Herausgegeben von Heinrich Schwerdt.
Wöchentlich 1 ½— 2 Bogen.
Durch alle Buchhandlungen und alle Poſtämter des Fürſtl. Thurn⸗ und Taxis'ſchen Poſtgebiets
für 12 ½ Ngr., und im Deutſch⸗Oeſterreichiſchen Poſtvereinsgebiete für 15 Ngr. vierteljährlich zu beziehen.
Vollmond.
Gedicht von L. Würdig.
Steig' auf, Herr Vollmond, ſteige auf, Führ' uns dein mildes Licht herauf! Es iſt viel ſchöner in der Nacht, Wenn du beziehſt die ſtille Wacht. Die Sonne ging ſchon längſt zur Ruh'; Komm, lieber Mond, nun ſcheine du!
Da kommt er! Welch'ne dunkle Gluth! Ich glaub' gar, daß er ſchämig thut. Das wär' mir doch zu wunderlich!
Ja, ja, Herr Vollmond, meine dich! Ei ſchämig gar! das fehlte noch,
Du weißt, wie wir dich lieben doch!—
Siehſt du, du kommſt ſchon dreiſter her, Biſt lange nicht ſo ſchamroth mehr! Den Apfelbaum und's Kirchendach Verſilberſt du ſchon allgemach;
Nur immer höher! Flur und Hain, Die harren auch voll Sehnſucht dein!
O wer doch, Mond, wie du, ſo ſchön, Da oben könnt' ſpaziren geh'n!
Und mit den Augen, ſilberrein,
Könnt blicken in die Kämmerlein
Bei Arm und Reich und Klein und Groß! Fürwahr, ein neidenswerthes Loos!
Neugierig biſt du, leugne nicht!
Das ſteht dir klar im Angeſicht!
Dringſt durch den feinſten Ritz und Spalt;— Neugierig noch,— und ſchon ſo alt!—
Je nun, was hilft's?'s iſt ſo dein Brauch; Doch weiß ich, du kannſt Beſſ'res auch!—
Drum wo im engen Stübchen ſind Verſammelt Vater, Mutter, Kind,— Und Lieb' und Frieden iſt zu ſchau'n Und Händefalten,— Gottvertrau'n: Da halt' dich ſtill ein Weilchen auf— Und dann trag's warm zu Gott hinauf!
Und wo nur ſonſt ein Menſchenherz
Sich quält in Sorge, Leid und Schmerz, In Krankheitsnoth, in Seelenpein,— Da woll'ſt du ſegnend nahe ſein; Geneſung, Gnad' und wahre Ruh'
Den armen Brüdern ſpende du!—
Und wer auf böſem Wege iſt
Und Gott, Gebot und Pflicht vergißt,— Dem leuchte du mit vollem Schein
In ſein verblendet Herz hinein,
Und richt' es auf zum lieben Gott
Und mach' zu Schanden Trug und Spott!
Und nun noch Eins, mein lieber Mond, Was mir ſchon lang im Herzen wohnt: Ziehſt du vorbei am Sternelein,
Auf dem mein ſel'ges Mütterlein,— Dann grüß' es hübſch von mir und ſag': „Ich käme nun auch balde nach!“
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