überſchwemmte und in Moor verwandelte. Kieferwaldungen wurden von Seeſtürmen niedergeworfen und ſpäter ward das Burtanger Moor die Scheidelinie zwiſchen Frieſen und Sachſen, zwiſchen holländiſcher und niederdeutſcher Mundart.
Eichen⸗ und
Die Moorgegenden wurden in den Urzeiten von Chauken bewohnt, die auf künſtlichen Erdhügeln ihre Hütten erbaut und die Küſte noch nicht eingedeicht hatten. Da aber das Meer jetzt 10—12 Fuß höher ſteht als das Land, ſo daß es nur durch koſtſpielige Dämme(Deiche) kann abgehalten werden, ſo folgerte man daraus, daß die ganze Küſtenſtrecke ſich bedeutend müſſe geſenkt haben. In der That finden ſich auf einer däniſchen Inſel mehrere Moorſchichten, abwechſelnd mit Sand⸗ und Kreideſchich ten, regelmäßig über einander, ſo daß man annehmen muß, die Inſel hat wiederholt unter Waſſer geſtanden, V ſo daß ſie eine Moordecke erhielt, worauf ſich Erde über ſie lagerte, auf welcher Eichen, Kiefern und in der letzten Periode Buchen wuchſen. Nach ſorgfältigen Meſſungen iſt die frieſiſche Küſte von 1450— 1734 grade 5 Fuß ge ſunken, bei Dortrecht entdeckte man in der Tiefe altes Straßenpflaſter, große Meerbuſen entſtanden durch Sturmfluthen, und die Dünen rücken immer tiefer in's Land hinein und tief unter dem heutigen Marſchboden liegen Torflager.
Die Beobachtung der Torfmoore gibt uns alſo Auf⸗ ſchluß über die großen Veränderungen, die in Nieder⸗ deutſchland ſtattgefunden haben, ſie lehrt uns, daß die Erdrinde, die ſo feſt zu ſein ſcheint, in ſteter Bewegung begriffen iſt und läßt uns, wenn auch in ferner Zukunft, daß Schickſal jener Niederungen ahnen, die ein Raub der Wellen werden müſſen, wie es denen an Schleswigs Weſt- und Hollands Nordküſte bereits ergangen iſt.
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Die Moore geben nicht nur den Landſtrichen, in denen ſie vorherrſchen, das eintönige Anſehen, ſondern ſie zwingen auch den Geiſtern ihrer Anwohner große Ein förmigkeit auf, verurtheilen ſie zu leiblicher und geiſtiger Armuth, gewöhnen ſie aber auch an zähe Ausdauer. Der Moorbewohner kennt nicht den Reiz landſchaftlicher Schönheit, hat keine Vorſtellung von Berg und Wald, dabei hemmen Regen und Nebel ſeine Thätigkeit, das Einerlei um ihn her regt ihn nicht an zu Gedanken und Plänen. Er wird langſam und bedächtig; ſeine Bedürf niſſe werden auf das beſcheidenſte Maaß beſchränkt, und ſeine Heimath bleibt eine Oaſe, die weit abliegt von der fortſchreitenden Wekt. Um ſein Moor einigermaßen nutzbar zu machen, ſticht er die oberſte Raſendecke ab, trocknet und verbrennt ſie, ſo daß weite Striche der an grenzenden Gebiete wochenlang in dichten, ſtinkenden Rauch gehüllt werden. In die Aſche ſtreut er Buch weizen, der eine kärgliche, oft zweifelhafte Ernte gibt, doch nach 5—6 Jahren muß man eine dreißigjährige Brache eintreten laſſen, ſo daß die Moorbewohner beſſer daran ſind, die einen ſchiffbaren Fluß in der Nähe haben, einen breiten Kanal durch das Moor graben und dieſen als Brennmaterial in benachbarte Städte führen, um die ausgegrabenen Stellen in Wieſe zu verwandeln und durch Dünger nach und nach zu Getreidefeld zu machen.
