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Trauer nicht bei, einen Tanzſaal zu beſuchen oder einem andern Vergnügen nachzugehen. „Haben Sie einen andern Dienſt gefunden?“ fragte Julius am vorletzten Tage des Januars die ſchöne Marianne. „Noch nicht,“ antwortete jene ärgerlich.„Daran aber iſt nur mein alter Drache von Kriegsräthin ſchuld, die mir ein Dienſtzeugniß ausgeſtellt hat, das ich gar Nie⸗ mandem zeigen kann. Leſen Sie einmal hier und über⸗— zeugen ſich ſelbſt von der Bosheit meiner Herrin.“ Julius entfaltete das Papier und las, wie folgt: „Daß Vorzeigerin dieſes, Marianne Niedlich aus Breitenborn, ſieben Monate, als vom 1. Juli 1854 bis mit letztem Januar 1855 als Hausmädchen in meinen Dienſten geſtanden und ſich während dieſer Zeit, ſoviel ich weiß, ehrlich, auch zur Arbeit willig bewieſen hat, be— ſcheinige hiermit. Zugleich fühle ich mich aber noch zu der Bemerkung verpflichtet, daß die Vorgenannte wegen ihres wiederholten, nächtlichen und ohne mein Vorwiſſen unternommenen Umhertreibens auf den öffentlichen Tanz⸗ ſälen aus meinen Dienſten entlaſſen wird.“
VI.
„Was ſagen Sie dazu?“ fragte Marianne böſe.„Was geht meiner Madame mein Tanzen an, wenn ich am Tage meine Arbeit treulich verrichte? Und ehrlich ſoll ich ſein, ſoviel ſie weiß! das heißt mit andern Worten: Mit ihrer Ehrlichkeit iſt's nicht richtig; nur kann ich's ihr nicht be⸗ weiſen und darf es daher nicht in's Atteſt ſetzen. Sie könnten mir einen großen Gefallen erweiſen, lieber Herr Pech! Schreiben Sie mir ein anderes Atteſt und machen Sie dabei die Hand meiner Kriegsräthin nach. Ein Pet⸗ ſchaft mit einem W. haben Sie ja daliegen, wenn auch das C. davor fehlt. Da haben Sie das Atteſt.“
„Das wäre ja Betrug!“ ſprach Julius erſchrocken, „Darauf ſteht Zuchthausſtrafe.“
„Ich dachte gar!“ lachte Marianne.„Es erfährt's ja kein Menſch außer uns beiden. So etwas geſchieht häufig und kräht kein Hahn darüber. Ich verſpreche Ihnen—“ Marianne blickte dem jungen Mann verfüh⸗ reriſch in die Augen,—„einen Kuß dafür; zwei, drei ſogar.“
Hätte die Schlange in ihrer buntſchillernden Ballhaut und unter den Klängen einer ſinneberauſchenden Tanz⸗ muſik vor Julius geſtanden, ſo dürfte deſſen Rechtlichkeit einen ſchweren Kampf beſtanden haben, ja wohl gar in demſelben unterlegen ſein. Daß dies jetzt nicht der Fall war, erleichterte ihm den Sieg. Standhaft wies er des
Gallerie deutſcher Volks-
Der Feierabend erkennt es für eine ſeiner ſchön⸗ ſten Aufgaben, ſeine Leſer mit den Männern vertraut zu machen, die ſich durch ihre Schriften um Bildung, Geſittung und Wohlfahrt des Volkes und der Jugend dankenswerthe Verdienſte erworben haben und noch jetzt erwerben.
Mädchens Anſinnen zurück und ſchmollend ging jenes.
Nach zwei Tagen ſchied Marianne mit einem kühlen Adieu
von dem Petſchirer und aus dem Hauſe. So hatte denn Julius Tante und Geliebte kurz hinter einander verloren, daher er von einem tiefen Gram ſich verzehrt fühlte. Da erſchien nach einer Woche plötzlich Marianne vor dem da⸗ rüber freudig erſtaunenden Künſtler und ſprach zu ihm mit triumphirender Stimme:„Etſch, etſch, Herr Pech! andere Leute ſind nicht ſo bedenklich und ungefällig wie Sie. Da leſen Sie einmal dieſes Atteſt und dann ſchämen Sie ſich in Ihr Herz hinein.“
Julius las ein in den belobendſten Ausdrücken abge⸗ faßtes Dienſtzeugniß mit der täuſchend nachgeahmten Handſchrift der Kriegsräthin und mit einem zierlichen W. unterſiegelt. Mehr aber als die Schrift erregte das Siegel des Petſchirers ganze Aufmerkſamkeit. Sogleich auf den erſten Blick hatte er den Abdruck des einen der ihm einſt entwendeten drei Petſchafte erkannt.
1 hat dieſes Atteſt geſchrieben?“ fragte Julius haſtig. „Das werde ich Ihnen nicht auf die Naſe binden,“
antwortete Marianne. „Ich bitte, ich beſchwöre Sie darum!“ bat Julius dringender.
„Nicht wahr, weil Sie ſo ſchnell meine Bitte erfüll⸗ ten?“ ſprach Marianne höhniſch.„Nein, nein, ich be⸗ halte mein Geheimniß für mich.“
„Haben Sie einen Dienſt gefunden?“ fragte Julius zerſtreut,„und bei wem?“
„Ich ſtehe jetzt in einem ſogenannten Schutzdienſt,“ verſetzte Marianne,„aber mit Hilfe dieſes Atteſts hoffe ich nächſtens ein gutes Unterkommen zu finden. Was ich Ihnen noch ſagen wollte? Heute über 14 Tage iſt großer Faſtnachtsball auf Birkholzens. Wenn Sie bis dahin ein flotter Tänzer geworden ſind, ſo ſollen Sie als der meinige Ihr erſtes Probeſtück ablegen. Aber gut anziehen müſſen Sie ſich und ein paar Thaler aufgehen laſſen, da⸗ mit ich Ehre mit Ihnen einlege. Werden Sie kommen?“
„Ganz gewiß!“ verſicherte Julius und gab Mariannen die Hand darauf. Jene ging.
„Sie iſt mir nicht mehr böſe,“ ſprach Julius freudig zu ſich ſelbſt.„Wie hübſch ſie heute wieder ausſah! Ha! vielleicht gelingt es mir auf dem Balle und mit Hülfe etlicher Gläſer Punſch, den Namen des Atteſtſchreibers zu erfahren und dadurch meinem Petſchaftsdiebe auf die Spur zu kommen. Freilich muß ich gegen denſelben be⸗ hutſam auftreten, damit Marianne wegen des gefälſchten Atteſts nicht mit in die Unterſuchung verwickelt wird. Wie leichtſinnig doch ſolche Mädchen handeln!“
(Schluß folgt.)
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und Jugendſchriftſteller.
Du haſt ſo manches ſchöne Buch geleſen, das dir wunderbar das Herz ergriff; du haſt dich aus dieſer oder jener Schrift erbaut, belehrt, geſtärkt und getröſtet; deine Kinder haben den anmuthigen Erzählungen gelauſcht, die in Scherz und Ernſt die mannigfachſten Lebensbilder vor ihren Blicken entfalteten.
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