V hindurch zu zwängen, ließ nämlich die Luft, welche das Wrack ſchwimmend erhalten hatte, entweichen, und wir bemerkten mit Schrecken, daß daſſelbe jede Minute tiefer ſank, und daß wir ſelbſt ſchon nahe der Oberfläche des Waſſers waren.
Wir arbeiteten mit Beil und Säge ſo energiſch, als nur Männer thun können, aber vergebens. Das Wrack mußte gänz⸗ lich ſinken, ehe wir fähig waren, das Loch ſo zu erweitern, daß ein Mann hindurch kriechen konnte. Unſere Axt! wir würden jetzt alle Welten für ſie hingegeben haben; die Axt würde ſie wahrſcheinlich gerettet haben. Aber bald bemerkten ſie, ſowohl als wir, daß alle unſere Anſtrengungen vergeblich ſeien, und ſie drängten ſich um die kleine Oeffnung, indem ſie ihre Hände durch dieſelbe ſteckten und die unſrigen krampfhaft feſthielten.
O, dieſe lang hinausgezogene Hoffnung, die erſt in Ent⸗ zücken überging und dann in Verzweiflung endete! Sie ſchrieen, fluchten und beteten. Sie verwünſchten das Licht des Himmels, das durch die kleine Oeffnung auf ſie fiel, da ſie ſo bald in die ewige Dunkelheit begraben werden ſollten, und dann baten ſie Gott wieder um Verzeihung.
Mitten in dieſer Verwirrung drängte ſich der Kapitain des Schooners an die Oeffnung, brachte die andern zur Ruhe und fragte dann mit gelaſſener Stimme, wie weit der Rumpf ſeines Schiffes noch über dem Waſſer ſei. Wir ſagten es ihm und hörten ihn dann dieſe Nachricht ſeinen Gefährten mittheilen, denen er nochmals Stillſchweigen gebot, worauf er uns ſeine unglückliche Geſchichte, die ſehr kurz war, mittheilte.
Sie waren von einem öſtlichen Hafen nach Charleſton be—
ſtimmt und hatten faſt weiter nichts als Ballaſt geladen. In dem letzten Sturme war das Fahrzeug durch einen plötzlichen, ſehr heftigen Windſtoß umgeſchlagen, wobei zwei Mann ertrunken waren.
Die andern begaben ſich, als dieſes geſchah, in den unterſten Schiffsraum, wohin das Waſſer nicht dringen konnte, weil die durch das plötzliche Umſchlagen eingeſchloſſene Luft den Schooner ſchwimmend erhielt. Sie hatten an aller Hilfe verzweifelt, da ſie wußten, daß das Wrack nicht leicht geſehen werden könne, oder wenn dies auch der Fall ſei, wahrſcheinlich für verlaſſen gehalten werden würde.
So hatten ſie vier Tage zugebracht, indem ſie zwar hin⸗ reichende Nahrungsmittel hatten, aber keine Hoffnung hegten, ſondern ſich in ihr unvermeidliches Schickſal ergaben. Als ſie aber unſere Fußtritte hörten, hielten ſie ihre Rettung für gewiß— und jetzt gränzte wieder ihre durch Enttäuſchung verurſachte Verzweiflung an Wahnſinn.
Aber jener Kapitän war ein Mann! Dort hing er an dem Balken des Schiffsbodens und erzählte uns ſeine Geſchichte— ſagte uns ſeinen Namen und die ſeiner Mannſchaft— und nahm mit feſter und männlicher Stimme, die nur etwas zitterte, als er ſeiner Frau und Kinder erwähnte, Abſchied von uns.
„Strecke Deine Hand durch die Oeffnung,“ ſagte er zu einem von uns,„und laß mich ſie küßen. Wenn ihr landet, ſo gehe nach meinem Hauſe und laß mein liebes Weib ihre Lippen auf dieſelbe Stelle drücken. Sage ihr, daß dies Alles iſt, was ich ihr ſenden kann; aber daß mein letzter Athemzug ein Gebet für ſie und ihre Kleinen ſein wird! Und nun lebt wohl, meine lieben Freunde— ihr habt ſo viel für uns gethan, als ihr konntet — Gott belohne euch— ſorgt für eure eigne Sicherheit.“
Aus den reichen Mittheilungen, die für den Feierabend eingegangen ſind, erlauben wir uns, die günſtigen Leſer u. A. auf folgende Artikel aufmerkſam zu machen, die ſie in der Kürze erwarten dürfen: Aus dem Leben eines Landarztes, von Ludwig Storch.— Die graue Hand, Erzählung von E. Ziehen.— Der Admiral aus Friesland, Erzählung von E. Willkomm.— Leidenſchaft und Sitte, Volksgemälde aus der ſchwäbiſchen Alb,
von Paul Stein.— Der Schnee, von Pf. Fleiſchhauer(mit
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Verlag von Hugo Scheube in Gotha.— Verantwortl. Redacteur: Hugo Scheube in Gotha.— Druck von Gieſecke& Devrient in Leipzig. V
Es war wirklich Zeit, wenn wir nicht mit dem ſinkenden Wrack verſchlungen werden wollten, und wir begaben uns mit Gefühlen, mit denen ſich kein Elend vergleichen kann, zurück nach dem Lootſen⸗Boote.