In einer glücklicheren Lage ſind jene Gegenden, wo die Pflanzenüberreſte zu Braun⸗ und Steinkohlen gewor den ſind, denn bei ihnen blühen Gewerbe, arbeiten Dampfmaſchinen, leuchten helle Gasflammen, bereitet man Steinkohlentheer, Photogen und Paraffinlichter, da man ſchmutzige Brennerde auf mannigfache Weiſe zu be nutzen und ſo hoch zu verwerthen weiß, daß Kohlengru ben zu Goldgruben werden.
Was beliebt.
Erzählung eines Lootſen. Der ſchrecklichſte Schiffbruch, den
ich mit meinen Augen angeſehen habe, war der eines von einem öſtlichen Hafen nach Charleſton(Südkarolina) beſtimmten Schooners. Ein heftiger Sturm hatte eben ausgetobt und der Wind war nach Weſten umgeſprungen, als wir Hampton Roads verließen und an den Capes kreuzten. Es war früh am Morgen, als wir auf unſerer Wetterſeite etwas erblickten, das wie ein Wrack ausſah, obgleich wir uns nicht denken konnten, daß es eines ſei; da aber kein Segel am Horizonte zu ſehen war, und wir Zeit genug hatten, ſo ſteuerten wir darauf zu. Das iſt es, was Seeleute immer thun ſollten, ſie mögen Ziel haben oder nicht. Gott weiß, wie mancher arme Burſche allein und ver⸗ laſſen auf ſeinem Wracke ſtand, während ein Schiff nahe vorbei⸗ ſegelte, deſſen Mannſchaft daſſelbe gänzlich verlaſſen glaubte. Ja, es war wirklich verlaſſen, nachdem das Segel wieder am Horizonte verſchwunden war, und wehe denen, welche die Leiden und die Verzweiflung jener verlaſſenen Seele zu verantworten haben, die ſie hätte retten können, aber zu fahrläſſig waren, es zu thun.
Das Wrack, das wir erblickt hatten, lag gerade in unſerem Courſe, und als wir näher kamen, entdeckten wir, daß es ein
.* 1 Fahrzeug von etwa 150 Tonnen ſei, das mit dem Kiele nach
oben im Waſſer lag. Es war ſo tief geſunken, daß wir den Namen nicht leſen konnten, und ich weiß gerade nicht mehr,
warum wir es thaten, aber wir ſetzten unſer Boot aus, ruderten an das Wrack und ſtiegen auf den Boden deſſelben hinauf. Wer vermag ſich unſer Erſtaunen zu denken, als wir Jemanden an der innern Seite klopfen hörten. Anfangs glaubten wir, es möchte Etwas von der Ladung ſein, das in dem Wrack umher fluthete; aber als wir lauſchten, hörten wir deutlich eine menſchliche Stimme.
Augenblicklich kehrten wir nach dem Boote zurück und holten die wenigen Werkzeuge, die wir bei uns hatten;— eine Axt, ein kleines Beil und eine Säge— und fingen an, eine Oeffnung in den Boden des Fahrzeuges zu hauen. Unglücklicher Weiſer aber flog die Axt bei dem erſten Schlage über Bord und war verloren; wie bitter hatten wir dieſe Fahrläſſigkeit zu bereuen! Wir arbeiteten mit dem kleinen Beile und der Säge ſo, daß wir in wenigen Augenblicken ein Loch gemacht hatten, groß genug für eine Perſon das Geſicht zeigen und für uns den Freuden⸗ ſchrei derer, die uns als ihre Erlöſer begrüßten, hören zu können. Nie waren wohl Menſchen beſtimmt, mehr getäuſcht zu werden, als dieſe armen Geſchöpfe. Für einige Augenblicke überließen ſie ſich dem Wahnſinn, der Freude, und dann, als ſie die ſchreck⸗ liche Wahrheit ſahen, daß wir, ſtatt zu retten, nur ihren Unter⸗ gang beſchleunigten,— entſtand eine Scene, welche keine Feder beſchreiben, keine Zunge erzählen kann. Das Loch, das wir gemacht hatten, obgleich nicht groß genug für einen Mann, ſich


