Jahrgang 
1857
Seite
109
Einzelbild herunterladen

nes. ieu der Mann, welcher mir ſo aus Literatur einen nachhaltigen Ein⸗ enn dem Herzen heraus und in das fluß übte und denWandsbecker rm, Herz hinein zu ſchreibenverſteht? Boten, den er mit ſeinen Bei⸗ D Ich möchte ihn wol näher ken⸗ trägen ſchmückte, zu einem Volks⸗ da nen, daß ich voll dankbarer Liebe, blatt erhob, das ſeinen Nach⸗ ihm wenn auch nur im Geiſte, ihm folgern in gar mancher Beziehung ech! die Hand drücken könnte! noch jetzt zum Muſter dienen u Nun, wir wollen es verſu kann. Und leben nicht viele ſei⸗ men chen, dich mit den hervorragend⸗ ner gemüthlichen Lieder(z. B.: ſten Volksſchriftſtellern zu be⸗Am Rhein, am Rhein, da wach⸗ ge⸗ freunden, damit ihre Namennicht ſen unſ're Reben ꝛc., oder: nben mehrwie ein tönendes Erz inWenn Jemand eine Reiſe thut, W deiner Seele verklingen. Wir ſo kann er was erzählen ꝛc. das wollen eine Gallerie be oder:Kommt, Kinder, wiſcht eich gründen, darin ihre Lebensbilder die Augen aus, es gibt hier was der aufgeſtellt werden ſollen, alſo daß zu ſehen ꝛc., oder:Der Mond du ihnen in das Antlitz ſchauſt iſt aufgegangen, die goldnen lins und ihre Schickſale, ihre Be Sternlein prangen ꝛc.) leben ſie ſtrebungen und ihre Verdienſte nicht jetzt noch im Munde des 1 u an deinem Auge vorüberge⸗ Volkes und werden gelernt und en, hen läſſeſt. Dadurch knüpft ſich geſungen, ſo weit die deutſche zwiſchen Schriftſteller und Leſer Zunge klingt? lius ein trautes Band, als ob ſie Und wer war denn dieſer 2 alte Bekannte, liebe Freunde Mann? Das war Asmus, der fül⸗ wären. Dadurch wird das, Wandsbecker Bote, wie er be⸗ was jene Männer aus dem rei⸗ ſich ſelber zu nennen pflegte. So⸗ chen Schatze ihres Geiſtes zu eben iſt eine ganz vortreffliche lius Tage gefördert, erſt recht ver⸗ und ausführliche Lebensbeſchrei⸗ 4 ſtändlich; denn in dem äußeren. bbbung erſchienen(Matthias aſt, Leben ſpiegelt ſich mehr oder weniger die innere Werk⸗ Claudius, von W. Herbſt, bei F. A. Perthes in Gotha, hoffe ſtatt, aus welcher die Erzeugniſſe ihrer Feder hervorgegan- 1857), die bei den nachfolgenden Mittheilungen im kür⸗ dich gen ſind. Dadurch gewinnſt Du aber auch nach und zeſten Auszuge benutzt worden iſt. vßer nach, wenn du die einzelnen Lebensbilder zuſammenſtellſt, ahin eine unterhaltende Geſchichte der Volks⸗ und Jugendlite⸗ 1. der ratur, die für alle Zeiten ihren Werth und ihre Bedeutung ehen behält. Matthias Claudius. da⸗ Die Reihenfolge, in der wir die verſchiedenen Lebens⸗ en? bilder vorführen, iſt eine zufällige, weder nach der Zeit, Die Wiege des Wandsbecker Boten ſtand hoch im nnen in welcher die einzelnen Schriftſteller lebten und leben, Norden unſeres Vaterlandes, hart an der Grenze des und noch weniger nach der Stellung geordnet, welche ſie däniſchen Volksthums. Sein Vater, Matthias Claudius, eudig auf dem Markt der Literatur einnehmen. Bald zeigen war Paſtor in Reinfeld, einem zweibrückiſchen Markt⸗ /Hal wir Einzelne, die ſchon ſeit Jahren im Grabe ſchlummern flecken unweit Lübeck. In zweiter Ehe gebar ihm ſeine Hülfe und doch in ihren Werken noch fortleben; bald Andere, Frau, Marie geb. Lorck aus Flensburg, dieſen ihren bers die uns fort und fort mit neuen Büchern erfreuen und andern Sohn(am 15. Aug. 1740), der nach des Vaters f die wol auch dem Feierabend ihre Feder widmen. Namen getauft ward. Im frommen, ſtillen Pfarrhaus u be⸗ Alle Nachrichten, die wir bringen, ſind aus den ſicher⸗ wuchs der Knabe ſchlicht und recht heran, bis er die ten ſten Quellen geſchöpft, beſchränken ſich aber vorzugsweiſe lateiniſche Schule zu Ploen, damals der Haupt⸗ und vird auf eine kurze Darſtellung der äußeren Verhältniſſe, Reſidenzſtadt ſeines Vaterländchens, mit ſchwerem Herzen * unter denen die Meiſter unſeres Volks⸗ und Jugend⸗ bézog. Neunzehn Jahre alt, vertauſchte er dieſelbe mit ſchriftenweſens gelebt und gewirkt haben oder noch leben der Univerſität Jena. Dort wollte er eigentlich Theologie und wirken; während das mit dem Feierabend verbun⸗ ſtudiren, denn aus ſeiner Familie waren faſt lauter dene Centralblatt für deutſche Volks⸗ und fromme Seelenhirten hervorgegangen; da er jedoch bruſt⸗ Jugendliteratur auf eine kritiſche Würdigung ihrer leidend war, ſo widmete er ſich bald den Rechts⸗ und ſchriftſtelleriſchen Thätigkeit eingeht. Cameralwiſſenſchaften. Zugleich mit ihm ſtudirte einer ſeiner Brüder Theologie. Als derſelbe von einem frühh zeitigen Tode hinweggerafft ward, hielt ihm der junge Wir eröffnen unſere Gallerie mit der Lebensge⸗ Matthias eine lange Grabrede, die er auch durch den ſchichte und dem Bildniß eines Mannes, der zwar ſchon Druck veröffentlichte(1760). Dieß war ſein erſter ſchrift⸗ . längſt ſeinen Wanderſtab niedergelegt hat, deſſen Name ſtelleriſcher Verſuch, dem nach wenigen Jahren ein Büch⸗ düt edoch, ſowol der Zeit als dem Range nach, in der Ge⸗ lein heiterer ArtTändeleien und Erzählungen folgte, oder ſcchichte unſerer Volksliteratur, wie ſie ſeit der Mitte des welche er als Student gedichtet hatte. Sie ſind verſchol: eine(voorigen Jahrhunderts ſich gebildet hat, in vorderſter len und vergeſſen, da ſie keine Spur der geiſtigen V die Reihe ſteht. Und zwar verdient er dieſe Ehre um ſo Tiefe ahnen ließen, die ſich in ſeinen ſpäteren Schriften uen mehr, als er auf die volksthümliche Ausprägung unſerer offenbarte. rifj

C