Einen Augenblick ſpäter ging das Wrack unter und das letzte Zeichen derer, die es enthielt, war der Arm des braven Kapitäns, welcher der Erde ein Lebewohl zuzuwinken ſchien.
Buchbinder in England. Die Buchbinderei gedeiht nir⸗ gends zu größerer Vollkommenheit, als in England. Der Luxus, welcher ſich über alle engliſche Geräthe verbreitet, hat ſich auch über die Bücher verbreitet. Bei Bücherverſteigerungen wird ſehr oft der Name des Buchbinders beigefügt, und nach deſſen Rufe das Buch höher oder niedriger bezahlt. Die Bücherlieb⸗ haber halten ſehr viel auf ſchöne Bände, ſuchen darin einander zu übertreffen und zahlen erſtaunliche Summen dafür. In manchen anſehnlichen Bibliotheken iſt nicht ein einziger Band in Kalbleder— dies iſt zu gering— Alles in Saffian und Juch— ten gebunden. Ein Saffianband wird oft mit 3 oder 4 Guineen (etwa 7 Thlr.) bezahlt. Der berühmte Londoner Buchbinder Kalthöber, zu dem die ruſſiſche Kaiſerin Katharina einen be⸗ ſonderen Abgeordneten nach London ſchickte, um ihn zu bewe⸗ gen, nach Petersburg zu kommen, der aber die wahrhaft kaiſer⸗ lichen Bedingungen nicht annahm, verfertigte Bände, einen zu 30 Guineen(195 Thlr.). Von dem Waklieſchen Bibelwerk, 5 Folio⸗Bände, koſtete das Binden 75 Guineen, von Bagdells großer Ausgabe des Shakeſpeare, 9 Bände, 132 Pfd. Sterling.
Der hochgefeiertſte Buchbinder in London war Roger Payne. Sein verzüglichſtes Verdienſt beſtand in ſeinem Geſchmack, und ſeine Bände empfahlen ſich hauptſächlich durch die Wahl und Ausführung ſeiner Ornamente(Verzierungen), in denen er unübertrefflich war, ſo wie durch die Sorgfalt und Genauigkeit, welche er auf das Heften verwendete. Sein Lieblingsband war olivenfarbiger Maroquin. In der Reſtaurirung alter ſchad⸗ hafter Bücher war er einzig; aus ſeinen Meiſterhänden kehrten ſie neu zurück, und er hat in dieſer Hinſicht zuweilen faſt Un⸗ begreifliches geleiſtet. Seine Einbände werden jetzt eifrig geſucht und theuer bezahlt. In gleichem Rufe mit ihm ſtand ein Deut⸗ ſcher, Baumgärtner aus Göttingen, der das Geſchäft des Buch⸗ binders fabrikmäßig geordnet hat. Shakeſpeares Werke in 9. Bänden koſteten von ihm gebunden über 1000 Gulden, für einzelne Quartbände in Saffian zahlte man 60 bis 100 Gulden, in Juchten 15 bis 40 Gulden.
Einfache Bände ſind übrigens in England wohlfeiler als in Deutſchland, indem das Buchbinden ziemlich durchweg, wie auch in Nordamerika, fabrikmäßig betrieben wird. Die deutſchen Buchbinder aber ſind die zahlreichſten und berühmteſten in Lon⸗ don, und ihre Bände die vorzüglichſten.
Golddrucke auf Büchereinbänden werden auch in Deutſch⸗ land jetzt ſehr häufig. In Amerika werden alle Bücher ein— gebunden verſandt und verkauft, und zwar ſind die Einbände in der Regel ſchön, Leder oder Leinwand mit Golddruck. Unſere Verleger nehmen für Gedichte, Romane und dergl. allmählich daſſelbe Verfahren an, und es wird um ſo mehr aufkommen, je weniger die Buchbinder mittlerer und kleiner Städte im Stande
ſind, ſchöne und billige Arbeit zu liefern.
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Illuſtr.)— Das Inſelreich Japan, von A. W. Grube u. v. A


