ſind.
Um dieſe Zeit ward er mit Johann Heinrich Voß bekannt, der ebenfalls nach dem anmuthigen Wandsbeck gezogen war. Die beiden Dichter führten hier ein wahr⸗ haft idylliſches Leben, ſo daß Voß in einem Briefe ſchreibt:„Wir ſind den ganzen Tag bei Bruder Claudius und liegen gewöhnlich bei einer Gartenlaube auf einem
Raſenſtück im Schatten, und hören den Kukuk und die Nachtigall. Seine Frau liegt mit ihrer kleinen Tochter im Arm neben uns, mit losgebundenen Haaren und als Schäferin gekleidet. So trinken wir Kaffee oder Thee, rauchen eine Pfeife und ſchwatzen oder dichten.“
Durch Uebertragungen aus fremden Sprachen — und er verſtand deren zehn— erwarb ſich Clau⸗ dius ein dürftiges Einkommen, das jedoch die Noth und Sorge nicht verſcheuchen konnte, die faſt immer auf der Schwelle ſeines Hauſes ſtanden, bis es der dringen⸗ den Empfehlung des ihm befreundeten Herder gelang, daß er als Oberlandscommiſſarius mit 800 Gulden Gehalt nach Darmſtadt berufen wurde(1776). Hier entwarf Claudius eine vortreffliche Denkſchrift, wie die Volks⸗ wohlfahrt zu fördern ſei, deren Grundſätze noch heutiges Tages alle Regierungen ſich aneignen ſollten, und über⸗ nahm zugleich die Redaction der heſſen⸗darmſtädtiſchen Landeszeitung. Mancherlei Verdrießlichkeiten traten ihm jedoch ſo ſtörend in den Weg, daß er in eine tödtliche Krankheit verfiel und, kaum geneſen, wieder nach dem alten, geliebten Wandsbeck zurückeilte(1777).
In ſeinem baufälligen Miethhaus führte er wieder das alte Stillleben, mit Unterricht, Muſik und Schrift⸗ ſtellerei beſchäftigt. Nur zuweilen gönnte er ſich eine kleine Erholung auf einer nahen Kegelbahn. Seine Familie war unterdeſſen immer zahlreicher geworden. Fünf Töchter ſpielten ſchon um ihn her, als endlich der erſehnte Sohn erſchien, dem noch 5 andere Kinder folg⸗ ten. Die Miethwohnung ward zu eng und Claudius kaufte 1781 mit aufgenommenem Geld ein eigenes Haus nebſt einem großen Garten. 1
Einer ſeiner Freunde hat ein Bild ſeines damaligen Lebens entworfen.„Alles zeigt— ſchreibt er— eine geräuſchloſe, im Stillen glückliche Familie, die eines Sinnes und Herzens nicht nur zu ſein ſcheint, ſondern auch iſt. Vor oder nach dem Abendeſſen nimmt Claudius ſeinen oben gekrümmten Stecken; ſeine Haare hängen ihm unfriſirt und ungepudert über den Rock; er iſt auch nicht bange, wenn ihm die Strümpfe in Falten über die Beine hängen,— und wir durchſtreifen das angrenzende angenehme Wäldchen, wo die Kühle der Luft und der ſchön glänzende Mond öfters in unſere Geſpräche ein⸗ fließt und uns in höhere Regionen führt. Oder wir ſtehen im Garten um den Chor gelber Nachtblumen und warten ſtill den Zeitpunkt ihrer Entwickelung ab. Mich freuen und belehren immer die Fragen der Kinder, die auch hier unſere Geſellſchafter ſind. Der Vater zeigt und erklärt ihnen das Wunderbare dieſer Erſcheinung und wirkt immer auf den Schöpfer. Da iſt's oft, als wenn wir um einen Altar ſtänden. Mann kann es Jedem im Geſichte leſen, daß er von innen opfert.“
Die äußeren Verhältniſſe der Familie beſſerten ſich, da der Mitregent Friedrich von Dänemark dem Dichter einen Jahrgehalt von 200 Gulden auswarf(1785); und alle ſeine beſcheidenen Wünſche waren erfüllt, als ihm 1788 die Stelle eines erſten Reviſors an der ſchles⸗ wig-holſtein'ſchen Bank zu Altona übertragen wurde, deren Verwaltung ihm ſo wenig Mühe machte, daß er in Wandsbeck wohnen blieb und nur manchmal nach Altona hinüberging.
So lebte er gemüthlich fort, bis das Alter ſeine Haare bleichte. Immer entſchiedener neigte ſich ſein Ge⸗ müth einer gläubigen Lebensanſicht zu, ſo daß man ihm den Vorwurf gemacht, er ſei in ſeinen alten Tagen Pietiſt
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